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28.03.2011

14:14 Uhr

Rohstoffhändler

Giganten in Öl

VonGünter Heismann, Hauke Reimer
Quelle:WirtschaftsWoche

Fünf milliardenschwere Konzerne steuern aus der Schweiz die Erdöl-Ströme der Welt. Sie handeln mit Ölmultis, arabischen Potentaten und russischen Oligarchen - meist im Verborgenen. Der Einflussreichste der "Big Five", Glencore, will an die Börse.

Das schweizerische Unternehmen Glencore liebäugelt mit einem Börsengang. Quelle: Reuters

Das schweizerische Unternehmen Glencore liebäugelt mit einem Börsengang.

Frankfurt Wie reich sie sind, wissen sie selbst nicht. Dass aber der Rohstoffboom sie immer reicher gemacht hat, dürfte den rund 500 Rohstoffhändlern und Managern, denen Glencore gehört, klar sein. Der Handelsriese aus dem schweizerischen Baar liebäugelt mit einem Börsengang, an den Weltbörsen wird ein Unternehmenswert von bis zu 60 Milliarden Dollar herumgereicht. Pro Partner wären das 120 Millionen. Vor 15 Monaten, als Glencore erstmals Investoren mit ins Boot nahm, wurde die Firma mit 35 Milliarden Dollar bewertet, Ende 2005 schätzten die Berater von McKinsey deren Wert noch auf 15 Milliarden.

Warum also nicht aussteigen, wenn es am schönsten ist?

Glencores Geschäft ist vor allem der Handel mit Erdöl, Kohle, Metallen, Getreide und anderen Rohstoffen. Und der floriert wie selten zuvor. 2010 trieben die Händler vom Zuger See, die täglich nach Feierabend in nagelneuen Vans von ihrer unscheinbaren Zentrale zum Zuger Bahnhof gekarrt werden, ihren Umsatz um gut ein Drittel auf 145 Milliarden Dollar, der Nettogewinn stieg auf 3,8 Milliarden Dollar. Damit hat Glencore doppelt so viel verdient wie der Dax-Konzern Bayer.

Zusammen kommen die fünf führenden, alle aus der Schweiz operierenden Öl-Handelshäuser Glencore, Vitol, Trafigura, Gunvor, und Mercuria auf mehr als eine halbe Billion Dollar Umsatz - etwa so viel wie das Sozialprodukt der Schweiz. Durch die Hände der großen fünf geht geschätzt ein Drittel des Rohöls, das von den Erzeugerländern auf den Weltmarkt gebracht wird. Wohl keine legale Branche weltweit gibt so wenig über sich preis. Wem die Unternehmen genau gehören, mit wem sie Handel treiben, wie hoch ihre Gewinne sind, darüber reden die Ölhändler nicht.

Ebenso wie die Öffentlichkeit scheuen sie das Finanzamt. Damit die Steuerlast möglichst gering gehalten wird, haben die Firmen meist eine komplizierte Konstruktion: Die Mutter sitzt meist in den Niederlanden, wo Holdings maßvoll besteuert werden. Für das operative Geschäft ist eine Tochter in der Schweiz verantwortlich - Unternehmen in ausländischem Besitz werden vom Schweizer Fiskus schonend behandelt, auch die persönlichen Steuersätze der Händler sind lachhaft niedrig.

Kommentare (1)

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schweizer

29.03.2011, 11:41 Uhr

"laut insidern" - der insider heisst simon buerk, neuer pressesprecher von glencore und ex-sprecher von shell. glencore besucht zur zeit wirtschaftsredaktionen und streut solche pseudo-insider-off-the-record-informationen.

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