Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.03.2012

13:26 Uhr

Schweizer Notenbank

Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken bleibt fix

Die Schweizer Notenbank kämpft weiter gegen eine Aufwertung der Landeswährung und behält die im September eingeführte Kursuntergrenze unverändert bei. Auch ihre Niedrigzinspolitik setzen die Währungshüter fort.

Die Schweizer Landesfahne weht am Großen Aletschgletscher. ZB

Die Schweizer Landesfahne weht am Großen Aletschgletscher.

ZürichTrotz der Forschritte in der europäischen Schuldenkrise hält die Schweizer Notenbank an ihrem Kampf gegen eine Franken-Aufwertung fest. Für ein Rütteln an der im September eingeführten Kursuntergrenze von 1,20 Franken pro Euro sehen die Währungshüter noch keinen Anlass. „Es ist ungewiss, ob die Fortschritte bei der Bewältigung der europäischen Schuldenkrise eine dauerhafte Entspannung der Lage bewirken werden“, erklärte die Schweizerische Nationalbank (SNB) am Donnerstag in ihrer vierteljährlichen Lagebeurteilung.

Die Krise löste im vergangenen Jahr eine Flucht in den Franken aus und der Kurs des Euro sackte vorübergehend fast bis auf einen Franken ab. Sozialdemokraten, Grüne und Gewerkschaften fordern eine Anhebung des Mindestkurses. Ein höherer Euro-Kurs würde der Schweizer Wirtschaft höhere Export-Einnahmen bescheren. Zudem würden für ausländische Touristen Reisen in die Schweiz in Euro gerechnet billiger. Für die SNB könnte das aber bedeuten, dass sie in großem Umfang Euro am Devisenmarkt kaufen müsste und so ein Verlustrisiko einginge.

Der bisherige Euro-Mindestkurs hat sich nach Einschätzung der SNB bewährt. Die Schweizer Wirtschaft habe sich stabilisiert. Ein Wirtschaftswachstum von etwa ein Prozent sei machbar. Das wäre praktisch doppelt so viel, wie die SNB bisher angenommen hat. Die Regierung hob ebenfalls am Donnerstag ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr an. Sie rechnet nun mit einem Plus von 0,8 Prozent statt den bislang prognostizierten 0,5 Prozent. 2011 war die Schweizer Wirtschaft noch um 1,9 Prozent gewachsen nach 2,7 Prozent im Jahr davor.

Das Zinsziel bleibt unverändert. Das Band für den Dreimonats-Libor ließ die SNB bei 0,0 bis 0,25 Prozent. Allerdings verzichtete sie dieses Mal auf den Hinweis, dass ein Wert nahe Null angestrebt werde. Die Notenbank betonte aber, dass sie die Liquidität am Geldmarkt weiterhin außerordentlich hoch halten werde. Zuletzt stand der Dreimonats-Libor bei 0,0975 Prozent.

Inflationsprobleme befürchtet die SNB in absehbarer Zukunft nicht. Die Frankenstärke im vergangenen Sommer habe die Preisentwicklung deutlicher gedämpft als erwartet. Die SNB rechnet für dieses Jahr damit, dass die Preise um 0,6 Prozent sinken. Im nächsten Jahr dürften die Verbraucherpreise wieder um 0,3 Prozent steigen. Für 2014 erwartet sie eine Teuerungsrate von 0,6 Prozent.

Die Gefahr einer Deflation - also einer Spirale aus sinkenden Preisen und Verbraucherzurückhaltung - schloss die SNB allerdings nicht aus. Sollte sich die globale Konjunktur schlechter als erwartet entwickeln oder der Franken sich nicht abschwächen, „könnten erneut Abwärtsrisiken für die Preisstabilität auftreten“, erklärte die Notenbank. Für diesen Fall „steht die Nationalbank bereit, jederzeit weitere Maßnahmen zu ergreifen“.

Der Euro, der am Wochenanfang mit Kursen um 1,2050 Franken knapp über der SNB-Zielmarke gehandelt wurde, zog zur Wochenmitte bis auf 1,2130 Franken an. Zuletzt notierte die Einheitswährung knapp über 1,21 Franken.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×