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03.10.2013

14:08 Uhr

Silk Road

Bitcoin-Marktplatz wird geschlossen

Das US-Justizministerium hat die Handelsplattform „Silk Road“ geschlossen. Dort sollen Drogen, Falschgeld und Hacker-Dienste gehandelt worden sein. Abgewickelt wurden die Zahlungen mit Bitcoins.

Für Bitcoins dürfte die Schließung der Plattform kaum Folgen haben. AFP

Für Bitcoins dürfte die Schließung der Plattform kaum Folgen haben.

San FranciscoDas eBay für den Schwarzmarkt gehört der Geschichte an. Das US-Justizministerium hat die Handelsplattform „Silk Road“ geschlossen und seinen mutmaßlichen Betreiber angeklagt. Der im Jahr 2011 entstandene Online-Marktplatz war dafür bekannt, den Handel mit illegalen Waren und Dienstleistungen zu erleichtern - wie Drogen, Falschgeld und Hacker-Dienste. Die Zahlungen wurden in der virtuellen Währung Bitcoin abgewickelt.

Es kommt wohl nicht von ungefähr, dass der Bitcoin-Preis am Mittwoch gegen 21 Uhr MESZ auf etwa 119 Dollar gefallen ist. Zum Vergleich: Ende September kostete ein Bitcoin noch 145 Dollar.

Etwa 600.000 Bitcoins im Wert von 1,2 Milliarden Dollar flossen über die Plattform „Silk Road”, die von den Klägern als „ausgefeiltester und umfassendster Marktplatz für Kriminelle im Internet” bezeichnet wurde. Das FBI beschlagnahmte 26.000 Bitcoins, deren Wert sich auf etwa 3,6 Millionen Dollar beläuft - laut Ermittlungsbehörden die größte Bitcoin-Ausbeute in der Geschichte.

Mit Bitcoins zahlen – so funktioniert es

1. Konto eröffnen

Zunächst lädt der Nutzer den Bitcoin-Client aus dem Netz und installiert ihn auf seinem Computer. Persönliche Angaben müssen nicht gemacht werden. Beim ersten Öffnen lädt die Software die gemeinsame Datenbank des Netzwerks herunter – ein Verzeichnis aller Zahlungen im Bitcoin-Netzwerk. Die Datenbank stellt sicher, dass niemand Falschgeld überweisen kann: Sie weist jeden Bitcoin einer Bitcoin-Adresse zu und damit einem Nutzer. Die eigene Bitcoin-Adresse, einen kryptischen Buchstabencode, bekommt der Nutzer automatisch mit dem Installieren der Software. Außerdem speichert die Software eine Datei namens wallet.dat auf dem Computer. Sie enthält kryptografische Schlüssel, mit denen der Nutzer gegenüber dem Bitcoin-Netzwerk ausweist, dass ihm die entsprechende Bitcoin-Adresse gehört.

2. An Bitcoins gelangen

Börsenhandel: Diverse Internetseiten bieten Bitcoins gegen Euro oder andere Währungen an. Dazu muss sich der Nutzer einmalig registrieren und den Geldbetrag etwa per Banküberweisung oder Zahlsysteme wie Dwolla an die Börse senden. Wie an einer Aktienbörse lassen sich dann Bitcoin-Kauforder platzieren. Eine Order, die über dem aktuellen Preisangebot an der Börse liegt, wird sofort erfüllt. Die Börse schickt die Bitcoins schließlich an die Bitcoin-Adresse des Nutzers. Die Börse ist auch der Ort, um Bitcoins wieder in Euro umzuwandeln. 

Bitcoins schürfen: Bitcoin-Nutzer können auch selbst neue Bitcoins errechnen. Dieses sogenannte Mining erfordert leistungsstarke Computer und ist Computer-Laien nicht zu empfehlen.

Bargeld-Eintausch: Privatpersonen bieten Bitcoins gegen Bargeld – Wohnort und Telefonnummern oder E-Mailadressen der Bitcoin-Händler sind auf der Seite Bitcoin local gelistet.

3. Mit Bitcoins bezahlen

Hat jemand Bitcoins an der Börse erworben, so ist die entsprechende Summe in seinem Bitcoin-Client aufgeführt. Um nun einen Geldbetrag zu überweisen, reicht die Angabe der Summe und der Adresse des Empfängers in der Software. Nach etwa zehn Minuten ist das Geld beim Empfänger angekommen. Eine Liste der Geschäfte, die Bitcoin akzeptieren, gibt es hier.

