Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.01.2011

10:29 Uhr

Rohstoffpoker

Das doppelte Spiel der Banken

VonJörg Hackhausen, Christian Panster, Christian Schnell

Kupfer ist so teuer wie noch nie. An der Londoner Rohstoffbörse kostete eine Tonne des Metalls am Dienstag zeitweise mehr als 9 700 Dollar. Es ist der vorläufige Höhepunkt einer atemberaubenden Rally. In den vergangenen sechs Monaten hat der Kupferpreis um knapp 50 Prozent zulegt - auch, weil die Finanzbranche das große Geschäft wittert.

Kupferblech-Coils: Für die Banken ist das Geschäft mit dem Rohstoff aus mehreren Gründen lukrativ. Quelle: dpa

Kupferblech-Coils: Für die Banken ist das Geschäft mit dem Rohstoff aus mehreren Gründen lukrativ.

FRANKFURT. Auf die Frage nach den Gründen für den Rekordpreis bei Kupfer haben die Experten der Banken schnell eine Antwort parat: weil sich die Weltwirtschaft erholt, steigt die Nachfrage nach dem Industriemetall, besonders in den aufstrebenden Schwellenländern wie China und Indien. Das treibe die Preise, sagen die Analysten. Doch daneben gibt es einen weiteren Grund, über den die Banker weniger gern sprechen. Sie selbst mischen im Rohstoffpoker mit - und sorgen dafür, dass Kupfer auf dem Weltmarkt knapp wird.

Für Aufsehen sorgten jüngst Berichte in britischen Medien. Demnach soll sich die US-Bank JP Morgan für rund 1,5 Milliarden Dollar den Zugriff auf einen großen Teil des bei der Londoner Metallbörse (LME) eingelagerten Kupfers gesichert haben. In den Lagerhäusern der LME, über die fast vollständig der globale Handel mit Kupfer läuft, waren zuletzt etwa 380 000 Tonnen deponiert.

Es braucht nur einen kleinen Anlass,um eine Kettenreaktion auszulösen

Für die Banken ist das Geschäft mit den Rohstoffen gleich aus mehreren Gründen lukrativ. Da wären zum Beispiel die Produkte, die man damit basteln kann, sogenannte Exchange Traded Commodities (ETCs). Gleich mehrere große Banken planen, neue börsengehandelte Wertpapiere für Industriemetalle auf den Markt zu bringen. Zur Absicherung dieser Papiere werden Rohstoffe wie Kupfer direkt in Lagerhäusern hinterlegt.

"Die Leute fragen sich, wo all dieses Kupfer herkommen soll", sagt Ben Westmore, Volkswirt der National Australia Bank. Wegen der geplanten Einführung der physisch hinterlegten Kupfer-Papiere werde die Nachfrage das Angebot stärker übersteigen als bislang gedacht. Zwar werden die Mengen an Kupfer in den Lagerhäusern auch künftig im Vergleich zur weltweiten Nachfrage von rund 18 Millionen Tonnen überschaubar sein. Doch in einem so engen Markt, in dem die Nachfrage das Angebot übersteigt, bedarf es nur eines kleinen Anlasses, um eine Kettenreaktion auszulösen; der Preis würde weiter nach oben schießen.

"Durch mögliche hohe Zuflüsse in physisch gedeckte ETCs wird dem Markt Kupfer entzogen", sagt Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst der Commerzbank. Dabei sei das Angebot auch ohne die zusätzliche Nachfrage schon knapp. Die Förderung werde auf Jahre hinaus dem Bedarf hinterherhinken.

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Die Bank gewinnt - so oder so

05.01.2011, 12:02 Uhr

So lässt sich die 25% Rendite als Zielvorgabe von Ackerman erklären. Jetzt wird also in einem andern Sektor abgemolken.
Auf der Strecke bleibt der Rest der Volkswirtschaft.
Ohne boni, es sind ja auch keine Leistungsträger.
Hoffentlich hat Herr Grillo, im interesse seiner Verbandsmitglieder, erkannt wer hier wem das Fell über die Ohren zieht.
Man stelle sich mal vor, die sinnlose Kapitalverschwendung, für das Hedgen der Rohstoffe, käme den Unternehmen zugute.

Bürger

05.01.2011, 13:39 Uhr

Wickelt bloß endlich dieses absurd korrupte amoralische Finanzsystem ab, das keine produktiven Nutzen mehr hat und sattdessen Milliardenschäden verursacht, spätrömisch dekadent schmarotzt wo es kann und die Realwirtschaft im Würgegriff hält. Wie lange sollen wir uns das noch bieten lassen?

Dumpfe Geldsauger

05.01.2011, 14:10 Uhr

07/08 war es in erster Linie Öl jetzt brauchen die inder und Chinesen auf einmal alle Kupfer! Die Dummenfänger der banken bringen immer wieder die gleichen Argumente: erwartete inflation und Emerging Markets. Das System ist krank. Aus der Krise wurde nichts gelernt. Aber man sieht ja was in den USA los ist, wenn der nicht-wertschöpfende bankensektor über 50% der nationalen Wirtschaftsleistung erbringt. Das kann auf Dauer nicht gut gehen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×