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25.01.2016

11:04 Uhr

Rohstoffe

Saudi Arabien und Schneesturm wirbeln Ölpreis durch

Der Kälteeinbruch in den Vereinigten Staaten hat den Ölpreis zunächst steigen lassen. Anleger erwarten eine höhere Nachfrage nach Heizenergie. Doch Nachrichten aus Saudi Arabien schicken den Preis erneut nach unten.

Der Schneesturm in den Vereinigten Staaten gibt dem Ölpreis Schwung. ap

Nachfrage nach Heizenergie

Der Schneesturm in den Vereinigten Staaten gibt dem Ölpreis Schwung.

TokioDer Anstieg des Ölpreises und Hoffnungen auf weitere Konjunkturstützen von Notenbankseite haben die Erholung an den asiatischen Börsen am Montag vorangetrieben. Der Wintereinbruch in den USA ließ die Heizölnachfrage und damit den Ölpreis steigen. Außerdem hatte der Ölindustrie-Dienstleister Baker Hughes am Freitag mitgeteilt, dass die Zahl der Bohrlöcher in den USA zum neunten Mal in zehn Wochen auf aktuell 510 zurückgegangen ist. Vor einem Jahr wurde an fast drei Mal so vielen Stellen nach Öl gebohrt.

Die Aussicht auf eine anziehende Nachfrage und Hoffnungen auf ein schrumpfendes Überangebot haben Rohöl am Montag zunächst verteuert. Den Trend drehten Nachrichten aus Saudi-Arabien jedoch ins Negative. Saudi Aramco, der Staatskonzern mit Monopolmacht, habe nicht vor, seine Investitionen in seine Öl- und Gasprojekte zu reduzieren, erklärte der Geschäftsführer Khalid Al-Falih. Erst am Sonntag verkündete Al-Falih, dass der geplante Börsengang Saudi Aramcos auch an internationalen Märkten stattfinden könne. Das Unternehmen scheint daher wenig interessiert, auf irgendeine Weise den potenziellen Ausgabepreis zu schmälern – und setzt auf Standfestigkeit in seiner Strategie.

Saudi-Arabien sei das Land, das am günstigsten Öl produzieren könne, sagt Al-Falih. „Wir können niedrige Ölpreise für eine sehr, sehr lange Zeit erdulden“, erklärt der Saudi Aramco-CEO. Im Dezember pumpte der Staatskonzern 10,25 Millionen Barrel pro Tag aus der Erde. Das entspricht etwa einem Neuntel der weltweiten Förderung.

Die Chronik des Ölpreisverfalls

Der Verfall

Ein weltweites Überangebot bei schwächelnder Nachfrage setzt dem Ölpreis immer stärker zu. Noch im Juni 2014 kostete ein Barrel (Fass zu je 159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent 115,7 Dollar. Derzeit kostet ein Fass Öl aus der Nordsee weniger als 33 Dollar.

Die Gründe

Ein Grund für das Überangebot ist der Schieferölboom in den USA. Ein anderer ist die Förderpolitik der Opec, die anders als in früheren Jahren den Preis nicht durch die Senkung von Fördermengen stützen will oder kann. Stattdessen kämpfen die Kartellmitglieder mit Rabatten um ihre Marktanteile. Diese Preis-Meilensteine durchschritt die Ölsorte Brent seit Anfang 2015:

7. Januar 2015

Der Brent-Preis fällt zum ersten Mal seit Mai 2009 unter 50 Dollar je Fass.

13. Januar 2015

Mit 45,19 Dollar erreicht Brent den niedrigsten Stand seit März 2009.

3. Februar 2015

Spekulationen auf einen deutlichen Rückgang des Überangebots treiben den Preis für Brent wieder über 55 Dollar.

6. Mai 2015

Export-Ausfälle in Libyen schüren Spekulationen auf einen Versorgungsengpass: Der Ölpreis steigt bis auf 69,63 Dollar.

3. August 2015

Erstmals seit Januar rutscht Brent wieder unter die 50-Dollar-Marke. Auslöser ist ein Rekordanstieg der Ölproduktion der Opec-Länder im Juli.

24. August 2015

Aus Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft machen Anleger einen großen Bogen um Öl. Brent verbilligt sich um bis zu 6,5 Prozent auf 42,51 Dollar. Damit kostet das Nordsee-Öl so wenig wie zuletzt im März 2009.

8. Dezember 2015

Nachdem die Opec ihre Förderpolitik bestätigt hat und in der Abschlusserklärung nicht einmal mehr eine Zahl für die Obergrenze der Produktion auftaucht, gehen die Notierungen erneut in die Knie: Brent fällt auf bis zu 39,81 Dollar und ist damit so billig wie zuletzt im Februar 2009.

21. Dezember 2015

Brent kostet mit rund 36 Dollar so wenig wie zuletzt im Juli 2004.

4. Januar 2016

Nach der Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen im sunnitischen Saudi-Arabien eskaliert der seit langem schwelende Konflikt zwischen dem Iran und dem Königreich. Dies macht eine gemeinsame Linie der beiden Opec-Mitglieder in der Ölpolitik unwahrscheinlich. Die Preise nehmen ihre Talfahrt wieder auf.

7. Januar 2016

Brent stürzt um sechs Prozent auf 32,16 Dollar ab und notiert damit so niedrig wie zuletzt im April 2004. Damals hatte der Preis zuletzt die 30-Dollar-Marke unterschritten.

Die Aussagen Al-Falihs schüchterten den Ölpreis ein. Für die richtungsweisende Sorte Brent aus der Nordsee ging es um 2,6 Prozent auf 31,33 Dollar je Barrel nach unten. Das US-Öl WTI sackte noch stärker ab, um 2,6 Prozent auf 31,34 Dollar.

Dabei hatten Anleger Ende der vergangenen Woche noch mit steigenden Preisen gerechnet. „Der jüngste Anstieg des Ölpreises zusammen mit den Signalen der Notenbanken in Europa und Japan für weitere Stimulierungen hat für eine kurzfristige Atempause am Markt gesorgt, den man bislang im Jahr als nervös und sehr herausfordernd bezeichnend kann“, sagte Analyst Gary Huxtable vom Broker Atlantic Pacific Securities. Sowohl bei der US-Notenbank Fed als auch bei der japanischen Zentralbank stehen diese Woche geldpolitische Entscheidungen an.

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