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01.02.2011

16:39 Uhr

Rohstoffpreise steigen

Öl über 100 Dollar, Benzin bleibt teuer

Die Energie- und Rohstoffmärkte reagieren nervös auf die Unruhen in Tunesien, Ägypten und anderen Ländern der Region. Der Ölpreis kletterte über die 100-Dollar-Marke. Ein Sprung auf ein neues Allzeithoch wird von Analysten zwar nicht erwartet, jedoch ein kontinuierlicher Anstieg. Das bekommen auch die Autofahrer zu spüren.

Autofahrer bekommen den hohen Ölpreis zu spüren Quelle: dpa

Autofahrer bekommen den hohen Ölpreis zu spüren

HB FRANKFURT. Der Schock ist groß - erstmals seit 2008 müssen für ein Barrel Öl wieder mehr als 100 Dollar gezahlt werden. Sollten sich die politischen Spannungen in Ägypten verschärfen und möglicherweise sogar auf andere Staaten in der Region übergreifen, könnte das den Preis für Brent-Öl kurzfristig weiter in die Höhe treiben.

Langfristig sollte eine komfortable Versorgungslage den Preisanstieg allerdings im Zaum halten. Rekord-Ölpreise um 150 Dollar wie im Sommer 2008 sehen Rohstoff-Analysten nicht. "Der Brent-Preis war schon vor den Ägypten-Unruhen auf dem Vormarsch, sie haben nun aber den letzten Ausschlag gegeben, um ihn über die 100-Dollar-Marke zu treiben", erläutert Nikolaus Keis von der UniCredit. Langfristiger Haupttreiber bleibe eine deutlich steigende Nachfrage im Zuge der globalen Konjunkturerholung.

Die Ölsorte Brent wird zwar in der Nordsee gefördert, der Brent-Preis gilt aber als entscheidender Richtwert bei der Preisfestsetzung für andere Ölsorten. Eine zweite Benchmark ist der Preis für die US-Sorte WTI. Sie ist im Moment etwa acht Dollar günstiger als Brent, unter anderem weil in den USA die Vorratslager überquellen.

"Wir zahlen jetzt für Brent-Öl eine politische Prämie, die bislang nicht gezahlt wurde", erklärt Eugen Weinberg von der Commerzbank den jüngsten Preissprung. "Noch fließt das Öl ohne Unterbrechung, und deshalb ist der Aufschlag noch vergleichsweise moderat." Dies würde sich aber sehr schnell ändern, sollten die politischen Unruhen zum Beispiel auf wichtige Ölproduzenten wie Libyen und Algerien übergreifen. "Und wenn der Iran in seinem Atomprogramm weiter vorankommt, dann steigt die Unsicherheit noch mehr und der Ölpreis ist ganz schnell bei 120 Dollar. Denn dann werden die Machtstellungen neu verteilt", sagte Weinberg. Libyen und Algerien gehören genau wie der Iran zu den größten Ölproduzenten weltweit. Insgesamt wird im Nahen Osten rund ein Drittel des weltweiten Öls produziert.

Ägypten selbst produziert kaum Öl, das Land kontrolliert aber die kürzeste Seeverbindung zwischen Europa und Asien - den 192 Kilometer langen Suez-Kanal. Über ihn läuft fast ein Zehntel des weltweiten Seehandels. Anders als zu Zeiten der Suez-Krise 1956 hat dieser Transportweg für Öllieferungen inzwischen allerdings an Bedeutung verloren. Im schlimmsten Fall könnten pro Tag Lieferungen über drei Millionen Barrel Öl ausfallen. Der weltweite tägliche Verbrauch liegt bei rund 87 Millionen Barrel.

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) hat bereits mitgeteilt, im Notfall bis zu sechs Millionen Barrel täglich zusätzlich fördern zu können. Bislang sieht sie aber keine Notwendigkeit. Es gebe keine Notlage auf den Ölmärkten, hieß es von der Opec. Die Internationale Energieagentur (IEA) teilt diese Einschätzung.

Die im Vergleich zu 2008 komfortable Versorgungslage ist auch ein entscheidendes Argument der Analysten, wenn sie sagen, dass keine neue Rally in Richtung 150 Dollar zu erwarten sei. Denn anders als damals haben die großen Ölkonzerne inzwischen gezielt in neue Förderprojekte investiert.

Fondsmanager Tetsu Emori von Astmax Co Ltd in Tokio sieht allerdings einen anderen Preistreiber - nämlich die Spekulanten. Unabhängig vom Ausgang der politischen Unruhen in Ägypten könnten Finanzinvestoren Öl nun bewusst wegen des höheren Risikos kaufen und hoffen, damit mehr Geld zu verdienen.

Mit konkreten Prognosen zur Preisentwicklung tun sich die Analysten schwer. "Langfristig ist es durchaus wahrscheinlich, dass sich der Brentpreis über 100 Dollar etabliert", sagt Keis.

Benzinpreis legt ebenfalls kräftig zu

Autofahrer in Deutschland haben im Januar die hohen Ölpreise deutlich zu spüren bekommen. Im Schnitt kostete der Liter Superbenzin in den vergangenen vier Wochen 1,48 Euro, wie der ADAC mitteilte. Damit setzten die Spritpreise ihren Aufwärtstrend fort. Vom bisherigen Monatshöchststand aus dem Juni 2008, als Superbenzin im Schnitt 1,521 Euro kostete, ist der Benzinpreis noch gut vier Cent entfernt. Auch Diesel kostete deutlich mehr. Autofahrer mussten im Januar im Schnitt für einen Liter 1,325 Euro ausgeben. Teuerster Tanktag war laut ADAC der 14. Januar. An diesem Tag kostete der Liter Super im bundesweiten Durchschnitt 1,517 Euro pro Liter.

Kommentare (2)

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vowo

01.02.2011, 20:33 Uhr

Es ist die übliche dummdreiste Abzocke:
1. Ägypten trägt nicht zur Welt-Öl-Versorgung bei.
Ein "Ausfall" an Versorgung ist nicht zu gewärtigen.

2. Die Öl-Multis haben über 90% ihrer Lieferungen per längerfristigen Verträgen preislich fest. Lediglich Spot-Mengen werden an börsen gehandelt, rechnerisch sind die benzinpreisaufschläge, auch bei hypothetischer Preisverdopplung an den "Spot-Märkten" nicht zu belegen.

3. Hauptnutzniesser der Abzocke ist der Finanzminister da der Warenwert bei Minaralölprodukten nur noch ein Anhängsel der Steuer ist. Deshalb gibts kein Veto seitens der Politik und die Multis revanchieren sich diskret.

Maik

02.02.2011, 09:43 Uhr

Also teuerster Tanktag im barnim (Eberswalde) ist mittlerweile der 01.02.2011. Dank der Einführung von E10 kostet Super 1,529 und Diesel (natürlich unabhängig von E10) kostet 1,369. An dieser Stelle sei nochmal bemerkt. Die bundesregierung verdient am meisten an diesen Preisen. Vielleicht sollte man die Ökostufen zurück nehmen, dann könnte man sich das Auto fahren auch vielleicht wieder leisten.

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