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16.12.2014

12:41 Uhr

Russische Zentralbank erhöht Leitzins

Rettungsversuch verpufft, Rubel im freien Fall

Die russische Zentralbank reagiert auf den Währungsverfall und erhöht den Leitzins auf 17 Prozent. Doch die Wirkung verpufft schnell. Der Rubel rutscht schon wieder ab. Ein Euro kostet mehr als 90 Rubel.

Fallender Rubel

Moskauer Baumarkt gibt Preise in Dollar an

Fallender Rubel: Moskauer Baumarkt gibt Preise in Dollar an

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Moskau/FrankfurtDer drastische Zinsschritt der russischen Notenbank droht zu verpuffen: Zwar sprang der Rubel zum US-Dollar am Dienstagmorgen zunächst um neun Prozent nach oben. Die Gewinne schmolzen aber schnell zusammen. Am Vormittag waren sie gänzlich dahin. Ein Dollar kostete zuletzt 73 Rubel. Auch zum Euro konnte der Rubel zunächst zulegen, brach dann jedoch wieder ein.

In der Nacht zum Dienstag hatte sich die Notenbank in einem überraschenden Schritt gegen den Rubelverfall und die hohe Inflation im Land gestemmt. Sie erhöhte ihren Leitzins um 6,5 Punkte auf 17 Prozent, um die Attraktivität der heimischen Währung zu steigern. Für die ohnehin angeschlagene Konjunktur Russlands ist der Zinssprung ein Schlag, weil höhere Zinsen den privaten Verbrauch und die Investitionen der Unternehmen zusätzlich belasten dürften.

Seit Jahresbeginn hat der Rubel mehr als 40 Prozent an Wert verloren. Wichtigste Gründe sind die Wirtschaftssanktionen des Westens wegen der Ukraine-Krise und der Verfall der Rohölpreise. Seit dem Sommer sind die Ölpreise um fast 50 Prozent eingebrochen. Die Wirtschaft und der Staatshaushalt Russlands sind auf hohe Einnahmen aus dem Ölexport angewiesen.

Ein fallender Rubel könnte die Inflation in Russland auf eine gefährlich hohe Stufe treiben. Die russische Regierung hatte kürzlich ihren ökonomischen Ausblick für das kommende Jahr herabgestuft. Es wurde vorhergesagt, dass die Wirtschaft des Landes in die Rezession sinken wird.

Der immense Schritt der russischen Zentralbank zeigt das Ausmaß der wirtschaftlichen Risiken, denen sich Moskau derzeit stellen muss. Er spiegelt die Furcht davor wider, der Rubel könnte weiter sinken und eine Panik unter den Verbrauchern mit einem Ansturm auf die Banken auslösen. Dies würde die ökonomischen Probleme Russlands weiter verschärfen.

Durch das Anheben der Zinssätze hofft die Bank darauf, dass es Investoren wieder lukrativer finden werden, ihr Geld in Russland zu belassen. „Sie tun es als Köder, um die Leute zu ermutigen, ihre Rubel zu Hause zu lassen anstatt weiterhin aus der Währung und dem Land zu fliehen“, sagte der Ökonom des University of California, Barry Eichengreen. Dies sei ein Versuch, Zeit zu gewinnen. „Es löst keines der eigentlichen Probleme, die die russische Wirtschaft hat“, sagte Eichengreen.

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Russische Zentralbank im Panik-Modus

Handelsblatt in 99 Sekunden: Russische Zentralbank im Panik-Modus

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Kommentare (41)

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Herr Peter Lorenz

16.12.2014, 07:50 Uhr

Ich erinnere mich noch an die Aussagen Putins, dass Russland die Sanktionen nichts ausmachen werden, dass Russland auch viele Waren selbst herstellen kann. Auch war zu lesen, dass Russland künftig seine Rohstoffe in Rubel bezahlen lassen will. Der Schuss wäre kräftig nach hinten losgegangen.

Wie lange sollen die Sanktionen bestehen bleiben? In der Ukraine wurden Tatsachen geschaffen, das Land ist tief gespalten. Die Uhr lässt sich nicht wieder zurück drehen. Die Tatsachen sollten akzeptiert werden.

Herr Teito Klein

16.12.2014, 07:51 Uhr

Der Rubel befindet sich im freien Fall
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Wenn eine Notenbank eine außerordentliche Notsitzung anberaumt, kündet das von schwerwiegenden Problemen einer Ökonomie und seiner Finanzwirtschaft. Wird diese Notsitzung mitten in der Nacht abgehalten und steht am Ende gar eine drastische Leitzinserhöhung, lässt sich getrost von Panik sprechen.

Warlord Putin lässt sich davon aber nicht beeindrucken.
Er investiert weiterhin in seine Rüstungsindustrie.

Schuld an dem Rubelverfall ist seiner Meinung nach der Westen.. Er wittert hier eine Verschwörung.
Das Gleiche gilt auch für den niedrigen Ölpreis und die Sanktionen. Er fühlt sich als Opfer.

Herr Donald Ta

16.12.2014, 08:27 Uhr

Wenn ein Rubel nicht mehr Wert ist, was ist eigentlich mit US-Dollar?
Bei Setzung der gleichen Maßstäbe hat ein Dollar einen realen Wert von 70 EUR die Tonne Papierscheine!

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