Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.05.2016

21:41 Uhr

„Satoshi Nakamoto“

Verwirrung um angeblichen Bitcoin-Erfinder

Seit acht Jahren wird darüber gerätselt, wer der Bitcoin-Erfinder ist. Ein australischer Unternehmer behauptet, er habe die digitale Währung entwickelt. Einen neuen Beweis dafür will er aber nicht präsentieren.

Münzen zum Anfassen sind bei einer virtuellen Währung wie den Bitcoins ziemlich paradox. Sammler mögen sie trotzdem. dpa

Bitcoin-Münze

Münzen zum Anfassen sind bei einer virtuellen Währung wie den Bitcoins ziemlich paradox. Sammler mögen sie trotzdem.

SydneyDie Verwirrung um den angeblichen Erfinder der Digital-Währung Bitcoin wird noch ein Stück größer. Der australische Unternehmer Craig Wright, der Anfang der Woche behauptete, er habe Bitcoin unter dem Pseudonym „Satoshi Nakamoto“ entwickelt, will jetzt doch keine neuen Beweise dafür präsentieren.

Wright hatte einen der führenden Bitcoin-Entwickler, Gavin Andresen, davon überzeugen können, dass er tatsächlich der Erfinder der digitalen Währung sei. Doch dann äußerten andere Experten erhebliche Zweifel an den von ihm öffentlich vorgelegten Beweisen. Daraufhin kündigte Wright an, um alle Skeptiker zu überzeugen, werde er Bitcoins aus einem Paket bewegen, das dem echten „Satoshi“ zugerechnet wird.

Die wichtigsten Fragen zu Bitcoins

Was sind Bitcoins?

Bitcoins (BTC) sind verschlüsselte Datenpakete aus Zahlen und Buchstaben.

Wer hat Bitcoins erfunden?

Als Erfinder gibt sich jemand aus, der auf einer Kryptografie-Mailingliste unter dem Namen Satoshi Nakamoto auftrat – vermutlich ein Pseudonym, möglicherweise steckt sogar eine Gruppe dahinter. Er umriss das Konzept 2008 in einem Grundsatzpapier und brachte 2009 eine Software zum Bitcoin-Austausch heraus. Mittlerweile kümmert sich eine kleine Community von Entwicklern darum – der Quellcode liegt offen.

Wozu sind Bitcoins gut?

Für die einen sollen Bitcoins ein anonymes Zahlungsmittel im Internet sein, das Systeme wie Paypal unnötig macht. Andere sehen Bitcoins als alternatives Wertaufbewahrungsmittel. Wieder andere glauben an eine mit dem Goldstandard vergleichbare Sicherheitsfunktion.

Als weltweit erste nennenswerte Transaktion gilt der Kauf zweier Pizzen für 10.000 BTC. Auch für illegale Zahlungen kommt die Währung zum Einsatz, etwa auf der inzwischen geschlossenen Online-Plattform Silk Road.

In Deutschland sind Bitcoins noch nicht sehr verbreitet. In Onlineshops wie Schuhwelt.com sowie in mehreren Berliner Kneipen kann man mit Bitcoins zahlen – allerdings tun Kunden das bislang nur in Einzelfällen.

Wie entstehen neue Bitcoins?

Neue Bitcoins müssen berechnet werden. Anfangs konnte jeder PC Bitcoins „schürfen“. Inzwischen sind die Rechnungen so komplex geworden, dass sie nur noch Hochleistungscomputer bewältigen. Professionelle Bitcoin-Schürfer koppeln ihre Computer zusammen.

Wie viele Bitcoins gibt es?

Die Anzahl der Bitcoins ist mathematisch auf maximal 21 Millionen begrenzt. Je größer die umlaufende Menge ist, desto aufwendiger wird, neue Einheiten zu berechnen. Professor Rainer Böhme von der Uni Münster geht davon aus, dass der letzte Bitcoin im Jahr 2140 erzeugt wird.

Wo werden Bitcoins gehandelt?

Im Internet gibt es etwa 60 Umschlagplätze für Bitcoins. Die mit Abstand größte Börse war lange Zeit Mt. Gox mit Sitz in Tokio. Doch die Japaner meldeten Insolvenz an. Weitere Tauschbörsen sind Coinbase, Kraken, BitStamp, Circle und BTC China. Die nach eigenen Angaben größte Bitcoin-Börse in Deutschland, Bitcoin.de, hat ihren Sitz in Herford bei Bielefeld.

Wie hat sich der Kurs entwickelt?

Seit dem Start 2009 haben Bitcoins stark zugelegt. Im Dezember 2013 kostete ein Bitcoin mehr als 1100 Dollar. Nach der Pleite der Handelsplattform Mt. Gox Anfang 2014 rutschte der Kurs enorm ab. Zum Jahreswechsel 2014 steht er etwas über 300 Dollar.

Ist der Handel mit Bitcoins legal?

In Deutschland können Nutzer laut Bafin ohne Erlaubnis mit der Cyber-Währung bezahlen. Auch das so genannte „Mining“ – die Schöpfung von Bitcoins – ist erlaubt. Allerdings können beim Rücktausch in Euro Steuern fällig werden.

von Andreas Dörnfelder

Am Donnerstag schrieb Wright aber in einem Blogeintrag, nach den Zweifeln und Attacken der vergangenen Tage fehle ihm der Mut dazu. Er habe Andresen und andere Experten nicht belogen - „aber ich weiß, dass die Welt das jetzt niemals mehr glauben wird“.

Die Frage, wer hinter dem Pseudonym „Satoshi Nakamoto“ steckt, beschäftigt Journalisten und Fachleute schon lange. Dem Erfinder der Internet-Währung wird ein Paket aus einer Million Bitcoins zugerechnet, der aktuell rund 400 Millionen Euro wert wäre.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×