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13.05.2011

11:37 Uhr

Schuldenkrise

„Für einige Länder ist der Euro eine Fessel“

VonJörg Hackhausen

Der Euro ist klar überbewertet, sagt der Bonner Ökonomieprofessor Manfred Neumann. Im Interview erklärt er, was den Währungskurs drücken könnte und warum ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone denkbar ist.

Manfred J. Neumann ist Professor für Ökonomie an der Universität Bonn. Quelle: Pr

Manfred J. Neumann ist Professor für Ökonomie an der Universität Bonn.

FrankfurtHerr Neumann, der Euro hat über Monate fast ununterbrochen zugelegt. Jetzt geht es kräftig abwärts. Ist das die Trendwende?

Wechselkursprognosen sind immer schwierig. Es gibt keinen Grund für eine stärkere Trendwende nach unten. Allerdings ist der Euro mit Werten über 1,40 Dollar klar überbewertet.

Auf welchem Niveau wäre der Euro fair bewertet?

Das faire Niveau dürfte bei 1,30 bis 1,40 Dollar liegen.

Wie wird sich der Kurs in den kommenden Monaten entwickeln?

Ich erwarte, dass es zu einem volatilen Auf und Ab kommen wird – in Abhängigkeit von den Nachrichten über Griechenland, ein weiteres Schuldenpaket und vor allem einen Schuldenschnitt, den die Politiker scheuen wie der Teufel das Weihwasser.

Nicht nur die Euro-Staaten, auch die USA kämpfen mit hoher Verschuldung. Wer wird eher mit den Problemen fertig?

Ich kann mir gut vorstellen, dass in den USA für ein etwas höheres Inflationsniveau gesorgt werden wird, um die reale Last zu verringern. Eine Entlastung durch konsequente Verringerung der Neuverschuldung ist dort dagegen nicht zu erwarten. In Europa ist die Lage differenziert. Einige Länder – Deutschland voran – machen wirklich nennenswerte Fortschritte. Vor allem Griechenland hat es geschafft, sein Defizit eindrucksvoll zu verringern - von 15,4 auf 10,5 Prozent des BIP. Allerdings reicht das leider nicht aus.

Ist der Austritt einzelner Länder aus der Euro-Zone denkbar?

Ja, ein Austritt ist grundsätzlich vorstellbar, wenngleich diese Option bisher nicht vertraglich vorgesehen ist und von einigen Zentralbankern vehement abgelehnt wird. Man kann und darf keinen Staat davon abhalten, diese Chance für einen durchgreifenden Neubeginn zu ergreifen.

Droht die Euro-Zone auseinander zu fallen?

Es wäre eine unangebrachte Dramatisierung, ein Auseinanderfallen oder gar ein Scheitern des Euros zu erwarten. Der Euro hat sich für viele Länder bewährt. Für einige südeuropäische Länder ist er dagegen zu einer Fessel geworden. Wenn Griechenland zum eigenen Vorteil nächstens austreten sollte, wäre das kein Scheitern des Euros.

Welche Rolle wird der Euro künftig spielen?

Der Euro ist bereits die zweite Weltwährung nach dem Dollar und wird im Lauf der Zeit noch mehr zu einer ebenbürtigen Transaktions- und Anlagewährung werden. Darüber muss man sich eigentlich keine Gedanken machen.

Kommentare (6)

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elektroinstallateur

13.05.2011, 12:20 Uhr

das macht Sinn, der Euro ist mit 1,40 US$ klar überbewertet. Mit 1,30 bis 1,40 würde er ein faires Niveau haben.

Buerge-r

13.05.2011, 13:20 Uhr

Gott sei Dank zieht langsam Rationalität in die Euro-Debatte ein!

eigernordwand_am_finanzmarkt

13.05.2011, 13:57 Uhr

Ein namhafter deutscher Vermögensverwalter in München sagte vor einiger Zeit im Presseinterview: die Schweiz hat es mit dem Sfr bislang auch sehr gut geschafft. So würde es Deutschlanda auch mit einer substanzbasierten DM schaffen - wieder!

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