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12.08.2015

06:24 Uhr

Schweizer Franken

Stärke, lass nach!

VonFrank Wiebe

Der Franken erholt sich von seinem krisenbedingten Höhenflug. Das freut vor allem die Exporteure. Doch Experten glauben, dass die Schweizer Nationalbank mit kleineren Eingriffen in den Devisenmarkt nachgeholfen hat.

Als der Frankenkurs durch die Decke ging, stöhnten die Schweizer Exporteure. dpa

Euro und Schweizer Franken

Als der Frankenkurs durch die Decke ging, stöhnten die Schweizer Exporteure.

New YorkWer eine Festung stürmt, will normalerweise deren Reichtum rauben. Und die Verteidiger versuchen, das zu verhindern. Bei der Schweiz ist es umgekehrt. Sobald die Furcht vor einem Zerbrechen der Euro-Zone aufflammt, stürmen die Anleger die Schweiz, um ihr Geld dorthin zu bringen. Aber auch in dem Fall versuchen die Verteidiger, das zu verhindern. Das Land hatte monatelang ein Problem, um das man es eigentlich beneiden müsste: zu viel Geld im Land und eine zu wertvolle Währung.

Seit Ende Mai hat der Franken gegenüber den Währungen der Handelspartner der Schweiz aber wieder mehr als vier Prozent an Wert verloren, schreibt der Analyst Vasileios Gkionakis von Unicredit. Und das ist auch gut so. Denn die Schweizer Exporteure gerieten ins Hintertreffen gegenüber billigeren Konkurrenten und litten unter Währungskursverlusten.

Die Schweizer Nationalbank verbuchte rund 50 Milliarden an Kursverlusten aus ihren hohen Devisenbeständen. Sie hatte bis Mitte Januar vergeblich versucht, eine weitere Aufwertung des Franken zu verhindern und dabei Milliarden an Devisen gekauft – bevor sie kapitulierte und den Kurs überraschend laufen ließ, was zu einem Höhenflug der eigenen Währung führte.

Marc Chandler von der US-Bank BBH nennt zwei Gründe für die jüngste Kurskorrektur. Der erste ist „das Abflauen der existenziellen Krise in Europa, nachdem die Syriza-Regierung in Griechenland vor nahezu allen Forderungen der Gläubiger kapituliert hat“. In der Situation sei der Franken „ein Hafen“ für die Investoren gewesen.

Der Euro im Vergleich zu anderen Währungen 2014

Dollar

-11,47 Prozent

Der Euro hat gegenüber dem Dollar deutlich an Boden verloren. Die Wirtschaft der USA brummt und hängt die Konjunktur der Euro-Zone deutlich ab.

Yen

+ 1,26 Prozent

Gegenüber dem Yen hat der Euro zugelegt. Die Bank of Japan flutet den Markt derzeit mit Geld, um die eigene Währung zu schwächen und die Wirtschaft anzukurbeln.

Pfund

- 5,77 Prozent

Brasilianischer Real

- 0,09 Prozent

Australischer Dollar

- 3,44 Prozent

Kanadischer Dollar

- 3,33 Prozent

Norwegische Krone

+ 8,94 Prozent

Schwedische Krone

+ 7,18 Prozent

Schweizer Franken

- 1,95 Prozent

Türkische Lira

- 4,2 Prozent

Rubel

+ 49,47 Prozent

Quelle: Bloomberg

Als zweiten Grund nennt er Spekulationen über ein Eingreifen der Nationalbank in den Markt. Er glaubt zwar, dass sie tatsächlich „allenfalls geringfügig“ interveniert hat, aber die Spekulation allein bewegt ja auch schon die Kurse.

Gkionakis von Unicredit schreibt ähnlich: „Die Überbewertung des Schweizer Franken hat im zweiten Quartal 2015 ein extremes Maß erreicht, und der Markt korrigiert diese Fehleinschätzung jetzt.“ Er glaubt durchaus, dass die Schweizer Nationalbank mit kleineren Eingriffen in den Devisenmarkt nachgeholfen hat. Und weil die Schweiz deflationären Druck, also tendenziell fallende Preise spürt, erwarten die Investoren offenbar, dass die Notenbank auch weiterhin den Höhenflug ihrer Währung zu bremsen sucht.

