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07.06.2012

14:15 Uhr

Schweizer Notenbank

Milliarden gegen Franken-Aufwertung

Die Schweizer Notenbank stemmt sich mit Devisenkäufen in Milliardenhöhe gegen die Aufwertung des Schweizer Frankens.

Die Schweizer Fahne weht an einem Schiff auf dem Brienzer See bei Interlaken. dpa

Die Schweizer Fahne weht an einem Schiff auf dem Brienzer See bei Interlaken.

ZürichDie Reserven an Fremdwährung stiegen im Mai nach Angaben der Schweizerischen Nationalbank vom Donnerstag um 66,2 Milliarden auf umgerechnet 303,77 Milliarden Franken. Die Zunahme sei weitgehend auf die Durchsetzung des Euro-Mindestkurses zurückzuführen, den die SNB im September gegen die Aufwertung des Frankens zum Euro eingeführt hatte, sagte ein SNB-Sprecher.

Seit Beginn der europäische Schuldenkrise drängen internationale Anleger in die als sicheren Hafen geltende Schweiz. Die damit verbundene Aufwertung des Frankens verteuerte Schweizer Güter im Ausland. Die exportabhängige Schweizer Wirtschaft geriet in Bedrängnis und es drohte Gefahr für die Arbeitsplätze.

Als der Euro im vergangenen Sommer bis auf fast einen Franken fiel, setzten die Währungshüter für die Einheitswährung einen Mindestkurs von 1,20 Franken fest. Seitdem kauft die SNB nach eigenem Bekunden unbeschränkt Devisen, wann immer der Euro unter die Marke von 1,20 zu fallen droht.

Wie Anleger in den Devisenmarkt investieren können

Zertifikate

Über Zertifikate können Kleinanleger auf die Entwicklung ganz verschiedener Währungspaare wetten. Besonders beliebt ist das Verhältnis Euro zu Dollar. Je nach Art des Zertifikats steigt das Risiko. Während es bei Zinszertifikaten vergleichsweise begrenzt ist, spielen die Anleger mit verschiedenen Hebelprodukten wie den sogenannten Knock-Outs alles oder nichts. Sollte der Basiswert, also der Devisenkurs, während der Laufzeit die festgelegte Knock-Out-Schwelle durchbrechen, ist die Wette verloren. Geht der Plan auf, winkt wegen der Hebelwirkung des Zertifikats der große Gewinn.

Optionen

Optionen ermöglichen mit geringem Einsatz hohe Gewinne - bei gleichzeitig hohem Risiko. Wer eine Option kauft, geht ein Termingeschäft ein. Der Käufer erwirbt das Recht, eine Währung zu einem festen Kurs und innerhalb einer festgelegten Frist einzutauschen. Der Reiz daran ist, dass er für die Option nur einen Bruchteil des eigentlichen Wertes bezahlen muss, gewissermaßen als Pfand. Durch den kleinen Einsatz ist eine extreme Hebelwirkung möglich. Optionsgeschäfte sind im Devisenhandel weit verbreitet. Im Internet bieten Broker diese Wetten auch für Privatanleger an. Die Angebote unterscheiden sich deutlich bei Gebühren, dem maximal möglichen Hebel oder der Differenz zwischen An- und Verkaufskursen. Unerfahrene Anleger sollten lieber die Finger davon lassen.

Direkthandel

Den direkten Zugang zur großen, weiten Welt der Währungen bieten Online-Plattformen wie Alpari oder Forex Capital Markets (FXCM). Nach vorsichtigen Schätzungen liegt die Zahl der Nutzer in Deutschland zwischen 50.000 und 70.000. Der Handel funktioniert in erster Linie über Hebelprodukte, mit denen man schon auf winzige Änderungen bei der vierten oder fünften Nachkommastelle wetten kann. Die Zugangsschwelle für Privatanleger ist niedrig, weil die Transaktionskosten sehr gering sind. Wer 10.000 Dollar kauft, zahlt bei manchen Brokern gerade mal zwei Dollar Gebühr.

