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13.10.2014

11:38 Uhr

Saudi Arabien versus Russland

Ölpreise fallen immer tiefer

Die Ölpreise rutschen weiter ab: Ein Barrel kostet weniger als 90 Dollar. Und damit ist das Ende der Talfahrt noch nicht erreicht. Saudi Arabien scheint das nicht zu stören, Russland dagegen umso mehr.

Ölförderanlage im russischen Nowy Urengoi: Der Ölpreis ist unter 90 Dollar gefallen. dpa

Ölförderanlage im russischen Nowy Urengoi: Der Ölpreis ist unter 90 Dollar gefallen.

Frankfurt/New York/London/WienSpekulationen über den Verzicht der Opec und Saudi-Arabiens auf Förderkürzungen haben am Montag die Preise am Ölterminmarkt weiter abstürzen lassen. Nordseeöl der Sorte Brent kostete zeitweise mit 87,74 Dollar je Barrel (159 Liter) 2,7 Prozent weniger und notierte damit so niedrig wie zuletzt im Dezember 2010. US-Leichtöl der Sorte WTI verlor bis zu zwei Prozent auf 84,09 Dollar.

Analysten rechnen mit noch stärkeren Preisabschlägen. Seit Juni sind die Ölpreise um 20 Prozent gefallen, was vor allem auf die Ölschwemme durch den Öl- und Gasboom in Nordamerika und die schleppende Konjunkturentwicklung weltweit zurückgeführt wird. Die Opec wird am 27. November über die Lage beraten.

Am Wochenende hatte Kuwaits Ölminister Ali al-Omair der Nachrichtenagentur KUNA zufolge erklärt, es sei unwahrscheinlich, dass das Kartell die Ölproduktion im November kürzen werde. Denn es sei zu bezweifeln, dass eine solche Entscheidung die Preise tatsächlich stützen würde.

Die Staaten mit dem größten Öldurst

Rang 10

Taiwan

Der Inselstaat importiert rund 1,0 Millionen Fass Öl am Tag. Ein Fass (Barrel) Öl entspricht rund 159 Litern. Taiwan rangiert auf dem zehnten Platz der Ölverbraucher.

Quelle: Internationale Energieagentur (EIA), Stand: August 2012

Rang 9

Italien

Die Bewohner des Stiefelstaats importieren rund 1,3 Millionen Fass Öl am Tag.

Rang 8

Spanien

Die gleiche Menge Rohöl führt Spanien ein. Dort sind es 1,3 Millionen Barrel am Tag.

Rang 7

Frankreich

Etwas mehr importieren die Nachbarn nördlich der Pyrenäen: Dort sind es 1,7 Millionen Fass Öl täglich.

Rang 6

Südkorea

Noch etwas mehr Öl schnappt sich Südkorea. Das Land importiert 2,3 Millionen Fass Öl.

Rang 5

Deutschland

Der Öldurst Deutschlands ist ähnlich groß wie von Südkorea: 2,3 Millionen Fass Öl importieren die Deutschen täglich.

Rang 4

Indien

Die gleiche Menge des Energieträgers wie Deutschland führt Indien ein. Das aufstrebende Land kommt auf 2,3 Millionen Fass Öl.

Rang 3

Japan

Deutlich mehr Volumen des Energieträgers führen die Japaner ein. Dort sind es 4,3 Millionen Fass täglich. Der Inselstaat ist damit der drittgrößte Ölimporteur der Welt.

Rang 2

China

Noch mehr des Rohstoffs holt die Volksrepublik ins Land. 5,5 Millionen Fass importieren die Chinesen täglich.

Rang 1

USA

Mit Abstand das meiste Erdöl importieren die USA: Mit 8,7 Millionen Fass täglich liegen die Amerikaner an der Spitze.

Der Preisverfall könnte aber bei 76 oder 77 Dollar seinen Boden finden, da dies die Kosten für die Ölförderung in den USA und Russland seien, zitierte KUNA den Minister weiter. Zudem trugen Berichte über die saudi-arabische Haltung zu dem Preisrückgang bei.

Nach Aussagen von Marktteilnehmern hat der größte Opec-Ölproduzent wissen lassen, dass er für ein oder zwei Jahre mit einem Ölpreis unter 90 Dollar oder auch einem Preis von 80 Dollar leben könnte. Saudi-Arabien fördert täglich rund 9,7 Millionen Barrel – etwa ein Drittel der Opec-Produktion von rund 30,47 Millionen Barrel.

Bislang waren Börsianer davon ausgegangen, dass Saudi-Arabien – wie viele andere Ölförderländer auch – einen Preis von über 100 Dollar je Fass zur Finanzierung seines Haushaltes benötigt und diese Marke daher verteidigen würde.

Nun hoffe man in Riad, mit unverändert hohem Produktionsniveau seine Marktanteile halten zu können. Zudem könnte ein niedriger Preis die Investitionen in die Ölförderung unattraktiver machen und damit der Konkurrenz von US-Schieferöl schaden.

Kommentare (30)

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Herr Thomas Albers

13.10.2014, 12:03 Uhr

"Analysten rechnen mit noch stärkeren Preisabschlägen. Seit Juni sind die Ölpreise um 20 Prozent gefallen, was vor allem auf die Ölschwemme durch den Öl- und Gasboom in Nordamerika und die schleppende Konjunkturentwicklung weltweit zurückgeführt wird. "

Im Prinzip sind die Äußerungen der Saudis, man könne noch mit einem niedrigeren Preis leben und der oben zitierte Pessimismus echte Alarmzeichen für die Weltkonjunktur. Ein unbeirrbar sinkender Brent deutet größere Verwerfungen an.

Herr Helmut Metz

13.10.2014, 12:17 Uhr

Wir haben Deflation in Reinkultur. Natürlich sinkt da der Ölpreis (und wenn man sie dieses Mal wirklich zulässt, dann wird er auch noch weit tiefer als auf ca. 40 USD fallen, wie damals nach Lehman).
Es gibt zudem immer einen ROHSTOFFVORLAUF, zu sehen z.B. auch am abrauschenden Baltic Dry Index. Der gilt auch als ein "Frühindikator" für die Entwicklung der Weltwirtschaft:
http://de.wikipedia.org/wiki/Baltic_Dry_Index
Ich habe deshalb auch schon neulich geschrieben: Sollen die Börsianer ruhig noch ein Weilchen weiter Party feiern. Die kommen nur ein wenig später dran. Nun ja, die Partylaune hat ja mittlerweile schon etwas nachgelassen...

Frau Ute Umlauf

13.10.2014, 12:33 Uhr

Was da über RUS geschrieben wird ... ist dilettantisch. Das habt ihr doch nur ausfantasiert!

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