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18.08.2016

15:09 Uhr

Rohstoffe

Spekulanten treiben den Ölpreis

VonHans-Peter Siebenhaar

Sinkende Vorräte in den USA lassen den Ölpreis auf 50 Dollar pro Barrel steigen. Experten bezweifeln jedoch eine Trendwende. Ein dauerhaft höheres Preisniveau sei unwahrscheinlich.

Vor allem Spekulationen treiben derzeit den Ölpreis. dpa

Heizöl

Vor allem Spekulationen treiben derzeit den Ölpreis.

WienDie Euphorie am Markt ist groß: Erstmals seit Juli übersprang der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseeölsorte Brent wieder die psychologisch wichtige Grenze von 50 Dollar. Im August – ohnehin ein Monat mit starker Nachfrage – zogen die Preise deutlich an. Innerhalb der letzten Wochen legten sie um mehr als ein Fünftel zu.

„Es sind vor allem Spekulationen, die den Preis treiben“, sagte ein Öl-Analyst eines unabhängigen Instituts. „Der Markt ist so nervös, dass jede kleinste Informationen oder gar Äußerungen aus dem Umfeld der Opec eine sofortige Preisreaktion auslöst.“ Die Fundamentaldaten, auf die es ankäme, hätten sich aber nicht geändert.

Zuletzt hatten die unerwarteten Angaben der amerikanische Energieministeriums über sinkende Rohöl- und Benzinvorräte für einen Preisauftrieb gesorgt. Der Effekt kam dadurch zustande, dass die USA weniger Öl importierten und gleichzeitig in den traditionellen Ferienwochen mehr Benzin verbrauchten.

Eine nachhaltige Trendwende, nach denen sich die Ölförderländer, die Konzerne und die Technologiefirmen seit zwei Jahren sehnen, bezweifeln jedoch Experten. „Wir erwarten in diesem Jahr sogar einen Preis von unter 30 Dollar pro Barrel“, sagte ein erfahrener Analyst, der den Ölmarkt seit Jahrzehnten kennt. Zuletzt hatte Saudi-Arabien, das Schwergewicht des Ölkartells Opec, im verbrauchsintensiven Monat August die Produktion auf ein Rekordniveau von bis zu 10,9 Millionen Barrel täglich hochgefahren.

„Dieses rekordhohe Angebot würde auf einen Markt treffen, wenn sich die Nachfrage saisonbedingt gerade abzuschwächen beginnt und die Raffinerien ihre Verarbeitung reduzieren. Die Ölpreise dürften daher bald wieder nachgeben“, schreiben daher die Energieanalysten der Commerzbank.

Die Einschätzung deckt sich auch mit den Erwartungen der Industrie. Rainer Seele, CEO des Ölkonzerns OMV, sagte erst vor wenigen Tagen, dass er eine schnelle Erholung im Markt nicht erwartet. Der frühere Wintershall-Chef  geht für dieses Jahr von einem durchschnittlichen Ölpreis von 40 Dollar pro Barrel aus. Aus diesem Grund hat der OMV-Vorstand den Sparkurs noch verschärft. Bis Ende 2017 will der Konzern die Kosten um 150 Millionen Euro senken.

Optimisten erwarten unterdessen, dass sich die OPEC noch in diesem Jahr durchringt, die Ölproduktion einzufrieren und das globale Überangebot einzudämmen. Der russische Energieminister Alexander Novak sagte im Vorfeld eines Treffen mit dem saudischen Ölminister Khalid Al-Falih im September, sein Land sei offen, die Produktion einzufrieren. 

Derartige Versuche gab es in der Vergangenheit immer wieder. Doch bislang hatten Gespräche zwischen Russland und Opec nie zu einem Durchbruch geführt. Die Interessen innerhalb Ölkartells sind sehr unterschiedlich. Das Opec-Mitglied Venezuela, dessen Staatshaushalt sich vor allem aus der Ölförderung finanziert, steht vor einem wirtschaftlichen Zusammenbruch. Der Iran hingegen verfolgt das ehrgeizige Ziel die Produktion zu erhöhen. Das würde die Preise unter Druck bringen.

