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02.08.2011

09:12 Uhr

Schuldenkompromiss

Dollar steigt, China schimpft

Es klingt ein wenig paradox: Die USA dürfen noch mehr Schulden machen, aber der Dollar steigt. Doch gleichzeitig regt sich Unmut - China kritisiert die Politik der Amerikaner scharf.

Nach dem Schuldenkompromiss konnte der Dollar etwas Boden gewinnen. Quelle: Reuters

Nach dem Schuldenkompromiss konnte der Dollar etwas Boden gewinnen.

SydneyNur einen Tag, bevor die weltgrößte Volkswirtschaft zahlungsunfähig geworden wäre, hat das US-Abgeordnetenhaus in der Nacht zum Dienstag den Schuldenkompromiss von Demokraten und Republikanern gebilligt. Die Zustimmung zum Schuldenkompromiss stützte den Dollar. Der Euro fiel unter 1,42 Dollar nachdem er am Montagnachmittag noch mit 1,4453 Dollar gehandelt worden war.

Die japanische Währung hatte zunächst stärker tendiert, gab dann aber wegen Spekulationen über ein mögliche Intervention Japans am Devisenmarkt etwas nach. Ein Dollar kostete 77,44 Yen.

In China stieß die Einigung im US-Schuldenstreit auf Skepsis. Zwar hielt sich die Regierung in Peking als größte Gläubigerin der USA mit einer offiziellen Reaktion zurück. In den Staatsmedien wurde der Kompromiss allerdings als halbherzig kritisiert. „Zwar haben die USA die Zahlungsunfähigkeit nun praktisch verhindert, aber ihre Schuldenprobleme sind weiterhin ungelöst“, urteilte am Dienstag die Zeitung „Renmin Ribao“, das Zentralorgan der KP.

Fakten zu den Weltwährungen

Noch dominiert der Dollar

Der Dollar hat derzeit noch den größten Anteil an den internationalen Währungsreserven (61,4 Prozent). Darauf folgt der Euro mit 27,0 Prozent Anteilen. Das Pfund besitzt 4,1 Prozent Anteile an den internationalen Währungsreserven, der Yen 3,6 Prozent und 3,9 Prozent teilen sich sonstige Währungen.

Devisentransaktionen

85 Prozent aller Devisentransaktionen entfielen 2010 auf den Dollar. Damit hat die US-Währung an Bedeutung verloren - vor zehn Jahren war der Dollar an 90 Prozent aller Transaktionen beteiligt. Auf den Euro entfielen 2010 39 Prozent aller Transaktionen, der Yen kam auf 19 Prozent, das Britische Pfund auf 13 Prozent.

(Anmerkung.: die Zahlen summieren sich auf 200 Prozent, da bei jeder Transaktion zwei Währungen beteiligt sind, Quelle: Bank für Internationalen Zahlungsausgleich)

Schuldenberge

Die Staatsschulden Chinas betragen seit fünf Jahren kontinuierlich um die 20 Prozent des BIP. Die Schulden Europas und der USA steigen hingegen an. 2010 lagen sie zwischen 80 und 90 Prozent des BIP.

Schuldenabbau durch Inflation

52.000 Milliarden Dollar beträgt die Gesamtverschuldung von Unternehmen, Staat und Bürgern der USA, das entspricht rund 355 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Ökonomen vermuten, Amerika werde die Staatsschulden durch Inflation abschmelzen. Die Folge wäre ein Dollar-Crash.

Das Problem sei im Endeffekt nur aufgeschoben worden. Es sei damit zu rechnen, dass der Schuldenberg der weltgrößten Volkswirtschaft weiter anwachse. „Dies wirft einen Schatten auf die Erholung der US-Konjunktur und erhöht auch die Gefahren für die Weltwirtschaft.“ Die Abhängigkeit vom Dollar sei vorerst aber kaum zu verringern, erklärte das Blatt in dem kurzen Kommentar weiter. „Der Dollar bleibt eine harte Währung, die alle anderen Länder akzeptieren müssen.“ China hält rund 3,2 Billionen Dollar in ausländischen Staatsanleihen, wovon etwa 70 Prozent in die US-Währung investiert sind. Damit schulden die USA keinem anderen Land in der Welt soviel Geld wie China.

Der chinesische Yuan gab auf 6.4419 Dollar nach, nachdem er zuvor einen Rekordstand bei 6.4399 Dollar erreicht hatte. Die People’s Bank of China setzte den tagesaktuellen Fixkurs zum Dollar 0,03 Prozent schwächer an.
Der Yuan darf lediglich in einer Spanne von 0,5 Prozent über oder unter diesem Wert handeln.

Von

rtr

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