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08.01.2016

15:25 Uhr

Saudi-Arabien

Was Investmentbanker vom Aramco-Deal halten

Der saudische Ölkonzern Aramco soll ganz oder in Teilen an die Börse. Investmentbanker können es kaum fassen – bislang galt diese Möglichkeit als Witz. Das Unternehmen ist bis zu neun Billionen Euro wert.

Archiv-Bild von Arbeiten an einer Ölanlage in Saudi-Arabien. dpa

Bauarbeiten an einem Ölfeld

Archiv-Bild von Arbeiten an einer Ölanlage in Saudi-Arabien.

RiadDie Meldung aus Saudi-Arabien war für einen Finanzberater eine so große Überraschung, dass er sein Auto anhalten musste, da er vor Lachen nicht mehr sicher fahren konnte. Der saudische Ölkonzern Aramco – eine Firma, die größer ist als die Volkswirtschaft der meisten Länder – könnte an die Börse gebracht werden.

Das war bis dato unvorstellbar, doch der Preissturz beim Rohöl lässt selbst Unvorstellbares in Reichweite rücken. Am Freitag bestätigte Saudi Aramco, über einen Börsengang nachzudenken. Damit bestätigte der Konzern eine Aussage von Vize-Kronprinz Muhammad bin Salman in einem Interview mit dem „Economist“. In der Finanzwelt begegneten Beobachter der Nachricht mit Unglauben.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg sprach mit einem halben Dutzend Bankern, die im Nahen Osten Geschäfte machen – und ungenannt bleiben wollen. Doch es zeigt sich: Dieser Deal wirft viele Fragen auf – und könnte einige Antworten bringen.

Börsenpläne für Saudi Aramco: Ein Konzern, der Exxon, Shell und BP in den Schatten stellt

Börsenpläne für Saudi Aramco

Ein Konzern, der Exxon, Shell und BP in den Schatten stellt

Das Königreich Saudi Arabien erwägt, den staatseigenen Ölgiganten Saudi Aramco zu privatisieren. Der Börsengang des wertvollsten Unternehmens der Welt wäre eine Sensation für die Finanzmärkte.

Denn zum einen ist die Funktionsweise von Aramco eine große Unbekannte, was den Firmenwert schwer abschätzbar macht. Und dann ist da der verwunderliche Zeitpunkt der Ankündigung: Der Ölpreis ist nahe dem tiefsten Stand seit mehr als zehn Jahren. Fünf Personen berichten Bloomberg, dass es in der Vergangenheit durchaus Gespräche über einen möglichen Verkauf von Teilen des Ölkonzerns gegeben habe. Doch dann sei es um viel kleinere Einheiten gegangen als den Gesamtkonzern.

Ein Börsengang für die gesamte Firma sei zwar einmal besprochen worden – aber nur als Witz, so einer der gefragten Banker.

Die Chronik des Ölpreisverfalls

Der Verfall

Ein weltweites Überangebot bei schwächelnder Nachfrage setzt dem Ölpreis immer stärker zu. Noch im Juni 2014 kostete ein Barrel (Fass zu je 159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent 115,7 Dollar. Derzeit kostet ein Fass Öl aus der Nordsee weniger als 33 Dollar.

Die Gründe

Ein Grund für das Überangebot ist der Schieferölboom in den USA. Ein anderer ist die Förderpolitik der Opec, die anders als in früheren Jahren den Preis nicht durch die Senkung von Fördermengen stützen will oder kann. Stattdessen kämpfen die Kartellmitglieder mit Rabatten um ihre Marktanteile. Diese Preis-Meilensteine durchschritt die Ölsorte Brent seit Anfang 2015:

7. Januar 2015

Der Brent-Preis fällt zum ersten Mal seit Mai 2009 unter 50 Dollar je Fass.

13. Januar 2015

Mit 45,19 Dollar erreicht Brent den niedrigsten Stand seit März 2009.

3. Februar 2015

Spekulationen auf einen deutlichen Rückgang des Überangebots treiben den Preis für Brent wieder über 55 Dollar.

6. Mai 2015

Export-Ausfälle in Libyen schüren Spekulationen auf einen Versorgungsengpass: Der Ölpreis steigt bis auf 69,63 Dollar.

3. August 2015

Erstmals seit Januar rutscht Brent wieder unter die 50-Dollar-Marke. Auslöser ist ein Rekordanstieg der Ölproduktion der Opec-Länder im Juli.

24. August 2015

Aus Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft machen Anleger einen großen Bogen um Öl. Brent verbilligt sich um bis zu 6,5 Prozent auf 42,51 Dollar. Damit kostet das Nordsee-Öl so wenig wie zuletzt im März 2009.

8. Dezember 2015

Nachdem die Opec ihre Förderpolitik bestätigt hat und in der Abschlusserklärung nicht einmal mehr eine Zahl für die Obergrenze der Produktion auftaucht, gehen die Notierungen erneut in die Knie: Brent fällt auf bis zu 39,81 Dollar und ist damit so billig wie zuletzt im Februar 2009.

21. Dezember 2015

Brent kostet mit rund 36 Dollar so wenig wie zuletzt im Juli 2004.

4. Januar 2016

Nach der Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen im sunnitischen Saudi-Arabien eskaliert der seit langem schwelende Konflikt zwischen dem Iran und dem Königreich. Dies macht eine gemeinsame Linie der beiden Opec-Mitglieder in der Ölpolitik unwahrscheinlich. Die Preise nehmen ihre Talfahrt wieder auf.

7. Januar 2016

Brent stürzt um sechs Prozent auf 32,16 Dollar ab und notiert damit so niedrig wie zuletzt im April 2004. Damals hatte der Preis zuletzt die 30-Dollar-Marke unterschritten.

Aramco könnte einen Wert von einer Billion Dollar (900 Milliarden Euro) bis zu mehr als zehn Billionen Dollar (9,2 Billionen Euro) haben, schätzt Jason Tuvey vom Marktbeobachter Capital Economics – und das ist kein Übersetzungsfehler. Es sind Billionen gemeint. Der letzte große Börsengang der Ölindustrie fand vor mehr als zehn Jahren statt. Dabei spülte die russische Rosneft mehr als zehn Milliarden Dollar in die Kassen.

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