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18.07.2011

15:08 Uhr

Schuldensorgen

Euro rutscht wieder Richtung 1,40 Dollar

Die europäische Schuldenkrise bleibt das dominante Thema am Devisenmarkt. Der Euro fällt weiter zurück. Anleger plagt die Sorge vor einem Übergreifen der Probleme Griechenlands auf andere Länder der Euro-Zone.

Die Schuldenmisere in Europa holt den Euro immer wieder ein. Quelle: dpa

Die Schuldenmisere in Europa holt den Euro immer wieder ein.

FrankfurtDie Schuldenkrise lässt die Anleger nicht los: Aus Sorge vor einem Übergreifen der Probleme Griechenlands auf andere Länder der Euro-Zone trennten sich die Anleger am Rentenmarkt wieder von spanischen und italienischen Anleihen und suchten Sicherheit in deutschen Bundesanleihen. Der Euro rutschte um gut einen US-Cent auf 1,4045 Dollar ab, nachdem er am Freitag die Veröffentlichung des Stresstests der europäischen Banken ohne Blessuren überstanden hatte. „Die Märkte scheinen die Probleme in Europa als gravierender als in den USA anzusehen“, fasste Commerzbank-Analystin Antje Praefcke zusammen.

„Es gibt zwei große Weltregionen - die Vereinigten Staaten und die Euro-Zone - wo sich in den nächsten Tagen die Schuldenkrise zuspitzen wird“, spielte Unicredit-Renten-Stratege Kornelius Purps in München auf den am Donnerstag anstehenden Sondergipfel der EU über die Lage in Griechenland und die US-Verhandlungen zur Anhebung der Schuldenobergrenze der USA an. Für letzteres haben die Politiker der Demokraten von Präsident Barack Obama und der Republikaner nur noch bis zum 2. August Zeit. Sollten sie sich nicht einigen droht der weltgrößten Volkswirtschaft die Zahlungsunfähigkeit. Das bremste Händlern zufolge den Dollar. „Ohne das US-Schuldendrama wäre der Euro sicher näher an der Parität als an der 1,50-Dollar-Marke“, kommentierte ein Börsianer.

In Europa scheinen die Fronten in Sachen Griechenland ebenfalls ziemlich verhärtet zu sein: Während die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Sonntag eine Beteiligung privater Gläubiger an einer Lösung für Griechenland unterstrich, setzte sich EZB-Notenbanker Lorenzo Bini Smaghi für einen Rückkauf griechischer Anleihen durch den Euro-Rettungsfonds EFSF ein. „Das sieht nach einem Teufelskreis aus: Merkel hält an der Beteiligung privater Gläubiger fest und die Ratingagenturen sprechen in diesem Fall von einem teilweisen Zahlungsausfall“, erklärte Tom Levinson, Währungsstratege bei der ING. „Und da EZB-Chef Jean-Claude Trichet Anleihen von bankrotten Ländern nicht als Sicherheit akzeptieren will, fällt es im Moment schwer, sich einen Ausbruch aus dem Kreis vorzustellen.“

Viele Investoren seien angesichts dieser Probleme extrem vorsichtig. Neben dem Gold war der Schweizer Franken die Währung, in der sich die meisten Anleger am sichersten fühlten. Zum Dollar und zum Euro zog die Schweizer Währung zeitweise kräftig an. Der Euro stürzte Händlern zufolge zeitweise bis auf rund 1,14 Franken ab, erholte sich bis zum frühen Nachmittag aber wieder auf 1,1480 (Freitag 1,1427) Franken. Der Goldpreis erreichte in Dollar und Euro neue Rekordhochs von mehr als 1600 Dollar und 1141 Euro je Feinunze.

Vor allem am Rentenmarkt sorgte die Flucht in die Qualität für Verzerrungen. So brachen die Kurse der Anleihen Spaniens und Italiens um je fast zwei volle Punkte ein. Die spanischen Renditen sprangen auf 6,37 von 6,1 Prozent am Freitag, die italienischen auf 6,04 von 5,8 Prozent am Freitag. Damit wird die Refinanzierung für die Regierungen in Rom und Madrid immer teuerer. „Der Mangel an politischer Führung lässt dem Markt letztlich keine andere Wahl“, erklärte ein Händler in London. Irlands Finanzminister Michael Noonan hält Hilfskredite für beide Länder dann für nötig, wenn der Zins über s

m Gold war der Schweizer Franken die Währung, in der sich die meisten Anleger am sichersten fühlten. Zum Dollar und zum Euro zog die Schweizer Währung zeitweise kräftig an. Der Euro stürzte Händlern zufolge zeitweise bis auf rund 1,14 Franken ab, erholte sich bis zum frühen Nachmittag aber wieder auf 1,1480 (Freitag 1,1427) Franken. Der Goldpreis erreichte in Dollar und Euro neue Rekordhochs von mehr als 1600 Dollar und 1141 Euro je Feinunze.

Vor allem am Rentenmarkt sorgte die Flucht in die Qualität für Verzerrungen. So brachen die Kurse der Anleihen Spaniens und Italiens um je fast zwei volle Punkte ein. Die spanischen Renditen sprangen auf 6,37 von 6,1 Prozent am Freitag, die italienischen auf 6,04 von 5,8 Prozent am Freitag. Damit wird die Refinanzierung für die Regierungen in Rom und Madrid immer teuerer. „Der Mangel an politischer Führung lässt dem Markt letztlich keine andere Wahl“, erklärte ein Händler in London. Irlands Finanzminister Michael Noonan hält Hilfskredite für beide Länder dann für nötig, wenn der Zins über sieben Prozent steigt.

Die Rendite der deutschen zehnjährigen Anleihe fiel auf 2,64 von 2,7 Prozent am Freitag. Der Bund-Future kletterte um bis zu 75 Ticks auf 129,74 Prozent.

 

 

Von

rtr

Kommentare (8)

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Manfred

18.07.2011, 08:26 Uhr

Der schwache Euro wird vergrglichen mit einem noch schwächeren Dollar - na prima !
Wie schauts aus mit dem Franken ??
Ich hoffe sehr, der Euro kollabiert und die EU auch.
Das ganze korrupte, verlogene Politikerpack gehört in den Knast !!!

Account gelöscht!

18.07.2011, 12:05 Uhr

Wie sinnhaft erscheint der Vergleich zweier taumelnder, torkelnder Währungen? Beide stürzen gleichermaßen in den Abgrund. Der relative Status zueinander ist damit irrelevant. Wirklich aussagekräftig ist die Relation zu echtem Geld:
Allzeithoch beim Gold in fast allen Papiergeldwährungen.
Die Schuldenmisere in Europa wird von den Angelsachsen gern genutzt, um vom eigenen Saustall abzulenken. Ganz USA ist so pleite wie Griechenland. Das Drama in Washington um die Anhebung der Schuldenobergrenze ist ein schönes wiederkehrendes Schauspiel: In knapp 90 Jahren wurde die Schuldenobergrenze gut 90 mal angehoben, Tendenz steigend.
Ein Säufer, der seinen Alkoholkonsum von Zeit zu Zeit an seine Realitäten anpasst.

Account gelöscht!

18.07.2011, 12:35 Uhr

1,40 ist doch besser als 1,50. unser export brummt, die wirtschaft und die menschen in deutschland profitieren davon gleichermaßen.
ich versteh immer nicht, was die leute gegen einen (relativ) schwachen eur/usd haben.

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