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28.08.2013

14:28 Uhr

Rohstoffe

Syrien-Krise treibt Ölpreis in die Höhe

Der mögliche Militärschlag gegen Syrien beunruhigt Investoren. Sie fürchten um die Versorgung mit Öl. Der Ölpreis klettert auf den höchsten Stand seit zwei Jahren. Experten warnen vor einem Anstieg auf 150 Dollar.

Die Sorge vor einer Eskalation in Syrien treibt den Ölpreis auf ein Zwei-Jahreshoch. dpa

Die Sorge vor einer Eskalation in Syrien treibt den Ölpreis auf ein Zwei-Jahreshoch.

FrankfurtDie Sorge vor einer Eskalation des Syrien-Konflikts hat die Ölpreise am Mittwoch weiter stark nach oben getrieben. Der Preis für US-Öl erreichte am Morgen den höchsten Stand seit Mai 2011, nachdem die Notierung bereits am Vortag stark zugelegt hatte. Ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im Oktober kostete am Morgen 112,02 US-Dollar. Das waren 3,01 Dollar mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent sprang um 2,75 Dollar nach oben auf 117,11 Dollar. Damit haben sich beide Sorten binnen zwei Tagen um jeweils knapp sechs Prozent verteuert.

„Für sich betrachtet haben die Ereignisse in Syrien nur geringen Einfluss auf den Ölpreis“, schrieben die Analysten der ANZ Bank in einem Kommentar. Entscheidend sei die Furcht vor einem Übergreifen der Spannungen auf andere Staaten der Region. Ric Spooner, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses CMC Markets, prognostizierte für den Fall eines Militärschlags den Anstieg des Brent-Preises auf bis zu 126 Dollar.

Von der Société Générale hieß es sogar, Brent könne im Falle weiterer Lieferengpässe bis auf 150 Dollar je Barrel steigen. „Händler müssen hier die potenziellen Produktionseinbußen in Nachbarländern von Syrien einpreisen, falls der Westen angreift”, sagte Ken Hasegawa von der Newedge Group in Tokio, „und das wird den Preis hoch halten. Jeder hier möchte jetzt Long sein bei Öl, und entsprechend hektisch werden Shortpositionen geschlossen.“

Risiken und Probleme eines Militärschlags

Sind gezielte Luftschläge gegen das Assad-Regime erfolgversprechend?

Das ist höchst umstritten und hängt davon ab, was die Beteiligten erreichen wollen. Derzeit wird vor allem über einen kurzen, eher demonstrativen Beschuss ausgewählter Ziele mit Marschflugkörpern gesprochen. Damit soll Assad gezeigt werden, dass er eine „rote Linie“ überschritten hat. Fraglich ist, welchen politischen Nutzen das brächte. Etwas anderes wären auf Wochen oder Monate angelegte Luftangriffe mit dem Ziel, eine Flugverbotszone einzurichten und damit das Regime zu stürzen. Hier streiten Militärexperten um die Frage, ob das machbar wäre - und mit welchen Verlusten. Der Nato-Oberkommandeur, US-General Philip Breedlove, hat gesagt, es sei unmöglich, alleine mit Luftangriffen die syrischen Chemiewaffen zu zerstören oder zu sichern.

Welche Risiken bestehen bei einem Einsatz?

Raketen und Bomben könnten ihre Ziele verfehlen und Zivilisten töten. Andere Ziele könnten lediglich unzureichend getroffen werden, so dass weitere Einsätze notwendig sind. Falls bei einem Angriff Flugzeuge eingesetzt werden, sind Verluste nicht auszuschließen. Nicht zuletzt: Das Regime in Damaskus könnte zum massiven Einsatz von Giftgas greifen. Auch die Reaktion Russlands und des Irans ist nicht absehbar. Russland könnte etwa die militärische Hilfen an das Regime verstärken, auch Teheran hat bereits dunkle Drohungen gemacht.

Warum ist eine Militäraktion in Syrien so gefährlich?

