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14.02.2014

10:06 Uhr

Schwellenländer-Währungen

Spekulanten „riechen Blut“

Schwellenländer stemmen sich gegen den Absturz ihrer Währungen. Doch Spekulanten lassen nicht locker. Daten vom Terminmarkt zeigen, auf wen es die Märkte abgesehen haben. Ein Teufelskreis droht.

Die türkische Lira hat in den vergangenen Monaten rund 20 Prozent an Wert verloren. Reuters

Die türkische Lira hat in den vergangenen Monaten rund 20 Prozent an Wert verloren.

New YorkDie Schwellenländer haben mit dem schlimmsten Absturz ihrer Währungen seit 2008 zu kämpfen. Um ihre Währungen zu stützen, greifen die jeweiligen Notenbanken auf Währungsreserven zurück. Doch damit machen sie sich erst Recht angreifbar. Spekulanten attackieren besonders jene Länder, deren Reserven schnell dahin schmelzen.

Ein Blick auf den Handel mit Optionen am Terminmarkt zeigt, dass Händler am stärksten beim argentinischen Peso, der türkischen Lira, der indonesischen Rupiah und dem südafrikanischen Rand auf Abwertung wetten. Für die ukrainische Hrywnja signalisiert der Terminmarkt einen Kursverlust von 20 Prozent innerhalb eines Jahres. Diese Länder haben gemeinsam, dass sie nur über geringe Währungsreserven verfügen oder bereits einen großen Teil davon ausgegeben haben.

„Wenn man so schnell seine Devisenreserven verbrät, dann ist das bedrohlich, und natürlich riecht der Devisenmarkt dann Blut“, sagte Robbert Van Batenburg, Direktor Marktstrategie bei der Handelsfirma Newedge Group in New York. „Das führt dann zu diesem Dominoeffekt.“

Von Argentinien bis zur Türkei sind Schwellenländer derzeit in Bedrängnis. Seit die US-Notenbank ihre monetären Stimuli zurückfährt und berichtet wurde, dass sich die chinesische Konjunktur abkühlt, haben die Sorgen um die Stärke der Schwellenländer-Volkswirtschaften zugenommen.

Währungsturbulenzen in Schwellenländern

Türkei

Mit einer drastischen Zinserhöhung hat sich die türkische Notenbank gegen den Kursverfall der heimischen Währung Lira gestemmt. Der Satz, zu dem sich die Banken über Nacht Geld bei der Zentralbank leihen können, wurde am Dienstagabend von 7,75 auf 12,0 Prozent angehoben. Der eigentliche Leitzins wurde auf 10 Prozent angehoben von zuvor 4,5 Prozent. Damit soll der Abfluss an ausländischem Kapital gestoppt werden, der die Lira auf ein Rekordtief zum Dollar gedrückt hatte.

Südafrika

Die Zentralbank hob ihren Leitzins wenige Stunden nach der türkischen Entscheidung überraschend auf 5,50 Prozent an, nachdem er lange Zeit auf dem 40-Jahres-Tief von 5,0 Prozent verharrt hatte. An den Märkten wird davon ausgegangen, dass er in den kommenden Monaten weiter steigen wird. „Wir werden die Entwicklung genau verfolgen und nicht zögern zu handeln, sollte dies erforderlich sein", sagte Notenbankchefin Gill Marcus. Der Rand war zuletzt so billig wie seit über fünf Jahren nicht mehr. Höhere Zinsen könnten aber der erlahmenden Konjunktur weiter zusetzen.

Brasilien

Die Notenbank hat ihren Leitzins seit April 2013 bereits von 7,25 auf aktuell 10,0 Prozent angehoben. Der jüngste Schritt folgte in diesem Monat, als es von 9,5 Prozent nach oben ging. Die Zentralbank signalisierte dabei aber, das Tempo nun etwas zu drosseln. Mit höheren Zinsen soll die Inflation in Schach gehalten werden. Die Teuerungsrate liegt derzeit bei 5,7 Prozent.

