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21.01.2016

10:03 Uhr

Rubelschwäche

Alle leiden, nur Putin freut sich

VonAndré Ballin

Die Rubelschwäche verunsichert Märkte und Bevölkerung in Russland. Für die meisten Unternehmer ist die Volatilität der Währung ebenfalls ein gewaltiges Problem. Kremlchef Wladimir Putin sieht jedoch auch Vorteile darin.

Durch den Rubelverfall „eröffnen sich neue Möglichkeiten für das Business“, sagte Wladimir Putin. AFP

Putin

Durch den Rubelverfall „eröffnen sich neue Möglichkeiten für das Business“, sagte Wladimir Putin.

MoskauRekordtief für die russische Landeswährung: Der Rubel hat am Donnerstag erneut drastisch gegenüber dem Dollar verloren. Die US-Währung verteuerte sich bereits am zweiten Tag in Folge, diesmal um mehr als vier Prozent. So teuer war der Dollar zuletzt in der Rubelkrise 1998, nachdem es zu anschließenden Neuwertung der russischen Währung kam. Damals tauschten die Russen 1000 alte Rubel gegen einen neuen.

Der Euro stieg auf einen Wert von 92,56 Rubel und damit den höchsten Stand seit Dezember 2014. Damals drückten Panikverkäufe an der Moskauer Börse den Rubel kurzzeitig auf einen Wechselkurs von 1:100 gegenüber der europäischen Einheitswährung – Russlands Präsident Wladimir Putin machte Spekulanten für den Absturz verantwortlich.

Doch diesmal hält selbst die russische Führung die Talfahrt für begründet. Zentralbankchefin Elvira Nabiullina jedenfalls erklärte, der Rubel sei nun nahe seiner fundamentalen Basis. Tatsächlich reagiert der Rubel auf die anhaltende Schwäche des Ölpreises.

Die Baisse an den Rohstoffmärkten ist für Russlands Wirtschaft verheerend: Schon 2015 sank das BIP um 3,8 Prozent. Nun hat der Internationale Währungsfonds seine ohnehin trübe russische Prognose für 2016 noch einmal nach unten korrigiert. Demnach wird es in diesem Jahr statt 0,6 um ein ganzes Prozent nach unten gehen.

Auch die Haushaltsvorgaben von Putin sind für die Regierung damit nur noch schwer umzusetzen. Ein Defizit von drei Prozent ist nur noch mit drastischen Kürzungen zu erreichen. Der Verfall des Rubels wird daher in der russischen Führung eher als Segen betrachtet: Die meisten Einnahmen werden in Dollar erzielt durch die Ausfuhr von Rohstoffen. Die Ausgaben hingegen sind rubelbasiert, sie sinken also bei fallendem Kurs.

Wohl auch deshalb macht die russische Führung gute Miene zum bösen Spiel: Premier Dmitri Medwedew erklärte, die Inflation werde trotzdem in Grenzen gehalten. In den nächsten 15 Jahren werde es keine zweistelligen Inflationszahlen mehr geben, versprach der Ministerpräsident.

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Die drastischen Kursverluste an den Aktienmärkten sorgen auch bei den Devisen für deutliche Verwerfungen. Auf der Verliererseite steht der russische Rubel, eine andere Währung erweist sich nun als sicherer Hafen.

Und selbst Putin versuchte bei einer Veranstaltung der Gewerkschaft für Kleinunternehmer „Opora Rossii“ Optimismus auszustrahlen. Die letzten zwei Jahre seien für die Wirtschaft gewiss nicht leicht gewesen, doch sie seien durchgestanden worden – auch von Kleinunternehmern. Durch den Rubelverfall „eröffnen sich neue Möglichkeiten für das Business“, fügte er anschließend hinzu.

Mit Währungsspekulationen machen allerdings nur die wenigsten Unternehmer in Russland ihr Geschäft. Für die meisten Unternehmer ist die Volatilität des Rubels ein gewaltiges Problem. Sie können weder Preise kalkulieren, noch Kredite aufnehmen – und die Verkäufe sind wegen der Inflation ebenfalls rückläufig.

Kommentare (9)

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21.01.2016, 09:35 Uhr

Die Dollar-Vorräte Russslands schwinden täglich. Der Meister in Amerika liegt weiterhin klar vorne.

Herr Tom Schmidt

21.01.2016, 09:56 Uhr

Ich will Herrn Ballin inhaltlich nichts vorwerfen. Aber für mich ist das Thema so ein schönes Beispiel. wie die Wirtschaftspresse (vielleicht nicht einzelne Personen) sich die Themen so hinbiegen wie sie es gerade wollen.

Entweder eine schwache Währung ist volkswirtschaftlich gut oder schlecht für ein Land (wenn sie schwach ist, ist das natürlich für die Importeure schlecht). aber genau eine Schwächung des Euros wird uns von Herrn Draghi und Konsorten als rettende Maßnahme verkauft! Ständig versucht er den Wert des Euros runter zu prügeln! Also entweder oder, und das bitte dann für alle gleich argumentieren!

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21.01.2016, 09:57 Uhr

Im vergangenen Jahr hat Rußland seine Goldreserven um 208 Tonnen aufgestockt.

Siehe: http://de.sputniknews.com/wirtschaft/20160120/307248611/russlands-goldreserven.html

Die russische Zentralbank handelt eben nach dem Motto: "Tausche Bares gegen Wahres!"

Ich denke, man muß den Rückgang der russischen Dollarreserven unter anderem unter diesen beiden Gesichtspunkten bewerten.

Einmal dürfte sich darin die Tatsache widerspiegeln, daß Rußland ausländische Kredite zurückzahlt, ohne daß sie durch neue Kredite ersetzt werden (Sanktionen).

Dann dürfte eine Rolle spielen, daß Rußland im Verbund mit China eine langfristig angelegte Strategie der Dedollarisierung der Weltwirtschaft betreibt.

Im übrigen wird uns von westlichen Euroexperten immer wieder erklärt, daß ein schwacher Euro gut für die Exportwirtschaft sei. Sollte das nicht auch für den Rubel gelten?

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