4. Sicherheit

Um dem Verlust der virtuellen Bitcoin-Geldbörse etwa durch Beschädigung der Festplatte vorzubeugen, sollte die wallet.dat-Datei kopiert werden - zum Beispiel auf einen USB-Stick. Da sich Hacker über das Internet Zugriff auf den Computer verschaffen und die Datei stehlen können, sollte sie zudem mit Hilfe eines speziellen Programms verschlüsselt werde. Eine Anleitung dazu gibt es hier.

5. Bitcoins fürs Handy

Wer häufiger mobil ins Internet geht, kann sich inzwischen auch Android-Apps herunterladen. Sie machen das Handy zur Bitcoin-Geldbörse. Zum Bezahlen generiert die Software des Empfängers eine Rechnung in Form eines QR-Codes. Sobald der Sender diesen Code mit der Handykamera einscannt, verschickt die Software via Internet das Geld zur Bitcoin-Adresse des Empfängers. Vorsicht: Die Programme sind noch in der Entwicklung und können fehlerhaft sein. Darum sollten sie allenfalls zur Übertragung kleiner Geldsummen genutzt werden. Für das iPhone gibt es bisher noch keine Bezahl-Apps, aber Programme wie Bitcoin App, die aktuelle Kursverläufe darstellen.

Der 29-jährige Ross William Ulbricht wurde am Dienstag in San Francisco verhaftet. Er soll der Betreiber von „Silk Road” sein, dort bekannt unter dem Pseudonym „Dread Pirate Roberts”. Ihm wird Verschwörung zum Drogenhandel, zum Hacken von Computern und zur Geldwäsche vorgeworfen. Außerdem soll der Mann, der sich auf Linkedin selbst “Investmentberater und Unternehmer” nennt, eine Morddrohung gegen einen Nutzer ausgesprochen haben, der Informationen über die Plattform veröffentlichen wollte.

Während das FBI seinen Erfolg feiert, treffen sich die Reisenden der „Silk Road” nun auf der Website Reddit und klagen über verlorene Gelder, unvollendete Drogengeschäfte und den fallenden Bitcoin-Kurs.

Kommentare (5)

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Mazi

03.10.2013, 16:32 Uhr

Ging es wirklich um kriminelle Geschäfte oder schlicht um eine ernste Bedrohung des US-$?

Ich denke, dass diese Vorgehensweise dumm war und es bessere Ansätze dazu gegeben hätte. Vielleicht war es auch nur der einfachste und rigoroseste Weg. diese Vermutung liegt m.E. näher.

Account gelöscht!

03.10.2013, 16:50 Uhr


Haben Sie den Artikel überhaupt gelesen???

Ich vermute nicht; denn es ging darin nicht um die Schließung BitComs, sonder von dem Drogen-Markt "Silk Road"
*
Im Übrigen, wieso sollte BitCom mit den 1,5 Milliarden US$ eine Bedrohung für den US$ sein?. Sieht das aus Ihrer "Frosch-Perspektive" tatsächlich so aus?

Anu

03.10.2013, 16:54 Uhr

Das war offensichtlich eine kriminelle Plattform, denn sie verstieß gegen geltendes Gesetz. Die offensichtlichen Widersprüche in den Verlautbarungen des FBI, um nicht zu sagen "Lüge" lassen Zweifel an der Integrität der US Behörden aufkommen. So wird z.B. behauptet, dass 1.2 Millionen Geschäfte über SR abgewickelt wurden mit einem Gesamtvolument von 1.2 Milliarden Dollar. Damit hätte das durchschnittliche SR Geschäft eine Grösse von $1000. Die meissten Angebote waren aber im Bereich zwischen 20 und 50 Dollar. Damit sind die abgeblichen 80 Millionen, die DPR angeblich verdient haben soll einfach nur unrealistisch.

Dieses Aufbauschen des tatsächlichen Handelsvolumen lässt auch Zweifel an den anderen Behauptungen des FBI aufkommen, namentlich die Anstiftung zum Mord. Nach all dem Ruhm, mit dem sich die US Dienste in der letzten Zeit bekleckert haben scheint es mir hier eher wahrscheinlich, dass DPR noch zusätzlich was untergeschoben werden soll - das Betreiben einer Webseite, ohne selbst am Handel teilzunehmen ist nämlich nicht allzuviel.

Das alles erinnert fatal an das Vorgehen gegen Liberty Reserve. Dessen Bedeutung würde auch um mindestens eine Grössenordnung aufgebauscht und alle Umsätze wurden als kriminell eingestuft.

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