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14.01.2015

10:07 Uhr

Schweiz und der Euro

Für immer 1,20 Franken je Euro?

VonHolger Alich

Sie klebt und klebt und klebt – die Schweizer Währung schafft es kaum mehr, sich von der Kurs-Grenze von 1,20 Franken je Euro zu lösen. Nun ist eine Debatte über den Sinn dieser Koppelung an den Euro entbrannt.

Die Schweizer Flagge: Zwischen den Eidgenossen ist ein Streit über die feste Kurz-Grenze des Franken entbrannt. dpa

Die Schweizer Flagge: Zwischen den Eidgenossen ist ein Streit über die feste Kurz-Grenze des Franken entbrannt.

ZürichEigentlich könnten die Schweizer zufrieden sein: Die Wirtschaft wächst, die Arbeitslosigkeit ist mit gut drei Prozent kein großes Thema – und die Schweizerische Nationalbank (SNB) schafft es bisher, den Franken nicht über die von ihr proklamierte Kurs-Grenze von 1,20 Franken je Euro aufwerten zu lassen. Damit hat sie quasi der Schweizer Exportindustrie einen Schutzschirm aufgespannt. Denn rund 60 Prozent der Schweizer Exporte werden in Europa verkauft.

Seit mehr als drei Jahren schon verteidigt die Notenbank diese Kursgrenze. Das lässt aber die Bilanz der Notenbank immer größer werden. Die Devisen-Reserven sind mittlerweile auf 500 Milliarden Franken angeschwollen. Da die Notenbank ihre Euro-Käufe in einem zweiten Schritt in Anleihen und Aktien investiert und diese Anlagen über andere Währungen wie dem Dollar streut, verdiente sie 2014 mit den gigantischen Devisenreserven die Rekordsumme von 38 Milliarden Franken.

Die Sache wird den Schweizern nun langsam mulmig. Denn durch die aufgeblähte Bilanz könnte die Notenbank auch einmal genauso gut abgrundtiefe Verluste einfahren. Schon kleinste Änderungen von Dollar- oder Anleihen-Kursen schlagen sich in riesigen Summen in den Gewinnzahlen nieder. Der in der Schweiz einflussreiche Ökonom Ernst Baltensperger hat daher nun in der „NZZ am Sonntag“ eine neue Debatte um die Kursgrenze entfacht.

Sein Vorschlag: Statt allein an den schwächelnden Euro, solle die Schweizer Notenbank den Franken an einen Währungskorb aus Dollar und Franken anbinden. Dies, so Baltensperber, würde der Schweizerischen Nationalbank ermöglichen, die Euro-Fixierung zu lockern, „ohne den Franken international übermäßig attraktiv zu machen.

Der Euro im Vergleich zu anderen Währungen 2014

Dollar

-11,47 Prozent

Der Euro hat gegenüber dem Dollar deutlich an Boden verloren. Die Wirtschaft der USA brummt und hängt die Konjunktur der Euro-Zone deutlich ab.

Yen

+ 1,26 Prozent

Gegenüber dem Yen hat der Euro zugelegt. Die Bank of Japan flutet den Markt derzeit mit Geld, um die eigene Währung zu schwächen und die Wirtschaft anzukurbeln.

Pfund

- 5,77 Prozent

Brasilianischer Real

- 0,09 Prozent

Australischer Dollar

- 3,44 Prozent

Kanadischer Dollar

- 3,33 Prozent

Norwegische Krone

+ 8,94 Prozent

Schwedische Krone

+ 7,18 Prozent

Schweizer Franken

- 1,95 Prozent

Türkische Lira

- 4,2 Prozent

Rubel

+ 49,47 Prozent

Quelle: Bloomberg

Baltenspergers Wort hat Gewicht: Der emeritierte Wirtschaftsprofessor war einst Doktor-Vater von Thomas Jordan. Und der ist heute Präsident der Schweizerischen Nationalbank. Jordan und die SNB haben sich bisher nicht öffentlich zu dem Vorschlag geäußert. Doch dieser löste in den Medien eine breite Debatte darüber aus, ob die SNB mit ihrer Kursgrenze von 1,20 Franken je Euro noch auf dem richtigen Weg ist.

Kommentare (12)

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Herr Tom Schmidt

14.01.2015, 11:28 Uhr

Was ist jetzt das Problem an großen Devisenreserven? die können in der Bilanz schwanken, das ist richtig. Aber ist das wirklich ein Problem?

Draghi will den Euro ja abwerten, die Schweizer wollen den Franken aber erhalten, eine reine Bindung an den Euro ist daher ja nicht das Ziel der Schweizer.

G. Nampf

14.01.2015, 11:39 Uhr

@Tom Schmidt

Da das ganze Geld ohnehin nur in der Phantasie der Notenbankster existiert, ist es egal ob Gewinne oder Verluste erzielt werden bzw. ob es überhaupt da ist oder nicht.

Die ganzen Überlegungen sind also nur Beschäftigungstherapie für ansonsten vollkommen überflüssige Leute.

Herr Moritz J. Mueller

14.01.2015, 11:49 Uhr

Schauen wir uns doch die Entwicklung in den USA der letzten Jahre an. Die FED hat riesige Summen in den Kreislauf, auch durch den Kauf Amerikanischer Staatsanleihen, gepumpt und letztendlich damit tatsächlich ein wenig Wachstum generiert. Dies hat natürlich auch die Börse in den USA beflügelt wo inzwischen die meisten Titel überbewertet sind. Dieser aber zu welchem Preis? Zum Preis eines sich exponentiell vergrößernden Schuldenbergs. Japan war der Vorreiter und da kann man sehen wo dies hin führt.
Europa hingt da nur etwas hinterher und so wird Draghi wohl oder übel, nur um die schmerzlichen Auswirkungen eines nicht Intervenierens zu verhindern, den gleichen Weg einschlagen.
Auch hier werden die mittelfristigen Auswirkungen die gleichen sein. Leichter Aufschwung und steigende Aktienkurse. So wird auch der Euro gegenüber dem Dollar dann wieder etwas zulegen.
Aber auch hier zu dem Preis exponentiell zunehmender Schulden.
Der “final Coundown” wird auch hier nur etwas verschoben.
Zur Schweiz ist zu sagen dass sie noch von dieser zukünftigen Entwicklung profitieren kann.
Sie wird aber an einem Punkt kommen wo dies nicht mehr möglich sein wird, will sie ihre eigenen Währung nicht völlig verwässern.
Dies werden auch weltweite Spekulanten erkennen und zum richtigen Zeitpunkt auf den Schweizer Franken und gegen den Euro spekulieren. Spätesten dann koppelt sich der Franken vom Euro wieder ab.

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