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14.11.2016

20:45 Uhr

Rohstoffmarkt

Donald Trump lässt die Ölpreise purzeln

VonMatthias Streit

Obwohl die Opec an ihrer Förderkürzung bastelt, fallen die Ölpreise. Das liegt nicht nur an den Zweifeln am Abkommen: Der kommende US-Präsident Donald Trump hat der Branche ein wichtiges Versprechen gegeben.

Der Republikaner Donald Trump verspricht der Energieindustrie in den USA weniger Regulierung. AFP; Files; Francois Guillot

Ölförderung in Kalifornien

Der Republikaner Donald Trump verspricht der Energieindustrie in den USA weniger Regulierung.

FrankfurtFür das Kartell der erdölexportierenden Staaten (Opec) kommt Donald Trump ungelegen. Während die Opec noch darüber streitet, wie sie überhaupt zu einer Förderkürzung finden wird, um die Preise wieder steigen zu lassen, droht der gewählte und ab 20. Januar 2017 amtierende US-Präsident alle Maßnahmen zu torpedieren.

„Stellt euch eine Welt vor, in der weder unsere Feinde noch das Ölkartell Energierohstoffe weiter als Waffe gebrauchen können“, sagte Trump schon am 26. Mai 2016 auf der Petroleum Conference in North Dakota. Der US-Bundesstaat ist einer der boomenden Schieferöl-Regionen des Landes. Seine Versprechungen über komplette Energie-Unabhängigkeit finden dort rauschenden Applaus. „Künftig werden und bleiben wir völlig unabhängig von Importen der Opec oder anderen Nationen, die unseren Interessen feindlich gegenüberstehen.“

Damit die Schieferölindustrie auch liefern kann, was Trump verspricht, will der Republikaner Umweltauflagen senken und Regulierungen abschaffen. Die Mehreinnahmen verspricht der Republikaner, in Schulen und Infrastruktur zu investieren. Wie genau das passieren soll, welche Auflagen abgeschafft und welche Anreize die Unternehmen erhalten sollen, ist knapp eine Woche nach den US-Wahlen noch unklar. Klar scheint bislang nur: In den USA soll bald wieder mehr Öl fließen. Macht Trump seine Ankündigungen wahr, droht der Preis für Öl weiter zu fallen. Es käme zum Déjà-vu: Schließlich waren es vor allem die Schieferöl-Produzenten aus den USA, die den Ölpreis von Mitte 2014 bis Anfang 2016 zeitweise geviertelt haben.

Wie sich die Opec-Einigung für Verbraucher auswirkt

Wie reagiert der Markt auf die Einigung der Opec-Länder?

Dieser Schritt war nicht erwartet worden und führte zunächst zu einem raschen Anstieg der Ölpreise um mehr als zwei Dollar. Am Donnerstag waren für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent rund 48 Dollar zu bezahlen. Das ist weder besonders viel noch besonders wenig und entspricht dem Durchschnittspreis im laufenden Jahr. Vor einem Jahr war der Ölpreis ungefähr gleich hoch. Im Januar und Februar war er für einige Tage unter die Marke von 30 Dollar gestürzt, hatte sich aber anschließend wieder erholt.

Quelle: dpa

Wird Heizöl nach dem Opec-Beschluss nun teurer?

Kaum. Auch der Preis für Heizöl ging am Donnerstag zwar vorerst in die Höhe, gegenwärtig sind im bundesweiten Durchschnitt 51 Euro für 100 Liter zu bezahlen (inklusive Mehrwertsteuer). Das war aber schon mal günstiger, als der Heizöl-Preis im Januar und Februar kurz unter 40 Euro gefallen war. Eigenheimbesitzer und Mieter können sich derzeit nicht beklagen, wenn sie mit Heizöl heizen. Zuletzt waren die Preise 2009 auf einem vergleichbaren Niveau, seitdem meistens viel höher. Vor einem Jahr war Heizöl ungefähr 5 Euro teurer. Zwischen 2011 und 2014 mussten die Kunden noch mehr als 80 Euro bezahlen, in der Spitze mehr als 96 Euro.

Und wie sieht es beim Benzin aus?

Der aktuelle Preis für Diesel liegt bei 1,08 Euro je Liter, für Superbenzin E10 sind im bundesweiten Durchschnitt ungefähr 1,28 Euro zu bezahlen. Vor einem Jahr lagen die Preise um zwei bis drei Cent höher. Damit sind die Kraftstoffpreise auf Jahressicht relativ stabil. Sie schwanken jedoch nach wie vor sehr stark nach Tageszeiten und sind auch regional verschieden.