Erst vor wenigen Tagen besuchte der iranische Diplomat für die internationalen Organisation, Reza Najafi, die Opec in Wien.  Er versicherte dem neuen nigerianischen Opec-Generalsekretär Sanusi Barkindo, dass der Iran ein stabiler und loyaler Unterstützer der Opec sei. Najafi drückte seine Zuversicht aus, dass die Opec-Mitgliedsstaaten „zusammenarbeiten wie eine Familie“.

Analysten in Wien erwarten deshalb, dass Teheran gegenüber dem Erzrivalen aus Riad kompromissbereiter sein wird als in der Vergangenheit. Die nächste Opec-Konferenz findet am 30. November in der österreichischen Hauptstadt statt. Insider des Ölkartells gehen nicht davon aus, dass es zu einer vorgezogenen Konferenz kommen wird. Der Opec gehören vierzehn Länder an. Ende vergangenen Jahres kehrte Indonesien in die Gemeinschaft zurück. Seit kurzem ist auch das westafrikanische Ölförderland Gabun wieder Mitglied.

Die Chronik des Ölpreisverfalls

Der Verfall

Ein weltweites Überangebot bei schwächelnder Nachfrage setzt dem Ölpreis immer stärker zu. Noch im Juni 2014 kostete ein Barrel (Fass zu je 159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent 115,7 Dollar. Derzeit kostet ein Fass Öl aus der Nordsee weniger als 33 Dollar.

Die Gründe

Ein Grund für das Überangebot ist der Schieferölboom in den USA. Ein anderer ist die Förderpolitik der Opec, die anders als in früheren Jahren den Preis nicht durch die Senkung von Fördermengen stützen will oder kann. Stattdessen kämpfen die Kartellmitglieder mit Rabatten um ihre Marktanteile. Diese Preis-Meilensteine durchschritt die Ölsorte Brent seit Anfang 2015:

7. Januar 2015

Der Brent-Preis fällt zum ersten Mal seit Mai 2009 unter 50 Dollar je Fass.

13. Januar 2015

Mit 45,19 Dollar erreicht Brent den niedrigsten Stand seit März 2009.

3. Februar 2015

Spekulationen auf einen deutlichen Rückgang des Überangebots treiben den Preis für Brent wieder über 55 Dollar.

6. Mai 2015

Export-Ausfälle in Libyen schüren Spekulationen auf einen Versorgungsengpass: Der Ölpreis steigt bis auf 69,63 Dollar.

3. August 2015

Erstmals seit Januar rutscht Brent wieder unter die 50-Dollar-Marke. Auslöser ist ein Rekordanstieg der Ölproduktion der Opec-Länder im Juli.

24. August 2015

Aus Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft machen Anleger einen großen Bogen um Öl. Brent verbilligt sich um bis zu 6,5 Prozent auf 42,51 Dollar. Damit kostet das Nordsee-Öl so wenig wie zuletzt im März 2009.

8. Dezember 2015

Nachdem die Opec ihre Förderpolitik bestätigt hat und in der Abschlusserklärung nicht einmal mehr eine Zahl für die Obergrenze der Produktion auftaucht, gehen die Notierungen erneut in die Knie: Brent fällt auf bis zu 39,81 Dollar und ist damit so billig wie zuletzt im Februar 2009.

21. Dezember 2015

Brent kostet mit rund 36 Dollar so wenig wie zuletzt im Juli 2004.

4. Januar 2016

Nach der Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen im sunnitischen Saudi-Arabien eskaliert der seit langem schwelende Konflikt zwischen dem Iran und dem Königreich. Dies macht eine gemeinsame Linie der beiden Opec-Mitglieder in der Ölpolitik unwahrscheinlich. Die Preise nehmen ihre Talfahrt wieder auf.

7. Januar 2016

Brent stürzt um sechs Prozent auf 32,16 Dollar ab und notiert damit so niedrig wie zuletzt im April 2004. Damals hatte der Preis zuletzt die 30-Dollar-Marke unterschritten.

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