Währungskonten

Einige Banken bieten ihren Kunden sogenannte Währungsanlagekonten an. Das Prinzip ist einfach. Der Anleger verschiebt eine Summe X auf sein Währungskonto - ähnlich wie bei einem Tagesgeldkonto, nur in einer anderen Währung. Wechselt er sein Geld etwa in Franken, bleibt es geschützt, falls der Euro gegenüber der Schweizer Währung fallen sollte. Neben der möglichen Aussicht auf Wechselkursgewinne lockt bei manchen Angeboten zusätzlich ein fester Zins.

Devisenfonds

Erst seit 2004 dürfen Fondsgesellschaften Währungsgeschäfte nicht nur zur Kurssicherung, sondern auch als eigenes Anlageprodukt anbieten. Bei den Fonds unterscheidet man aktive und passive. Aktiv heißt, dass ein Manager den Devisenfonds verwaltet. Er investiert in Geldmarktpapiere - das sind kurz laufende Anleihen - unterschiedlicher Währungen oder schließt Devisentermingeschäfte ab. Die passive Variante funktioniert über börsengehandelte Indexfonds, sogenannte Exchange Traded Funds (ETF). Hier profitiert der Anleger von der Entwicklung eines bestimmten Währungskorbs. ETFs kosten weniger Gebühren, können aber nicht auf überraschende Veränderungen reagieren. Auf dem deutschen Markt stehen rund 60 Devisenfonds zur Auswahl.

Aktien/Anleihen

Um indirekt von Währungseffekten zu profitieren, können Anleger auch Aktien oder Anleihen aus anderen Ländern kaufen. Neben möglichen Kursgewinnen winken Wechselkursgewinne, vorausgesetzt natürlich der Euro verliert zur jeweiligen Fremdwährung weiter an Wert.

Im Mai, als die Unsicherheiten wegen Griechenland und Spanien immer größer wurden, waren es mehr als je zuvor. Der Anstieg der Devisenreserven ist der größte seit September. Möglicherweise hat die SNB noch stärker interveniert als die neuesten Zahlen zeigen. Sie wurden nach Regeln des Internationalen Währungsfonds (IWF) zusammengestellt, die beispielsweise Devisen-Termingeschäfte nicht berücksichtigen, die die SNB häufig einsetzt.

Die Politik der SNB ist nicht unumstritten. Kritiker in der rechtsnationalen Schweizerischen Volkspartei (SVP) werfen der SNB vor, die Zentralbank und die Schweizer Wirtschaft hätten sich mit der Einführung der Euro-Grenze von der Entwicklung in der Euro-Zone abhängig gemacht. Der Mindestkurs werde sich auf Dauer ohnehin nicht gegen die Kräfte des Devisenmarktes verteidigen lassen und am Ende werde es zu großen und plötzlichen Verwerfungen im Währungsgefüge mit riesigen Verlusten für die SNB kommen. In die gleiche Richtung argumentiert auch der frühere Chef der Großbank UBS, Oswald Grübel. "Je länger wir daran festhalten, umso höher wird der Preis sein, den wir alle dafür bezahlen", schrieb er kürzlich in einem Zeitungsbeitrag.

Kommentare (5)

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07.06.2012, 23:47 Uhr

Außenpolitik

Jeder in seinem Bereich

bjarki

08.06.2012, 10:30 Uhr

...die Schweizer Banken sind auch nicht mehr was sie waren. Jungjuppies aller Orten machen eine historische Fehlentscheidung nach der anderen, versuchen nun auf laecherliche Art und Weise den Franken niedrig zu kaufen. Quo vadis Schweiz...

Werner

08.06.2012, 10:47 Uhr

Dabei wäre es so einfach für die Schweizer: Für jeden Franken der für den Kauf von Dollar, Euro oder Pesos ausgegeben werden muss, zwei weitere drucken, die an die Bevölkerung verteilt werden: Z.B. an öffentliche Kassen, den ÖV, an Krankenkassen oder Aufstockung der RV Beiträge.
Der Franken würde gezwungenermassen abwerten, der Wohlstand der Bevölkerung mindestens erhalten bleiben.

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