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23.01.2009

08:52 Uhr

Russische Währung könnte um weitere 10 Prozent fallen

Russland erweitert den Spielraum für den Rubel

VonThomas Wiede

Die russische Zentralbank bricht mit ihrer Politik der schrittweisen Rubelabwertung und will stattdessen "Marktfaktoren" die Entwicklung der Landeswährung überlassen. Das gab die Bank am Donnerstag bekannt. Vor einer völligen Freigabe des Kurses schrecken die Währungshüter aber noch zurück: Sie behalten es sich vor, auch künftig über Interventionen den Rubel zu steuern.

MOSKAU. Die Zentralbank legte das untere Limit für den Rubel bei einem Kurs von 41 zum Währungskorb aus Dollar und Euro fest, an dem sich die russische Währung orientiert. Das kommt einem Verhältnis von 36 Rubel für einen Dollar gleich - derzeit steht die US-Währung noch bei 32 Rubel.

Die Bandbreite, in der sich die russische Währung damit frei bewegen kann, lässt nun Schwankungen von bis zu 30 Prozent zu. Analysten erwarten, dass der Rubel mit der Absenkung der Untergrenze weitere zehn Prozent nachgeben wird. Seit August hat die russische Währung gut ein Drittel ihres Wertes zum Dollar verloren - Grund sind vor allem die Mittelabflüsse ins Ausland sowie der rasante Verfall des Ölpreises.

Seit Mitte November hatte die Zentralbank in kleinen Schritten das Handlungsband zwanzig Mal erweitert und so eine langsame Abwertung zugelassen. Zentralbankchef Sergej Ignatjew erklärte, die nun gesetzten Grenzen sollten über Monate Bestand habe, er stellte zudem eine Zinssenkung in Aussicht. Abhängig sei eine weitere Korrektur von der Entwicklung des Ölpreises, wenn die Preis für ein Barrel (159 Liter) der russischen Ölsorte Urals unter das Limit von 30 Dollar sinken sollte, so der Zentralbankchef.

Derzeit liegt der Preis bei rund 41 Dollar für das Barrel. Für einen ausgeglichenen Haushalt braucht Russland aber 70 Dollar. Premierminister Wladimir Putin hatte deshalb schon angekündigt, eine Revision der Budgetplanung auf der Grundlage des aktuellen Ölpreises vornehmen zu wollen.

Die Abwertungspolitik der Zentralbank war in den vergangenen Wochen immer schärfer in die Kritik geraten. Zuletzt erfolgten sie in fast täglichen Schritten, was vor allem der Spekulation auf weiter fallende Kurse Raum bot. Gleichzeitig explodierten die Kosten, um den Rubel zu stützen. Wie Daten der Bank Rossii von gestern zeigen, schrumpften die Devisenreserven des Landes, die vor allem zur Stützung der Währung dienten, in der vergangenen Woche alleine um 30,3 Mrd. Dollar - der zweitgrößte Rückgang, den es jemals gab.

Inzwischen stecken im Devisenkissen Russlands noch 392 Mrd. Dollar. Das sind rund 200 Mrd. Dollar weniger als im vergangenen Sommer. "Der Auslöser für die Entscheidung mag wohl auch gewesen sein, dass die Reserven unter die psychologisch wichtige Marke von 400 Mrd. Dollar gefallen sind", meint Christopher Weafer, Chefstratege bei der russischen Bank Uralsib.

Die Entscheidung könne durchaus dazu beitragen, dass der Rubel nun eine "faire Bewertung" erhalte, meint Weafer. Die Aussicht auf einen realistischen Haushalt sowie das "offizielle Ende" der Abwertungsschritte könnte dem Währungsmarkt wieder Stabilität geben. Trotz allem bleibe die Entwicklung des Ölpreises, an dem der Rubel sich eng orientiert, ein Risikofaktor.

Die Regierung hatte große Abwertungsschritte oder gar die Freigabe des Rubelkurses, die grundsätzlich in den kommenden zwei bei drei Jahren erfolgen sollte, bisher vor allem vermieden, um Panikreaktionen zu vermeiden. Die "Salamitaktik" gab den im Ausland hochverschuldeten russischen Unternehmen auch Zeit, sich über Staatsbanken zu refinanzieren. Dieser Prozess dürfte nun vor allem bei den großen Staatskonzernen abgeschlossen sein, vermuten Analysten.

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