Syrien ist dicht besiedelt und verfügt über als gut ausgerüstet geltende Streitkräfte. Syrien hat eine von Russland aufgebaute Flugabwehr. Vor allem liegt Syrien im Herzen des Nahen Ostens. Russland und der Iran unterstützen Syrien mit Waffen. Moskau fürchtet - ebenso wie auch manche westlichen Regierungen - dass nach einem Sturz Assads Islamisten oder Extremisten die Macht übernehmen könnten und verweist auf die Instabilität in Libyen. Der Iran sieht in Syrien einen wichtigen feindlichen Nachbarn Israels. Die israelische Regierung plädiert für ein hartes Vorgehen der USA gegen Assad, um damit dem Iran zu zeigen, was Teheran droht, falls es Atomwaffen produzieren sollte. All dies zusammen bedeutet nach Einschätzung vieler Diplomaten, dass eine Militäraktion rasch zu einem Flächenbrand mit kaum kalkulierbaren Folgen führen könnte.

Welche Rechtsgrundlage könnte es für einen Militärschlag geben?

Der UN-Sicherheitsrat könnte eine Militäraktion erlauben. Allerdings ist das unwahrscheinlich. Die Vetomächte Russland und China haben bisher bereits die Androhung solcher Maßnahmen im UN-Sicherheitsrat verhindert. Denkbar, aber juristisch umstritten wäre eine Berufung auf Artikel 51 der UN-Charta. Dieser Artikel sichert „das naturgegebene Recht zur individuellen oder kollektiven Selbstverteidigung, bis der Sicherheitsrat die zur Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit erforderlichen Maßnahmen getroffen hat“.

War das bei Militäreinsätzen im Kosovo, im Irak und in Libyen der Fall?

Nein. Die Rechtmäßigkeit war deshalb immer umstritten. Die Nato berief sich bei den am 24. März 1999 begonnenen Luftangriffen auf die Notwendigkeit, der Bevölkerung des Kosovos gegen jugoslawische Truppen zu helfen und eine humanitäre Katastrophe zu verhindern. Im März 2003 begründeten die USA den Beginn des Irak-Krieges mit der Gefahr, Präsident Saddam Hussein verfüge über Massenvernichtungswaffen. Die Behauptung stellte sich später als falsch heraus. Der Kriegsbeginn wurde von den USA damit begründet, eine Resolution des UN-Sicherheitsrates habe Saddam „ernste Konsequenzen“ angedroht. Zur Begründung der Bombardierung Libyens berief sich die Nato im März 2011 auf ein Mandat des Sicherheitsrates für eine Flugverbotszone zum Schutz der Zivilbevölkerung. Russland beklagte, das Mandat sei zu weitgehend interpretiert worden.

Was tut die Nato?

Es könnte sein, dass die Nato gar nicht in Erscheinung tritt, sondern nur einige Mitgliedsstaaten. Die 28 Nato-Staaten haben jedenfalls bisher noch keinen offiziellen Auftrag an die Militärs gegeben, ein Eingreifen in Syrien vorzubereiten. Dies könnte aber rasch geschehen, sofern einzelne Mitglieder der Allianz vorpreschen. Beim Libyen-Einsatz hat die Nato erst sechs Tage nach dem Beginn von Einsätzen entschieden, die Führung der Aktion zu übernehmen. General Breedlove hat gesagt, die Abwesenheit eines offiziellen Auftrags hindere seine Offiziere nicht daran, „darüber nachzugrübeln, was nötig wäre, falls die Nato gefragt würde“.

An den europäischen Börsen gab der hohe Ölpreis den Aktien der großen Ölkonzerne einen neuen Schub.„Das ist ein Sektor, den die Anleger zuletzt gemieden haben. Die Bewertungen dort sind ziemlich attraktiv“, erklärte Robert Parkes, Stratege bei HSBC in London. Zu den größten Gewinnern zählten die Titel des in Paris gelisteten Ölkonzerns Total mit einem Plus von bis zu 2,8 Prozent auf 42,90 Euro. Die in Mailand gehandelten Aktien von Eni zogen in der Spitze um 2,3 Prozent auf 17,58 Euro an. In Amsterdam zählten Shell mit einem Plus von 1,8 Prozent auf 24,74 Euro zu den größten Gewinnern. Die Titel von BP stiegen um 1,1 Prozent.

