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27.03.2012

14:35 Uhr

Sichere Geldanlage

Das Gold der Türken weckt Begehrlichkeiten

VonGerd Höhler

Die Türken horten immer größere Mengen Gold. Ein Goldschatz von geschätzt 300 Milliarden Dollar liegt nutzlos unter den Matratzen. Die türkische Zentralbank will den Goldschatz nun heben.

Eine türkisches Tanzpaar: Gold ist in der Türkei sehr beliebt. Reuters

Eine türkisches Tanzpaar: Gold ist in der Türkei sehr beliebt.

Die Schätze ruhen in Truhen und Schatullen, sie lagern in Tresoren und Schließfächern. Die Türken horten immer größere Mengen Gold. Das beruhigt das Sicherheitsbedürfnis der Sparer. Volkswirtschaftlich wird der Goldrausch der Türken allerdings zu einem immer größeren Problem. Denn er entzieht dem Wirtschaftskreislauf dringend benötigte Liquidität. Der türkische Zentralbankchef Erdem Basci will deshalb jetzt den Goldschatz heben.

Gold ist in der Türkei überall. Ob zur Hochzeit oder zu Neujahr, zum Geburtstag oder zur Beschneidung: Das Edelmetall ist das beliebteste Geschenk. Das sichert den rund 6.000 türkischen Goldschmuck-Herstellern mit ihren 250.000 Beschäftigten gute Geschäfte. Rund 4.000 Läden gibt es in den verwinkelten Gassen des Großen Basars in Istanbul, über 1.000 davon sind Schmuckgeschäfte, deren Auslagen mit goldenem Geschmeide gefüllt sind.

Die größten Goldnachfrager

Welche Region sind die größten Nachfrager?

Zwischen 1980 und 2010 hat sich die weltweite Gold-Nachfrage von Europa und Nordamerika nach Ostasien und Indien verschoben. 1980 kam aus Nordamerika und Europa noch 68 Prozent der Nachfrage, 2010 waren es noch 27 Prozent. Die Ostasiaten und Inder steigerten sich dagegen von 14 auf 58 Prozent.

Was wird nachgefragt?

Der Großteil der Nachfrage lag 1980 noch im Investmentbereich, Goldschmuck spielte damals eine geringere Rolle. Bis zum Jahr 2000 machten Investments einen immer geringeren Teil der Nachfrage aus, die Bedeutung von Schmuck dagegen stieg. Nach 2000 wandelte sich das Verhältnis wieder. Seitdem machen Investitionen knapp 40 Prozent der Gesamtnachfrage aus.

Wer kauft Goldschmuck?

Die West-Ost-Verlagerung zwischen 1980 und 2010 zeigt sich besonders stark beim Goldschmuck. 1980 kamen lediglich 22 Prozent der Nachfrager aus Indien und Asien, 2010 waren es 66 Prozent.

Wer sind die Gold-Investoren?

Zwischen 2000 und 2010 ist der Anteil der Europäer und Nordamerikaner unter den Investment-Nachfragern von unter zehn auf über 40 Prozent angestiegen.

Woher kommen die Technologie-Nachfrager?

Die Goldnachfrage in der Technologie-Branche wird zunehmend von Ostasien getragen. Sie stieg zwischen 1970 und 2010 von 17 auf 67 Prozent.

Gold schmückt – und es schützt vor der Inflation. „Natürlich habe ich Gold in der Schublade, als Reserve, das macht doch jeder so“ sagt der 20-jährige Murat, der in einem Hotel am Istanbuler Taksimplatz Koffer schleppt. Zumindest im vergangenen Jahr hat sich Murats Anlagestrategie bewährt: Während der Kurs der türkischen Lira gegenüber Dollar und Euro um etwa ein Fünftel zurückging, stieg der Goldpreis, in Lira gerechnet, um 34 Prozent.

Die Türkei lag 2011 beim Goldabsatz weltweit auf Platz vier. Gold im Marktwert von knapp neun Milliarden Dollar lagert in den Tresoren der Kreditinstitute. Aber ein Vielfaches liegt in den Wohnungen der Türken: Rund 5.000 Tonnen im Wert von 290 Milliarden Dollar horten sie, so eine Schätzung der türkischen Goldraffinerie Istanbul Altin Rafinerisi (IAR). Fachleute der Deniz Bank veranschlagen den privaten Goldschatz auf rund 300 Milliarden Dollar. Das wären fast 40 Prozent des türkischen Bruttoinlandsprodukts (BIP).

Traditionell steht Gold bei den Türken hoch im Kurs. Das ist ein Ergebnis jahrzehntelanger Hyperinflation der Lira. Die Zeiten der dreistelligen Inflationsraten sind zwar vorbei, aber die Lira bleibt eine volatile Währung. Aktuell liegt die Teuerungsrate immerhin bei rund zehn Prozent. Auch das spricht aus Sicht vieler Türken für Gold als Wertanalage.

Kommentare (16)

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Account gelöscht!

27.03.2012, 15:52 Uhr

Murat ist ein kluger Mann!

Ich würde mein Gold auch nicht hergeben.

Account gelöscht!

27.03.2012, 16:04 Uhr

Wer Gold hergibt, der hat sie nicht mehr alle! So lange wir keine gedeckten Währungen haben, würde ich keine einzige Unze hergeben.

donolli

27.03.2012, 16:14 Uhr

Schön doof wer sein Gold für Papier her gibt!

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