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20.06.2011

13:31 Uhr

Schuldenkrise

"Der Euro ist sehr verwundbar"

Die europäischen Finanzminister lassen Griechenland zappeln. Das sorgt für Unsicherheit an den Märkten. Der Euro fällt, der Dax auch, die Ausfallversicherungen für griechische Staatsanleihen verteuern sich.

Euro gegen Dollar: Der Greenback holt wieder auf. Quelle: dpa

Euro gegen Dollar: Der Greenback holt wieder auf.

FrankfurtDie Verzögerungen bei der Freigabe der nächsten Hilfskredite für Griechenland haben den Euro am Montag noch einmal deutlich abrutschen lassen. Die Gemeinschaftswährung fiel gegenüber ihrem New Yorker Schlusskurs um mehr als einen US-Cent auf 1,4192 Dollar. Sie näherte sich damit wieder ihrem in der vergangenen Woche erreichten Drei-Wochen-Tief von 1,4071 Dollar.

"Der Euro ist wegen des unsicheren Ausblicks für Griechenland immer noch sehr verwundbar", sagte Niels Christensen, Chef-Devisenstratege bei der Nordea Bank AB in Kopenhagen. "Zudem gibt es aufgrund von Besorgnis über das Weltwirtschaftswachstum eine gewisse Risikoaversion. Davon profitiert der Dollar im Verhältnis zum Euro", ergänzte er.

"Unsere Haltung tendiert dahin, den Euro bei Aufwärtsbewegungen zu verkaufen", sagte Sean Callow, Leitender Devisenstratege bei Westpac Banking Corp. in Sydney. "Wir sind nicht davon überzeugt, dass Griechenland den politischen Willen hat, alles zu tun, was die Geldgeber verlangen", ergänzte er. Callow empfiehlt den Euro bei Kursen über 1,43 Dollar zu verkaufen.

Die vertagte EU-Entscheidung zur Auszahlung weiterer Hilfen trieb auch die Kosten für die Versicherung griechischer Schulden gegen einen Zahlungsausfall wieder in die Höhe. Fünfjährige Kreditausfallversicherungen (CDS) auf griechische Staatsanleihen verteuerten sich um 128 auf 2,025 Basispunkte, wie der Datenanbieter Markit mitteilte. Das bedeutet, dass es 2,025 Millionen Euro kostet, Schulden des Mittelmeeranrainers in Höhe von zehn Millionen Euro abzusichern.

Prominente Stimmen zur Schuldenkrise

Axel Weber, Ex-Chef der Bundesbank

„Ab einem bestimmten Punkt muss man seine Verluste einschränken und das System neu starten“

Horst Köhler, ehemaliger Bundespräsident und einst Chef des IWF

„Die Euro-Gruppe und das ganze europäische Projekt stehen wegen gravierender politischer Versäumnisse in der Vergangenheit vor einer nie dagewesenen Zerreißprobe.“

George Soros, Großinvestor und Präsident von Soros Fund Management

„Seien wir mal ehrlich: Wir stehen am Rand des Zusammenbruchs, der - sagen wir mal - mit Griechenland anfängt, aber sich leicht ausweiten kann.“

Wolfgang Schäuble, Bundesfinanzminister

„Wir stehen vor dem realen Risiko der ersten ungeordneten Staatsinsolvenz innerhalb der Euro-Zone.“

Mohamed El-Erian, Chef des weltgrößten Anleiheinvestors Pacific Investment Management Co (Pimco)

„Griechenland hat zu viele Schulden und kann nicht wachsen, solange diese Probleme nicht gelöst sind. [...] Das Land wird um eine Umschuldung nicht herumkommen.“

Hans-Werner Sinn, Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung

„Also das Geld ist verloren. Die Griechen können ja jetzt schon nicht zurückzahlen. Griechenland war im Grunde schon vor einem Jahr pleite.“

Barack Obama, US-Präsident

„Eine Spirale der Zahlungsunfähigkeit wäre eine Katastrophe.“

Jürgen Stark, Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank

„Solidarität darf nicht in der Weise missverstanden werden, dass die europäischen Partner und die internationale Gemeinschaft keine andere Wahl hätten, als die Finanzierung fortzusetzen. Niemand ist erpressbar und niemand darf erpressbar sein. [...] Das Schicksal des Euro hängt nicht an Griechenland.“

Warren Buffett, Investmentlegende

„Ein Kollaps des Euro ist nicht undenkbar.“

Kenneth Rogoff, Harvard-Professor und ehemaliger Chefökonom des IWF

„Die EU schiebt das Schuldenproblem nicht nur vor sich her, sondern wie einen Schneeball den Berg hinunter.“

Jean-Claude Juncker, luxemburgischer Premier und Eurogruppenchef

„Es wird keine vollständige Umschuldung Griechenlands geben. Auch der Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone ist niemals ein Thema gewesen“.

Jim Rogers, Börsenexperte

„Lasst Griechenland pleitegehen!“

Jim O'Neill, Chef der Vermögensverwaltung bei Goldman Sachs

„Es wäre besser für die Zukunftsfähigkeit der Europäischen Währungsunion, die Restrukturierung Griechenlands schnell über die Bühne zu bringen. Wenn nicht, wird die Krise immer schlimmer und breitet sich womöglich auch auf andere Länder aus.“

Bill Gross, Manager des größten Anleihefonds der Welt

„Die Währungshüter versuchen, das Ungleichgewicht von zu hohen Schulden und zu attraktiven Zinsen auf Ersparnisse auszugleichen. Man könnte das als finanzielle Repression bezeichnen. Wir nennen es Taschendiebstahl.“

Angela Merkel, Bundeskanzlerin

„Wenn der Euro als Ganzes in Gefahr ist, ist es das deutsche Interesse zu helfen, um den wirtschaftlichen Aufschwung nicht zu gefährden.“

Auch italienische CDS legten wieder zu und stiegen um elf auf 182 Basispunkte. Auslöser war die Ankündigung der Ratingagentur Moody's, eine Herabstufung der Note „Aa2“ für die Staatsanleihen des Eurolandes zu prüfen. Moody's folgt damit dem Konkurrenten Standard & Poor's, der im Mai den Ausblick für der Italien auf „negativ“ gesenkt hat, womit ebenfalls eine Herabstufung des Ratings droht.

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