Mehr als die Hälfte der Haushalte heizen nicht mit Öl, sondern mit Gas. Haben sie mit Auswirkungen zu rechnen?

Die Öl- und Gasmärkte haben sich in den vergangenen Jahren zunehmend entkoppelt. Während der Preis für Heizöl in den vergangenen beiden Jahren um rund 40 Prozent zurückging, betrug der Rückgang beim Gas nicht einmal 10 Prozent. Die Gasversorger mussten zwar bei der Beschaffung im Großhandel weniger für das Gas bezahlen, die Börsenpreise sanken zwischen Juli 2014 und Juli 2016 um mehr als ein Fünftel. Die Unternehmen hatten aber zum Teil auch höhere Leitungskosten zu verkraften. Für den Herbst haben viele Versorger Preissenkungen angekündigt, im Schnitt nach Angaben des Internet-Portals Verivox um rund 7 Prozent.

Dann wird die nächste Heizsaison also günstiger als die vergangene?

So war es in den vergangenen beiden Jahren. Die Ausgaben der privaten Haushalte für Energie sind insgesamt rückläufig. In den Jahren 2012 und 2013 musste ein Durchschnittshaushalt jeweils 257 Euro pro Monat für Energie ausgeben; darin sind Strom, Gas oder Öl und Kraftstoffe enthalten. Im Jahr 2014 waren es nur noch 245 Euro und im Jahr 2015, für das noch keine offiziellen Daten vorliegen, war der Trend weiter rückläufig. Ob das Heizen in diesem Winter günstiger wird als im vorigen, hängt jedoch nicht nur von den Preisen ab - sondern auch vom Wetter. Wird der Winter kalt, dann wird es teuer.

Die neue Energie-Strategie unter Trump dürfte der Opec Albträume bereiten. Das Ölkartell plagt sich damit, seine Förderung zu kürzen. Das soll die Preise wieder klettern lassen und so die Einnahmen ihrer Staatshaushalte steigern. Denn heute herrscht immer noch ein Überangebot am Ölmarkt. Kein Wunder also, dass die Ölpreise nach der US-Wahl unter Druck stehen. Am Montag kostet ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent weniger als 44 Dollar, eines des nordamerikanischen Leichtöls WTI weniger als 43 Dollar. Das sind jeweils etwa zehn Dollar weniger als noch vor einem Monat.

Mittelfristig rechnet der Ölanalyst Jan Edelmann von der HSH Nordbank mit fallenden Preisen. Ein Grund dafür gibt es heute schon: Nach neuesten Angaben hat die Opec im Oktober 33,6 Millionen Barrel täglich gefördert – ein Rekordwert. Darin ist die Steigerung des Irans um weitere 200.000 Fass noch gar nicht enthalten.

Kommentare (4)

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15.11.2016, 08:34 Uhr

Auch hier zeigt sich:
Kommt ein Fachmann mit eigener Meinung an die Macht, ist es für die Bevölkerung gut.
Aber das wollten die Eliten unbedingt verhindern. Zum Glück hat Trump gewonnen.
Danke

Herr Holger Narrog

15.11.2016, 09:14 Uhr

Der Zusammenhang zwischen der US Präsidentenwahl und den Tagesbewegungen am Ölmarkt ist an den Haaren herbeigezogen.

Trump wird im Januar vereidigt. Selbst wenn er es schafft bis Ende 2017 die Regeln der Öko Jihaddisten der EPA die Erdölbohrungen erschweren/verteuern abzuschwächen/abzuschaffen, die Ölunternehmen ab 2018 mehr Bohrungen unternehmen, dauert es bis mindestens 2020 bis wieder mehr US Öl auf den Markt kommt. Der Einfluss der weltweiten Erdölmärkte ist vermutlich für die US Ölindustrie bedeutender als die Regulierungen der US Administration.

Ich nehme an, dass die Schwierigkeiten einer Einigung der OPEC Länder auf Förderkürzungen, die ungebremste Förderausweitung im Iran/Irak den Ölpreis in den Keller schicken.

Herr Norman Fischer

15.11.2016, 09:46 Uhr

Jawoll! Verbrennt auch den letzten Tropfen Öl. Lasst unseren Kindern ja nichts übrig. Heizt das Klima an, schmelzt die Polkappen ab, vergiftet die Umwelt. Nach uns die Sintflut.

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