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05.08.2012

10:03 Uhr

Sachwert oder Notgroschen?

Das Geheimnis der Olympia-Münzen

VonChristian Schnell

Die Deutschen haben vor 40 Jahren zu den Spielen in München Münzen gekauft wie nie zuvor. Jeder Deutsche besitzt theoretisch noch mindestens eine. Die Bundesbank löst sie auch immer noch ein.

Eine Olympia-Münze von 2004 in Athen. ap

Eine Olympia-Münze von 2004 in Athen.

FrankfurtWieder sind Olympische Sommerspiele, diesmal in London. Wieder geht es um Medaillen, Rekorde und die Nationenwertung. Von den Spielen in München, von denen in diesen Tagen wegen des Jubiläums nach 40 Jahren ebenfalls viel die Rede ist, sind heute noch die bunten Sportklamotten, das schreckliche Attentat und ein beeindruckendes Sportgelände in Erinnerung. Und theoretisch hat jeder Anleger noch mindestens ein Andenken im Depot.

Gefährliche Inflation

Was ist Inflation?

Der Begriff stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „Sich-Aufblasen“. Der Begriff bezeichnet einen andauernden starken Anstieg des Preisniveaus: Waren- und Dienstleistungspreise steigen insgesamt an, blasen sich quasi auf. Die Kaufkraft des Geldes sinkt, da man weniger Waren und Dienstleistungen als zuvor für den gleichen Geldbetrag kaufen kann. Wenn die Preise nur einzelner Güter steigen, herrscht noch keine Inflation. Kennzeichnend für eine Inflation ist vielmehr, dass das Geld generell und fortlaufend an Kaufkraft verliert. Das Eurosystem hat definiert, dass eine jährliche Inflationsrate von unter zwei Prozent noch mit dem Ziel der Preisstabilität vereinbar ist.

Quelle: Deutsche Bundesbank, Bundeszentrale für politische Bildung.

Wie wird die Inflation gemessen?

Am häufigsten wird zur Messung der Inflation der Verbraucherpreisindex (früher Preisindex für die Lebenshaltung) als Maßstab für Preisveränderungen herangezogen. Der Verbraucherpreisindex wird anhand eines Verbrauchsschemas, des sogenannten Warenkorbs, berechnet, der alle Güter und Dienstleistungen enthält, die den typischen Verbrauchsgewohnheiten eines Durchschnittshaushalts entsprechen. Dazu gehören Güter des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel, Bekleidung oder Mieten und langlebige Gebrauchsgüter wie Kraftfahrzeuge oder Möbel genauso wie Dienstleistungen (z. B. Friseurbesuche oder Versicherungen). In der Regel wird der Warenkorb ungefähr alle fünf Jahre neu festgesetzt, weil sich die Konsumgewohnheiten der Verbraucher verändern oder neue Waren und Dienstleistungen angeboten werden. Die Berechnung der Preisveränderung für die Lebenshaltung erfolgt durch die Ermittlung der Preise für die einzelnen Güter des Warenkorbes. Diese Preise werden dann als Indexzahl, bezogen auf ein Basisjahr (derzeit Preisbasis 2005 = 100), ausgedrückt.

Wann spricht man von Hyperinflation?

Eine Hyperinflation ist eine Inflation mit gigantischen Preissteigerungen. Die Inflationsraten liegen mindestens bei 50 Prozent, meist sogar höher. Ist eine Hyperinflation im Gange, nimmt die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes ständig zu. Das liegt daran, dass jeder sein Geld möglichst sofort ausgibt, um weiteren Preissteigerungen zuvorzukommen. Die Folge ist eine immer schnellere Nachfrage und immer schnellere Preissteigerungen, bis schließlich das Vertrauen der Bevölkerung in die inländische Währung total verloren geht. Spätestens in dieser Situation weicht die Bevölkerung auf wertbeständiges ausländisches Geld oder auf knappe Sachgüter als Ersatzwährung aus (z. B. amerikanische Zigaretten nach dem Zweiten Weltkrieg in Westdeutschland), um sich auf dem Schwarzmarkt mit notwendigen Gütern zu versorgen.

Schützen Immobilien vor Inflation?