Größter Gewinner im Stoxx-Energie-Branchen-Index, der um 1,7 Prozent zulegte, waren aber die Aktien der österreichischen OMV mit einem Plus von bis zu 6,3 Prozent auf 37,70 Euro. Damit führten die Aktien auch den Wiener Leitindex ATX an. Die Aktien der norwegischen Statoil legten 3,9 Prozent zu.

Eine Woche nach dem mutmaßlichen Giftgaseinsatz in Syrien steht ein Militärschlag des Westens gegen das Regime in Damaskus möglicherweise unmittelbar bevor. Der Sender NBC berichtete, Raketenangriffe auf Ziele in dem Land könnten bereits am Donnerstag beginnen. Schon jetzt sei die Unsicherheit der Anleger am Ölmarkt vor einer Eskalation der Lage groß, beschrieb ein US-Rohstoffexperte die Stimmung. Die Sorge könnte seiner Einschätzung nach mit Blick auf den bevorstehenden Militärschlag noch weiter steigen.

Überdies ist die Ölproduktion in Libyen auf weniger als 200.000 Barrel gesunken und damit so niedrig wie zuletzt im Konflikt um den Ex-Diktator Muammar Gaddafi.

Der Goldpreis war am Kassamarkt bei 1427,65 Dollar je Unze weitere 0,9 Prozent höher als am Vortag. Gold hat sich seit vier Tagen in Folge verteuert. "Der Markt ist ganz auf den Aspekt 'sicherer Hafen' konzentriert", sagte David Lennox, Rohstoffanalyst bei Fat Prophets in Sydney.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

28.08.2013, 09:08 Uhr

Die Handelsblatt-Redaktion erlaubt keine Kommentare beim Syrien-Artikel, der seit gestern an prominentester Stelle plaziert wird, und der heutige Artikel, wo eine Diskussion stattfinden kann (und auch stattfindet) wird unter "ferner liefen" plaziert, und schnell unter neuen Artikeln, wie diesem hier "begraben".

Hier ist er übrigens, falls jemand die Kommentare lesen will:

http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/syrien-debatte-cdu-politiker-haelt-militaerschlag-ohne-uno-mandat-fuer-moeglich/8703424.html

Ich hoffe, das wird nicht als "Werbefläche" eliminiert!

Die Kriegstreiber sind auch in Deutschland am Werk!

gugginga

28.08.2013, 09:39 Uhr

genau...wir hängen als "Westler" gemeinsam bei solchen Aktionen mit drin..Wir sind die größten Kriegstreiber..nicht das volk, das will eh nicht. Schon wieder Krieg..nach Irak, Afganistan, lybien...und dann sind statt einem nicht grad guten "Diktator" noch schlimmere Regime am Ruder..Mursi, oder wer grad in Lybien an der Ohn(macht) ist..usw. Wir, und unsre Sch..ß-Freunde..GB, dass uns auspioniert, Frankreich, Usa, israel, gemeinsam mit den Saudis machen schon wieder Krieg und unsre Politiker helfen aus der 2ten Reihe..super.

gugginga

28.08.2013, 10:26 Uhr

mich regt das schon auf, denn wo werden denn da unsere Interessen verteidigt? das Ergebnis ist, dass bei der nächsten Flugreise der Securitycheck bis in die Unterhose geht..und natürlich höhere Preise wegen öl und Security..aber es schreit keiner dagegen, bzw. sieht kaum wer die Konsequenzen. Ich bin kein Assad-fan, aber es war friedlich dort und die Minderheiten waren sicher, das wird sich ändern..dann auch in Ägypten werden die Kopten jetzt ja angegriffen..Mumbarak waren die "Goldenen Zeiten" im Vergleich was die jetzt erleben.

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