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23.12.2016

16:33 Uhr

Rohstoffmarkt

Der Preisrutsch ist zu Ende

An den Rohstoffmärkten gab es jahrelang nur eine Richtung: Abwärts. Nun haben sich die Märkte gefangen. Doch das Preisniveau ist immer noch moderat, so dass der Endverbraucher wenig von den anziehenden Preisen bemerkt.

Nach langem Abwärtstrend geht es mit den Rohstoffpreisen wieder bergauf. dpa

Richtungswechsel

Nach langem Abwärtstrend geht es mit den Rohstoffpreisen wieder bergauf.

HamburgDer jahrelange Preisverfall für Rohstoffe hat im Jahr 2016 sein Ende gefunden. Zum Jahresbeginn hatte der Preisindex für Rohstoffe, den das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut HWWI ermittelt, noch den niedrigsten Stand seit zwölf Jahren erreicht. Das lag auch am Ölpreis, der ungefähr gleichzeitig seinen Tiefpunkt markierte und im Gesamtindex einen beträchtlichen Anteil hat. Aber auch die Preise für Industrie- und Agrarrohstoffe lagen im Januar am Boden. Seitdem haben sich die Preise deutlich erholt.

Nicht nur Öl und Gas wurden in diesem Jahr wieder teurer, sondern auch Rohstoffe wie Eisenerz, Metalle wie Kupfer, Aluminium oder Zinn und Agrargüter wie Kaffee und Kakao. So stieg zum Beispiel der HWWI-Preisindex für Nahrungs- und Genussmittel im Laufe des Jahres von 92 auf 105, für Agrarrohstoffe von 89 auf 105, für Industrierohstoffe von 83 auf 110 und für Eisenerz und Stahlschrott von 74 auf 125. Allein der Eisenerzpreis verdoppelte sich innerhalb eines Jahres von 40 auf 80 Dollar je Tonne.

Wie und wo die Preise für Ressourcen entstehen

Welche sind die wichtigsten Handelsplätze?

Das Herz der globalen Rohstoffmärkte schlägt in London, Paris und Chicago. Hier läuft ein großer Teil des Handels mit denjenigen natürlichen Ressourcen ab, die für die Ernährung und Energieversorgung von Milliarden Menschen sowie Herstellung zahlloser Produkte unentbehrlich sind. Den sogenannten Termingeschäften schlägt jedoch regelmäßig auch viel Kritik entgegen.

Wie funktionieren Termingeschäfte?

Wir sind es meist gewohnt, nach Kauf oder Bestellung eines Produkts direkt zu zahlen. An den Finanzmärkten ist das oft nicht so. Hier gibt es neben sofort ausgeführten Geschäften („Spot“/„Kassa“) auch viele Deals, bei denen die Abwicklung in der Zukunft liegt - aber zu schon heute vereinbarten Konditionen. Käufer und Verkäufer einigen sich dann auf eine Umsetzung per Termin („Future“). Ein Stahlkonzern kann etwa Monate im Voraus Eisenerz ordern und weiß genau, was ihn das später kostet.

Warum sind solche Geschäfte wichtig?

Generell soll der Terminhandel die Märkte stabilisieren. Im Einkauf großer Öl-, Rohstoff- oder Chemiekonzerne ist eine langfristige Planung ohne teilweise abgesicherte Preise und Mengen nicht denkbar. Grundsätzlich gilt: Wenn die für einen späteren Zeitpunkt erwarteten Preise von den aktuellen abweichen, kann es sich lohnen, auf künftige Preise zu spekulieren. Ziel ist es, beim Liefertermin keinen Verlust zu machen, falls das Preisniveau in der Zwischenzeit in den Keller geht.

Wo gibt es Terminmärkte?

Bekannte Beispiele sind der Handel mit Metallen, Kohle oder Erdöl. Dafür gibt es Börsen, an denen täglich Milliarden umgesetzt werden. Bei Metallen wie Kupfer und Zink läuft das etwa über die London Metal Exchange. Relativ rohstoffarme Länder wie Deutschland sind darauf angewiesen: Laut der Bundesbehörde BGR fiel der Wert der heimischen Rohstoffproduktion 2015 um 100 Millionen auf 13,4 Milliarden Euro. Agrargüter wie Getreide, Soja oder Zucker werden vor allem in Chicago und Paris ge- und verkauft.

Wo lauern Gefahren?

Geht ein Termingeschäft auf, wird die Risikobereitschaft der Akteure belohnt. Probleme können entstehen, wenn die Spekulation von reiner Finanz-Zockerei angetrieben ist. Solche Spekulanten wollen oft gar nicht in reale Güter investieren. Sie setzen auf Preisanstiege etwa von Agrar-„Futures“, um diese mit hohem Gewinn weiterzuverkaufen. Etliche Termingeschäfte sind stark kreditfinanziert und brauchen nur wenig Eigenmittel des Spekulanten. Und Skeptiker weisen auf möglichen Missbrauch durch Insider-Spekulation (Wetten „gegen den Markt“) oder Leerverkäufe (Spekulation mit bloß geliehenen Zertifikaten) hin.

Sind die Geschäfte also schlecht?

Das lässt sich pauschal keinesfalls sagen. Bei realen Gütern kann sie stabilisierend wirken, wenn etwa nach der Ernte Teile des Angebots durch Lagerung verknappt und die Erzeugerpreise so gefestigt werden. Turbulenzen können spekulative Geschäfte aus Sicht vieler Ökonomen dagegen vor allem bei Finanzprodukten auslösen. Einige Banken haben das Geschäft mit Agrarzertifikaten unabhängig davon eingestellt.

Die Märkte wurden von dieser Entwicklung teilweise überrascht und hatten den Aufschwung in dieser Form nicht erwartet. Nun hat jeder Rohstoff seinen eigenen Markt und spezielle Faktoren auf der Angebot- und Nachfrageseite, die bei der Preisfindung eine Rolle spielen. Doch in vielen dieser Märkte spielte ein Überangebot eine Rolle, beflügelt durch einen Investitionsboom zu den Zeiten hoher Rohstoffpreise. „Die Zyklen an den Rohstoffmärkten sind lang“, heißt es in einer Analyse der Deka-Bank.

Nun wendet sich das Blatt. In den vergangenen fünf Jahren haben die Rohstoffkonzerne kaum in die Erschließung neuer Vorkommen investiert. Die Investitionslücke macht sich nun in einem schwächeren Angebot bemerkbar. Die Nachfrage steigt aber dennoch weiter, so dass Angebot und Nachfrage sich langsam wieder annähern.

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Für 2017 erwarten die meisten Marktbeobachter und Analysten eine weitere Stabilisierung der Rohstoffmärkte, aber nicht unbedingt einen ähnlich ausgeprägten Preisanstieg wie in diesem Jahr. Viel hängt davon ab, wie sich die Weltkonjunktur entwickelt.

Der Verbraucher in Deutschland muss die Rohstoffe mitbezahlen, denn sie stecken in jedem Industrieprodukt. Bislang haben sich die steigenden Rohstoffpreise aber nicht in einer höheren Inflationsrate bemerkbar gemacht. Zum einen machen die Rohstoffkosten nur einen überschaubaren Anteil an den Endverbraucherpreisen aus. Und zum anderen sind sie immer noch deutlich niedriger wie noch vor einigen Jahren.

Von

dpa

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