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31.08.2015

14:00 Uhr

Rohstoffmärkte

Die verrückte Fahrt des Ölpreises

VonRegine Palm

Die Ölpreise sind abgestürzt und dann blitzschnell gestiegen. Vor allem Leerverkäufer, die auf fallende Preise spekuliert hatten, wurden auf dem falschen Fuß erwischt. Die Suche nach dem neuen Gleichgewicht ist im Gang.

Handelsblatt in 99 Sekunden

Öl-Preisverfall: Fragilen Ländern droht Niedergang

Handelsblatt in 99 Sekunden: Öl-Preisverfall: Fragilen Ländern droht Niedergang

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DüsseldorfAn den internationalen Ölmärkten wird der August wohl als einer der schwankungsreichsten Monate in die Geschichte eingehen. Dem unerwarteten Preisabsturz folgte Ende vergangener Woche ein ebenso steiler Anstieg. Jetzt sucht der Markt nach einem neuen Gleichgewicht. „Wenn es an einem Markt - in diesem Fall an der Börse in Schanghai - eine regelrechte Panik gibt“, sagt Axel Herlinghaus von der DZ Bank, „schlägt sich dies auch in anderen Märkten nieder.“ Dadurch sei es eben auch am Ölmarkt zu einer Übertreibung gekommen.

Ölpreise: Abgeschmiert

Ölpreise

Premium Abgeschmiert

Der rasante Ölpreisverfall setzt Förderstaaten, Schwellenländer und Konzerne stark unter Druck. Eine Wende ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Experten erwarten immer neue Tiefstände. Der Grund ist einfach.

Die Talfahrt der Rohölpreise schien kaum noch zu bremsen. Noch Ende Juni notierte Brentöl über 60 Dollar, vor gut einem Jahr waren es sogar 115 Dollar. In der vergangenen Woche rutschte der Preis dann immer schneller und immer tiefer ab. In Europa kostete ein Barrel (159 Liter) Rohöl kaum mehr als 41 Dollar. Wann die 40-Dollar-Marke auch in Europa nach unten durchbrochen würde, schien nur noch eine Frage der Zeit. In New York hat der Preis für das amerikanische Leichtöl WTI, West Texas Intermediate, dagegen schon erstmals seit 2009 unter 40 Dollar geschlossen.

Stärkste Preissteigerungen seit Jahren

Dann ging es ebenso schnell wieder nach oben. Zu Beginn dieser Woche mussten für ein Barrel Öl in Europa schon wieder 48 Dollar bezahlt werden. Laut Commerzbank gab es in der vergangenen Woche bei Brentöl den stärksten Tagesanstieg seit Dezember 2008 und bei der US-Richtmarke WTI den stärksten seit März 2009.

In Rohstoffe investieren: Grundlagen

Natürliche Ressourcen

Rohstoffe sind natürliche Ressourcen. Sie kommen in der Natur vor und wachsen teilweise nach. Beispiele sind Öl, Kohle, Stahl, Gold, Getreide oder Fleisch. Darüber hinaus gibt es neuerdings auch Rohstoffe, die künstlich hergestellt werden. Ein Beispiel ist Plastik.

Marktdaten verfolgen

Reales Angebot und Nachfrage sind die Basis der Rohstoffpreise. Infos zu Lagerbeständen und Bedarf von Industriemetallen kann man direkt beim Londoner Metal Exchange (www.lme.com) verfolgen. Hilfreich für Agrarrohstoffe ist der Wasde-Bericht (World Agricultural Supply and Demand Estimates; www.usda.gov).

Wetterbericht im Auge behalten

Sinkt die Temperatur in Florida – einem der wichtigsten Orangenanbauer der Welt – unter zwei Grad minus, steigt der Preis für Orangensaft. Frost, Dürre, Überschwemmungen – was die Ernte beeinträchtigt, lässt Agrarrohstoffe haussieren. Rohstoffbörsen wie die CME (www.cme.com) bieten detaillierte Wetterprognosen sowie eine Übersicht zu Rohstoffpreisen.

Psychologie zählt

Ölpreis und Metalle ziehen mit der Konjunktur. Bei Problemen in großen Förderländern steigen die Preise in der Regel auch bei flauer Wirtschaft. Bei Gold sind Angstkäufe der wichtigste Preistreiber.

Exoten meiden

Rohstoffmärkte gelten als enge Märkte. Das heißt: Bei Erzeugnissen mit geringem Umsatzvolumen drohen heftige Kursausschläge. Emittenten wälzen das über Kauf-Verkaufs-Spannen auf Anleger ab. Wer sicher anlegen möchte, sollte deshalb lieber auf führende Rohstoffe setzen: Kupfer statt Zink, Baumwolle statt Bauholz.

Kurve beachten

Sind langlaufende Kontrakte teurer als kurze, steigt die Terminkurve (Contango), Zertifikate verlieren an Wert. Sinkt die Terminkurve (Backwardation), gibt es einen Extragewinn.

Banken checken

Rohstoffzertifikate sind Schuldverschreibungen. Geht die ausgebende Bank pleite, ist das Geld futsch. Vor dem Kauf Emittenten checken, etwa deren Kreditausfallprämien. In Deutschland geht das etwa über den Derivateverband (www.derivateverband.de).

Einsatz begrenzen

Einzelne Rohstoffe können sehr volatil sein. Rohstoffe sollten nicht mehr als zehn Prozent eines Depots ausmachen. Neben einzelnen Futures lässt sich auch in passive Portfolios investieren, etwa den S&P GSCI (die Abkürzung steht für Standard & Poors Goldman Sachs Commodity Index) oder den RICI (Rogers International Commodity Index).

Der plötzliche Preissprung dürfte nach Einschätzung der Commerzbank durch die Eindeckung von Shortpositionen ausgelöst worden sein. „Die Eindeckung von Leerverkäufen setzte sich fort und gab den Ölpreisen erneut kräftig Auftrieb“, so die Analysten. „Dabei spielt die Stimmung eine maßgebliche Rolle“, sagt Carsten Fritsch, Ölexperte der Commerzbank.

Für die nächsten Tage schließt Fritsch weitere, deutliche Schwankungen der Ölpreise nicht aus. Wegen des anhaltenden Überangebots am Ölmarkt blieben die Preise unter Druck. Die Frage sei, wann es auf diesem Preisniveau zu einer Verknappung des Angebots kommen werde. Wegen der eigenen Schieferölproduktion waren die USA als einer der Hauptabnehmer am Weltölmarkt quasi ausgefallen. Gleichzeitig hat sich das Wirtschaftswachstum in China, dem anderen Großverbraucher von Öl, verlangsamt. Entsprechend viel Rohöl ist am Weltmarkt vorhanden. Zudem hat die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) bisher auf eine Kürzung ihrer Produktion verzichtet. Damit wird aktuell auch kaum gerechnet.

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