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05.12.2014

11:16 Uhr

Rubel im Aufwind

Hat Russlands Zentralbank eingegriffen?

Die russische Währung legt nach einer monatelangen Talfahrt wieder zu. Händler sehen nur eine mögliche Ursache: die russiche Notenbank. Innerhalb kürzester Zeit wurden mehr als eine Milliarde Dollar verkauft.

Russlands Währung ist seit Monaten auf Talfahrt. Die Sanktionen und der fallende Ölpreis machen dem Land zu schaffen. Hat nun die Notenbank interveniert? dpa

Russlands Währung ist seit Monaten auf Talfahrt. Die Sanktionen und der fallende Ölpreis machen dem Land zu schaffen. Hat nun die Notenbank interveniert?

FrankfurtDer Rubel hat am Freitag etwas Boden gutgemacht. Ein Dollar verbilligte sich um bis zu 3,4 Prozent auf 52,42 Rubel. Der Euro notierte mit 64,75 Rubel zeitweise 4,1 Prozent niedriger. Händlern zufolge ist die Bewegung auf eine erneute Intervention der russischen Zentralbank zurückzuführen. „Das muss die Notenbank gewesen sein. Innerhalb kürzester Zeit sind mehr als eine Milliarde Dollar verkauft worden. Niemand sonst wäre derzeit in der Lage, solche Summen zu handeln,“ sagte ein Händler.

Der Rubel ist angesichts der Furcht vieler Anleger vor einem Konjunktureinbruch in Russland seit Monaten auf Talfahrt. Die zuletzt stark fallenden Ölpreise hatten den Rubelverfall noch beschleunigt, da das Land rund 40 Prozent seiner staatlichen Einnahmen aus dem Öl-Export bezieht. Seit Jahresanfang hat die russische Landeswährung zum Dollar mehr als 60 Prozent eingebüßt.

So funktionieren Eingriffe in den Devisenmarkt

Wie verläuft so ein Eingriff?

Die Intervention einer Notenbank bezieht sich immer auf die eigene Landeswährung. Die Zentralbanker kaufen oder verkaufen am Devisenmarkt die eigene Währung in großen Mengen, um deren Kurs in die gewünschte Richtung zu bewegen. Durch einen Kauf soll die Devise auf- und durch einen Verkauf abgewertet werden.

Was sind die Vor- und Nachteile?

Generell werden durch eine Abwertung die Exporteure im eigenen Land meist gestärkt, weil sie ihre Waren im Ausland günstiger verkaufen können. Allerdings schmeckt dies oft anderen Ländern nicht, da ihre Firmen an Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Zentralbanken und Staaten sehen nur selten tatenlos zu, wenn sich die Bedingungen für ihre Exporteure massiv verschlechtern. Im schlimmsten Fall droht ein Abwertungswettlauf der Währungen.

Wie kann der Erfolg eines Eingriffs wahrscheinlicher werden?

Ein Eingriff in den Devisenmarkt ist also meist nur dann erfolgreich, wenn er mit anderen Notenbanken abgesprochen ist. Die Europäische Zentralbank (EZB) und die Federal Reserve (Fed) in den USA haben im vergangenen Jahr nur wenig Bereitschaft erkennen lassen, sich an einer Interventionen ihrer Kollegen zu beteiligen.

Wie verliefen solche Eingriffe?

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat während der europäischen Schuldenkrise versucht, die Aufwertung des Franken zum Euro zu stoppen. Dafür deckte sich die Nationalbank im großen Umfang mit Euro ein. Kritiker warfen der SNB vor, der Alleingang am Devisenmarkt habe nichts gebracht - der Franken legte sogar weiter zu. Immerhin gelang es der Nationalbank eine Untergrenze von 1,20 Franken zu verteidigen.

War die EZB bereits an einer solchen Maßnahme beteiligt?

Die EZB intervenierte zum ersten und bisher einzigen Mal im Herbst 2000 offen an den internationalen Währungsmärkten. Damals hatten EZB, die US-Notenbank Fed und die Bank von Japan gemeinsam Euro gekauft, um die Gemeinschaftswährung zu stützen. Dies gelang bei einem Kurs von 82 US-Cents.

Die Zentralbank hat nach eigenen Angaben seit Wochenanfang bislang fast zwei Milliarden Dollar für Stützungskäufe ausgegeben.

Von

rtr

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