Indonesien

Keine andere asiatische Währung ist 2013 auf so steile Talfahrt gegangen wie die Rupie: Sie büßte ein Fünftel ihres Wertes im Vergleich zum Dollar ein. Das macht Importe teurer, was die Inflation ebenso nach oben zu treiben droht wie das Handelsdefizit. Zu Jahresbeginn hielt die Zentralbank ihren Leitzins unverändert bei 7,50 Prozent. Sie versprach aber, "wachsam" zu bleiben, was den Märkten die Bereitschaft zu Zinserhöhungen signalisiert.

Indien

Die indische Zentralbank hob erst in dieser Woche ihren Leitzins überraschend von 7,75 auf 8,0 Prozent an. Eine weitere Erhöhung ist vorerst nicht geplant. Grund für den Schritt sind kräftig steigende Preise. Höhere Zinsen machen Kredite teurer, was die Nachfrage und damit den Preisauftrieb dämpfen kann. Vom Inflationsziel sei Indien derzeit "sehr weit entfernt", sagte Notenbankchef Raghuram Rajan. Zuletzt lag die Teuerungsrate bei 9,87 Prozent. Die Zentralbank will sie bis Januar 2015 auf acht Prozent und ein Jahr später auf sechs Prozent drücken.

Thailand

In dem von politischen Unruhen erschütterten Land hat die Zentralbank im November die Zinsen gesenkt. Sie schreckte im Januar aber vor einer weiteren Kappung zurück. Als Grund für die Zurückhaltung gilt die Furcht, dass die politische Instabilität die Kapitalflucht verstärken könnte.

Ungarn

Notenbankchef György Matolcsy und sein Team haben den Leitzins im Januar auf das Rekordtief von 2,85 Prozent gesenkt. Obwohl die Währungshüter Spielraum für eine weitere Kappung signalisierten, dürften sie laut Experten vom Schwächeanfall des Forint zu einer Zinswende gezwungen werden.

Russland

Der Außenwert der Landeswährung hat dieses Jahr bereits fünf Prozent eingebüßt. Die Notenbank musste schätzungsweise zehn Milliarden Dollar zur Stützung des Rubels aufwenden. Notenbankchefin Elvira Nabiullina ist gewillt, den Kurs notfalls mit allen Mitteln zu stabilisieren. Denn Russland gilt als gebranntes Kind: In der durch massive Kapitalflucht ausgelösten Rubel-Krise von 1998 hatten die Bürger ihre Konten massenweise geräumt.

Mit dem erfolglosen Versuch, ihre Währung zu verteidigen, hat die Türkei seit Juni schon 27 Prozent ihrer Fremdwährungsreserven aufgebraucht. Am Montag verfügte sie nur noch über 34 Milliarden Dollar (25 Milliarden Euro) ohne Einlagen der Geschäftsbanken. Das reicht gerade einmal, um 0,29 Prozent der kurzfristigen Schulden abzudecken, die geringste Quote unter den 14 Schwellenländern, die von Goldman Sachs beobachtet werden. Der Lira-Kurs sackte im Januar auf ein Rekordtief von 2,39 Lira je Dollar ab.

Südafrika verfügt über 46 Milliarden Dollar, was 13 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt entspricht. Nach Angaben der US-Bank braucht das Land 18 Prozent, um sein Handelsdefizit und seine Schulden zu finanzieren. Der Rand fiel unter sein Fünf-Jahres-Tief von 11,3909 Rand je Dollar.

Kommentare (17)

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paule50

14.02.2014, 12:32 Uhr

Wenn man bis heute nicht in der Lage war Spekulationen auf Devisen, Öl und andere "systemrelevante" Werte zu verbieten, darf man sich nicht wundern.

mmnews_de

14.02.2014, 12:52 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

mon_yburns@central.banktunnel.eu

14.02.2014, 13:06 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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