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18.06.2013

10:41 Uhr

Rohstoffe

Wetten auf Silber platzen

Profi-Investoren waren sich sicher: Investments in Silber sollten gute Renditen bringen und auch noch vor Inflation schützen. Die Wette ging nicht auf, die Verluste der Anleger sind horrend. Lohnt der Einstieg?

Silberbarren: Weniger wert als noch vor ein paar Monaten. dpa

Silberbarren: Weniger wert als noch vor ein paar Monaten.

Hochmut kommt vor dem Fall. Profi-Investoren hatten für dieses Jahr große Hoffnungen in Silber gesetzt. Daraus wurde nichts, das Edelmetall führt die Verlustliste bei Rohstoffinvestments an. Der Preis ist um 28 Prozent eingebrochen. Das Vertrauen in Edelmetalle als Anlage zum Werterhalt des Vermögens schwindet. Zudem belastet die Aussicht auf schwächeres Wirtschaftswachstum die Nachfrage aus der Industrie.

In einer Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg im Dezember vergangenen Jahres hatten Investoren Silber in diesem Jahr einen Preisanstieg um 33 Prozent vorausgesagt. Tatsächlich ist der Preis auf 22 Dollar je Unze gefallen und der Wert der Silberpositionen um 5,2 Milliarden Dollar abgeschmolzen. Silber steht vor der schlechtesten Entwicklung seit 1984.

Selbst wenn Silber nach der aktuellen Median-Prognose von 14 Befragten bis zum 31. Dezember noch eine Rally bis auf 23,50 Dollar je Unze hinlegen sollte, wäre das noch ein Verlust von 23 Prozent in diesem Jahr. Im April war Silber in einen „Bärenmarkt“ geraten, ebenso wie Gold. Der Preis liegt nun 56 Prozent unter dem Rekord bei 49,80 Dollar je Unze aus dem April 2011. Ein Bärenmarkt wird definiert durch einen Preisrutsch von 20 Prozent seit dem letzten Hoch.

Goldnachfrage weltweit (in Tonnen)

2003

Schmuck: 2.484
Barren und Münzen: 304
ETFs: -
Industrie: 386
Zentralbanken: -620
Gesamt: 2.594 Tonnen

2004

Schmuck: 2.616

Barren und Münzen: 355

ETFs: 133

Industrie: 419

Zentralbanken: -479

Gesamt: 3.044

2005

Schmuck: 2.719

Barren und Münzen: 396

ETFs: 208

Industrie: 438

Zentralbanken: -663

Gesamt: 3.098

2006

Schmuck: 2.300

Barren und Münzen: 414

ETFs: 260

Industrie: 468

Zentralbanken: -365

Gesamt: 3.077

2007

Schmuck: 2.423

Barren und Münzen: 435

ETFs: 253

Industrie: 476

Zentralbanken: -484

Gesamt: 3.104

2008

Schmuck: 2.304

Barren und Münzen: 869

ETFs: 321

Industrie: 461

Zentralbanken: -235

Gesamt: 3.720

2009

Schmuck: 1.814

Barren und Münzen: 780

ETFs: 623

Industrie: 410

Zentralbanken: -34

Gesamt: 3.593

2010

Schmuck: 2.017

Barren und Münzen: 1.205

ETFs: 382

Industrie: 466

Zentralbanken: 77

Gesamt: 4.147

2011

Schmuck: 1.972

Barren und Münzen: 1.515

ETFs: 185

Industrie: 453

Zentralbanken: 457

Gesamt: 4.582

2012

Schmuck: 1.908

Barren und Münzen: 1.256

ETFs: 279

Industrie: 428

Zentralbanken: 535

Gesamt: 4.405

2013

Schmuck: 2.671

Barren und Münzen: 1.702

ETFs: - 916

Industrie: 354

Zentralbanken: 625

Gesamt: 4.436

2014

Schmuck: 2.457

Barren und Münzen: 1.004

ETFs: - 183

Industrie: 347

Zentralbanken: 588

Gesamt: 4.212

Q1 2015

Schmuck: 601

Barren und Münzen: 253

ETFs: 26

Industrie: 80,4

Zentralbanken: 119

Gesamt: 1.079
Auf das Jahr hochgerechnet: 4.316

„Silber ist ins Kreuzfeuer geraten zwischen seiner Bedeutung als Edelmetall und als Industriemetall“, sagt John Stephenson, Senior Vice Präsident und Fondsmanager bei First Asset Investment Management in Toronto. „Seit die Investoren Gold verkaufen, verliert auch Silber an Glanz. Und bevor die Investoren anfangen können, Silber als Industriemetall anzusehen, brauchen wir ein ausreichendes Wirtschaftswachstum.

Analysten hatten mehrere Gründe, dem Silberpreis eine Rally vorauszusagen: Zum einen sollten Turbulenzen die Nachfrage nach Edelmetallen als Schutz vor Inflation und Währungsverfall antreiben, zum anderen sollte anziehendes Wirtschaftswachstum der Silber-Nachfrage von Seiten der Industrie Schub geben.

Doch der Preiseinbruch bei Gold, stabile Verbraucherpreise und wachsende Sorgen im Hinblick auf die Konjunkturstärke sorgten stattdessen dafür, das Silber weniger attraktiv wurde.

Kommentare (19)

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Account gelöscht!

18.06.2013, 11:11 Uhr

wer monatlich etwas Silber kauft, kann im Moment nicht viel falsch machen, denke ich.

Bei Gold sehe ich das genauso.

Account gelöscht!

18.06.2013, 11:24 Uhr

Warum die Liquidierung von "ETPs" ein Problem darstellen soll, erschließt sich mir nicht. Sollten diese Produkte tatsächlich irgendwo das Gold haben, wie sie es oft vorgeben, dann wechselt dieses Gold halt den Besitzer. Es verschwindet nicht in einem schwarzen Loch, bzw. es liegt da nicht irgendwo auf Halde herum.
Und wenn sie das Gold nicht haben, es also rein "imaginär" ist, so what?

Faktisch ist es doch eher so, daß offenbar Goldversprechen in physische Edelmetalle umgewandelt werden, weil den Versprechen nicht mehr getraut wird. Das ist eine sehr vernünftige Entwicklung. Und sicherlich ein großes Problem - aber nicht für den Goldpreis, eher für die Teilreserve-Goldbanken deren "Reserven" für ihre Papierprodukte langsam sehr ausdünnen.
Und nachdrucken geht leider nicht.

OleLakshmiMuellerSchabrunski

18.06.2013, 11:27 Uhr

Schön gesehen.

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