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07.10.2013

15:33 Uhr

Rotes Gold

„Kupfer ist der Leitwolf unter den Metallen“

VonKatharina Schneider

Gemessen an der Zahl der Diebstähle hat Kupfer aktuell deutlich an Beliebtheit eingebüßt. Unter Rohstoffanalysten gibt es jedoch überzeugte Fürsprecher, die den Kupferpreis wieder bei mehr als 8000 Dollar sehen.

Bei Kupfer greifen nicht nur Diebe, sondern auch Rohstoffexperten gerne zu. dpa

Bei Kupfer greifen nicht nur Diebe, sondern auch Rohstoffexperten gerne zu.

DüsseldorfSie treiben sich auf Bahnanlagen, in Lagerhallen und auf Friedhöfen herum: Metalldieben ist nichts heilig. Zu ihren begehrtesten Zielobjekten gehörte lange das Industriemetall Kupfer. Besonders betroffen war die Bahn, hier hatten es die Diebe etwa auf die Erdungskabel aus reinem Kupfer abgesehen. Doch mit den sinkenden Rohstoffpreisen lässt auch die kriminelle Energie nach. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres gab es bundesweit 43 Prozent weniger Fälle als im ersten Halbjahr 2012.

Viele Rohstoff-Analysten teilen die Einschätzung der Kriminellen und halten sich mit Investmentempfehlungen zurück. Die Kupferlager sind gut gefüllt. Für dieses Jahr rechnen Experten mit einem Angebotsüberschuss von 387.000 Tonnen, für das kommende Jahr sogar mit 632.000 Tonnen. Das könnte zu einem Preiseinbruch führen, glaubt etwa der BNP-Paribas-Analyst Stephen Briggs. „Kupfer ist gemessen an anderen Industriemetallen und den Produktionskosten weiterhin hoch bewertet“, sagt er.

Sechs Fakten über die Rohstoffmärkte

Viel Verbrauch...

Die Weltbevölkerung wächst und wächst. Prognosen gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2100 mehr als zehn Milliarden Menschen auf der Erde leben werden.

...und wenig Angebot

Rohstoffe wie Öl und Gold sind nicht endlos, dementsprechend teuer werden sie, wenn das Angebot sich verknappt.

13 Prozent

beträgt aktuell Chinas Anteil an der Weltwirtschaft. Die rohstoffhungrige Volksrepublik ist auf dem besten Wege die größte Handelsnation der Welt zu werden.

40 Prozent

der weltweiten Kupfer-, Zink- und Aluminiumproduktion verbrauchen die Chinesen.

30 Prozent mehr

als vor drei Jahren kosten nach Angaben des Food Price Index der Uno unsere Nahrungsmittel weltweit im Durchschnitt.

465 Prozent Gesamtrendite

konnten Anleger mit Aktien auf Goldminen seit 2002 einfahren.


Ähnlich negativ war zuletzt etwa Wu Jianguo, Analyst bei Maike Futures Brokerage, eingestellt: „Die Kupferimporte könnten sogar noch weiter sinken, da der Konsum in der zweiten Jahreshälfte enttäuschen könnte.“ Ganz anders sieht es dagegen Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank. „Beim Kupfer scheiden sich aktuell die Geister, ich bin mir aber sicher, dass das Überangebot schon längst eingepreist ist“, sagt er. „Jegliche positiven Nachrichten werden den Preis weiter nach oben treiben. Ich kann mir deshalb gut vorstellen, dass eine Tonne Kupfer im kommenden Jahr wieder mehr als 8000 Dollar kosten wird.“

Seit Jahresanfang ist der Kupferpreis um neun Prozent gesunken, zuletzt hatte insbesondere die Unsicherheit wegen des US-Haushaltsstreit den Preis gedrückt. Aktuell liegt er bei 7.148 Dollar je Tonne. Einen Höchststand von mehr als 10.000 Dollar hatte Kupfer zuletzt Anfang 2011 erreicht. Haupttreiber der Nachfrage ist China. Das ist auch der Grund, warum sich letztlich alle Rohstoffmärkte ähnlich verhalten. „Kupfer kommt jedoch eine besonders interessante Rolle zu, es ist quasi der Leitwolf unter den Metallen“, sagt Weinberg. „Die anderen Rohstoffe folgen meist mit einiger Verzögerung in die gleiche Richtung.“

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