Dass Stein und Beton gegen die Geldentwertung helfen stimmt nur bedingt. Denn die Preise von Eigentumswohnungen und Häusern steigen vor allem in Metropolen. Der Maklerverband IVD hat festgestellt, dass die Preise für Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser von 1977 bis 2010 stärker gestiegen sind als die Inflation, aber vor allem in Metropolen und nicht in Kleinstädten oder auf dem Land.

Schützt Gold vor einer Inflation?

Gold gilt als besonders sicher, weshalb Anleger gerade aus Furcht vor fallenden Börsenkursen und Angst vor steigender Inflation hier zugreifen. Allerdings raten Verbraucherschützer regelmäßig zur Vorsicht: Denn die künftige Entwicklung des Goldpreises ist reine Spekulation. Zwar spricht aus ihrer Sicht nichts dagegen, in Gold zu investieren. Allerdings gibt es einiges zu beachten: Da Gold in Dollar gehandelt wird, besteht ein Währungsrisiko. Wer Goldbestände aus Sicherheitsgründen nicht daheim lagern will, muss zudem Kosten für ein Schließfach einkalkulieren.

Schützen Aktien vor einer Inflation?

Neben Immobilien und Edelmetallen gelten auch Aktien als verlässlicher Schutz. Die Idee dahinter: Steigt das allgemeine Preisniveau, schlägt sich das früher oder später auch in den Preisen und Kursen realer Vermögenswerte nieder. Einigkeit herrscht unter Experten aber auch darin, dass dieser Zusammenhang erstens nur tendenziell gilt und zweitens vor allem langfristig.

Eigentlich waren es ganz normale Münzen zu zehn Mark. Das allein war außergewöhnlich, gab es damals doch lediglich Münzen bis zu einem Wert von fünf Mark. Fünf Motive legte der Bund von 1970 bis wenige Tage vor Beginn der Spiele Ende August 1972 auf: die "Strahlenspirale" als Symbol der Spiele, die verschlungenen Arme mit der Aufschrift "Citius, Altius, Fortius", eine Sportlergruppe, die Sportstätten und zum Schluss das olympische Feuer mit Spirale und Ringen.

Die unglaubliche Zahl von 100 Millionen Münzen hat der Bund damals an seine Bürger verkauft. Nie mehr in der Historie war der Ansturm auf eine Sondermünze derart groß. Und jedes Mal hat er dabei zehn Mark eingenommen. Denn die Münzen kamen in den allermeisten Fällen sofort ins Sammelalbum und so gut wie nie als reguläres Zahlungsmittel in den Umlauf. Dabei wäre das möglich gewesen.

Das Ergebnis war schon damals ein Paradebeispiel dafür, wie ein Loch in der Finanzierung geschickt gestopft werden konnte. Weil die geplanten Kosten für die Bauten in München und die Ausrichtung am Ende mehr als doppelt so hoch lagen, war schließlich jede zusätzliche Einnahmequelle willkommen.

Und die Münzprägung erwies sich als wahrer Geldsegen. Von der einen Milliarde Mark, die so zusammenkam, blieben nach Abrechnung aller Kosten 679 Millionen übrig. Von solchen Arten der Finanzierung können Politiker heute nur noch träumen.

Dabei hatte der Münzkauf für Anleger durchaus seine Berechtigung. Jede Münze hatte schließlich eine 625er-Silberlegierung, 62,5 Prozent von ihr bestanden somit aus Silber. "Der Silbergehalt der Olympia-Münzen war für heutige Verhältnisse sehr hoch", sagt Andreas Patschinski vom Kölner Münzhändler und Auktionshaus Knopek.

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

01.08.2012, 12:25 Uhr

Eher Notgroschen als Geldanlage ?
Vielleicht noch so lange, wie Silber und Gold nach unten manipuliert werden können..... die Wochen sind gezählt !!

Merkur

01.08.2012, 12:54 Uhr

Wenn der Silberwert heute noch - oder besser schon - bei 7,00 EUR liegt, wäre ich doch schön blöd, der Bundesbank meine Silbermünzen für 5,12 EUR zu geben.
Und ich kann mir kaum vorstellen, dass der Silberwert dieser Münzen langristig unter den Nennwert von 5,12 EUR fällt.

Golo123

01.08.2012, 13:13 Uhr

Bei der nächsten Olympiade wird die Ausgabewährung wieder DM sein!

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