Laut Unicredit hat der Euro seit Ende Mai gegenüber dem Franken sogar um rund fünf Prozent zugelegt. In den letzten 15 Jahren hat die Schweizer Währung gegenüber anderen wichtigen Devisen im Mittel nur um etwa 2,6 Prozent geschwankt – das zeigt, wie ungewöhnlich die Verschiebungen in letzter Zeit waren.

Der Euro war gegenüber dem Franken nach Schätzung von Gkionakis zuvor zeitweise um 15 Prozent unterbewertet. Das Missverhältnis zwischen beiden Währungen habe sich etwas reduziert, sei aber nach wie vor groß, schreibt er. Weil die Zinsen in der Schweiz negativ sind und der Aktienmarkt schwächelt, ist aus seiner Sicht das Land zurzeit für Investoren – auch für die einheimischen – relativ unattraktiv.

Schweizer Aktien haben in den vergangenen zwölf Monaten mehr als zehn Prozent schlechter abgeschnitten als die Papiere im Euro-Raum. Der Unicredit-Analyst glaubt daher, dass selbst bei einem erneuten Aufflammen der Euro-Krise kein erneuter starker Ansturm auf die Schweiz folgen wird.

Kommentare (3)

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Herr Renatus Isenberg

12.08.2015, 08:23 Uhr

Vor der Befreiung des Frankens musste die SNB hunderte Millionen Euro kaufen, um einigermassen den Ansturm auf den Franken zu bewältigen. Jetzt sorgt man sich um 50 Millionen? Scheint ein Jammern auf hohem Niveau. Die von den USA mit betriebene Abwertung des Euro wird weiter gehen. Griechenland war erst der Anfang. Durch die Injektionen an Krediten in Euroland Sud werden die Kreditgeben aus USA beste Geschäfte machen. Das drückt den Euro, solange die Verschuldung zunimmt und eine Änderung ist nicht geplant. Täte mich sehr wundern, wenn die sonst so schlaue Schweizer Geldpolitik sich dem Euro widerstandslos anpasst.

Herr Kurt Lehmann

12.08.2015, 09:22 Uhr

Es wäre blauäugig zu glauben, die momentane "Frankenschwäche" sei auf das bevorstehende Zustandekommen des sogenannten (mittlerweile 3.!!) Hilfspakets für Griechenland zurückzuführen. Vielmehr dürfte da eine weitere der zahllosen Stützungsaktionen der Schweizerischen Nationalbank ihre Wirkung getan haben. Bekanntlich hat diese Zentralbank einen Löwenanteil der Devisenreserven des Landes auf Druck der Exportwirtschaft und des Tourismus-Sektors (gezwungenermassen) in der Quasi-Ramsch-Einheitswährung Euro verlocht, die in der heutigen Zusammensetzung keine 60 Rappen wert sein dürfte! Die Deutschen scheren sich einen Deut darum, dass sie mit ihrer Weigerung, die Einheitswährung auf eine realistische Basis zu stellen (Entfernung Frankreichs, Italiens, Spaniens und Griechenlands aus dem Euro und nur Länder dort zu belassen, die ein ausreichendes Steuersubstrat und ein vertretbares Mass an Korruption und mafiösen Strukturen aufweisen) gleich auch noch den Rest Europas tief in den Schlamassel reiten. Und wie sie sich anschicken, sich mittels zu errichtender treuhandähnlichen Gebilden, die Rosinen (Flughäfen etc.) zum Schnappchenpreis unter den Nagel zu reissen, empfindet der Nicht-EU-Bürger als ziemlich widerlich und wird damit an ungute Zeiten erinnert!

Herr Carl Andersen

12.08.2015, 11:20 Uhr

Ich bin ein Experte auf allen Gebieten und bin breit aufgestellt.
Deshalb kann ich es sehr gut beurteilen was die Schweizer da veranstalten.

Das ist ihr gutes Recht, würde jeder so machen. hat Deutschland mit der DM auch immer so gemacht. Um so weiter man von dem betreffenden Land weg wohnt, umso weniger belastetet einen. Man kann ja auch ein Dollarkonto eröffnen und nur mit Kreditkarte bezahlen.

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