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08.01.2015

09:11 Uhr

Sinkende Rentabilität

Ölpreisverfall könnte etliche Jobs kosten

Fracking boomt in den Staaten, zum Ärger von Umweltschützern und anderen Ölfördernden Staaten. Doch die sinkenden Ölpreise könnten das Geschäft nun bald abwürgen. Damit hingen zahlreiche Arbeitsplätze in der Luft.

Fracking ist in den USA in aller Munde, etwa hier in Troy in Pennsylvania. dpa

Fracking ist in den USA in aller Munde, etwa hier in Troy in Pennsylvania.

New YorkAls Marcus Benson aus der Ostküstenmetropole Philadelphia 2012 von der boomenden Energiewirtschaft in North Dakota erfuhr, setzte er sich kurzerhand ins Auto, fuhr mehr als 2400 Kilometer, um bei der Öl-Förderung mitzumachen. Der 28-Jährige, der sich bis dahin mit schlecht bezahlten Gelegenheitsjobs durchgeschlagen hatte, fand sofort eine attraktive Stelle. In der Ölindustrie verdiente er rasch 30 Dollar pro Stunde. „Das war verrückt“, sagte Benson dem US-Sender CNN.

Ende 2014 kam jedoch die Kündigung. „Sie sagten, der Hauptgrund sei der fallende Ölpreis.“ Benson steht stellvertretend für viele, die es in den letzten Jahren in US-Ölstaaten wie North Dakota oder Texas zog, wo sie von der Fracking-Revolution profitieren wollten. Dank dieser - ökologisch höchst umstrittenen - Fördertechnik, bei der tief lagerndes Schiefergas und -öl mit Chemikalien gelöst wird, produziert Amerika wieder so viel Öl wie seit den 1970er Jahren nicht mehr.

Die gestiegene US-Förderung hat zu einem weltweiten Überangebot an Rohöl geführt. Denn andere große Produzenten wie Saudi-Arabien wollen ihre Marktanteile verteidigen und drosseln ihre Produktion nicht. Die Konsequenz: ein massiver Ölpreisverfall, durch den sich das Geschäft für immer mehr Frackingfirmen nicht mehr rechnet. Investitionen in neue Projekte werden gestrichen, Mitarbeiter gekündigt. Unternehmen, die zuviele Schulden haben, droht die Pleite.

Meilensteine der Ölpreisentwicklung

Beginne der Ölförderung

Die ersten gewinnbringenden Erdölbohrungen finden Mitte des 19. Jahrhunderts statt. In dieser Zeit entstehen auch die ersten Raffinerien. Bis 1864 steigt der Ölpreis auf den Höchststand von 8,06 Dollar pro Barrel (159 Liter); inflationsbereinigt müssen damals im Jahresdurchschnitt 128,17 US-Dollar gezahlt werden. In den folgenden Jahrzehnten bleibt der Preis auf einem vergleichsweise niedrigen Level, fällt mitunter sogar, bedingt etwa durch den Erfolg der elektrischen Glühlampe, durch die Öl im privaten Haushalt nicht mehr zur Beleuchtung nötig ist.

Vollgas mit Benzin

Mit dem Erfolg des Automobils zu Beginn des 19. Jahrhunderts steigt die Öl-Nachfrage rasant; speziell in den USA, wo der Ford Modell T zum Massenprodukt wird. 1929 fahren insgesamt 23 Millionen Kraftfahrzeuge auf den Straßen. Der Verbrauch liegt 1929 in den Staaten bei 2,58 Millionen Fass pro Tag, 85 Prozent davon für Benzin und Heizöl. Die Preise bleiben allerdings weiter unter fünf Dollar pro Fass (nicht inflationsbereinigt), da auch mehr gefördert wird.

Negative Folgen der Weltwirtschaftskrise

In den 30er Jahren kommt die Große Depression, die Unternehmenszusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit, Deflation und einen massiven Rückgang des Handels durch protektionistische Maßnahmen zur Folge hat. Während der Weltwirtschaftskrise verringert sich die Nachfrage nach Erdöl und der Preis sinkt auf ein historisches Tief. 1931 müssen bloß noch 0,65 Dollar pro Barrel gezahlt werden (inflationsbereinigt etwa zehn US-Dollar). So billig sollte das schwarze Gold nie wieder sei.

Goldene Zeitalter des billigen Öls

Nachdem sich die Weltkonjunktur erholt hat, steigt der Preise für Öl wieder, bleibt aber konstant unter fünf Dollar pro Barrel. Für die Jahre zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Ölkrise im Herbst 1973 spricht man deshalb vom „goldenen Zeitalter“ des billigen Öls.

Erste Ölkrise

In den 70er und 80er Jahren kommt der Ölpreis in Bewegung. Als die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) nach dem Krieg zwischen Israel und den arabischen Nachbarn im Herbst 1973 die Fördermengen drosselt, um politischen Druck auszuüben, vervierfacht sich der Weltölpreis binnen kürzester Zeit. Zum Ende des Jahres 1974 kostet ein Barrel über elf Dollar (inflationsbereinigt fast 55 US-Dollar). Dies bekommen auch Otto-Normal-Bürger zu spüren: In Deutschland bleiben sonntags die Autobahnen leer, in den USA bilden sich Schlangen vor den Tankstellen.

Preisexplosion während des Golfkriegs

Während der zweiten Ölkrise in den Jahren 1979/1980 zieht der Ölpreis nach einem kurzfristigen Rückgang weiter an. Ausgelöst wird dies im Wesentlichen durch Förderungsausfälle und Verunsicherung nach der Islamischen Revolution. Nach dem Angriff Iraks auf Iran und dem Beginn des Ersten Golfkrieg explodieren die Preise regelrecht. Auf dem Höhepunkt im April 1980 kostet ein Barrel 39,50 Dollar (inflationsbereinigt 116 Dollar).

Niedrigpreise in den 80er und 90er Jahren

Die 80er und 90er Jahre sind – abgesehen von dem kurzzeitigen Anstieg verursacht durch den Zweiten Golfkrieg – eine Phase niedriger Ölpreise. Die Industriestaaten befinden sich in einer Rezession und suchten aufgrund vorhergehenden Ölkrisen mit besonders hohen Preisen nach alternativen Energiequellen. Weltweit gibt es Überkapazitäten. Während der Asienkrise 1997/1998 sinkt die Nachfrage weiter. Ende des Jahres 1998 werden 10,65 Dollar pro Barrel verlangt.

Ein rasanter Anstieg

Nach Überwindung der Krise wachsen die Weltwirtschaft und damit auch der Ölbedarf schnell. Selbst die Anschläge auf das World Trade Center 2001 sorgen nur für einen kurzen Rücksetzer. Anfang 2008 steigt der Ölpreis erstmals über 100 US-Dollar je Barrel, Mitte des Jahres sogar fast auf 150 Dollar. Ein Grund für den Preisanstieg war der Boom des rohstoffhungrigen China, mittlerweile zweitgrößter Verbraucher der Welt. Die Finanzkrise ließ den Preis Ende 2008 allerdings wieder abstürzen.

Ölpreis heute

Ein weltweites Überangebot hält die Preise weiterhin auf niedrigem Niveau. Aktuell kostet ein Barrel Brent rund 30 US-Dollar.

Finanzanalysten führen diese Auswirkungen der sinkenden Ölpreise zuletzt häufig als Grund für Unsicherheiten an den internationalen Börsen an. Die Ölindustrie sei in den vergangenen Jahren einer der größten Stabilisatoren des US-Arbeitsmarktes gewesen. Der Energiesektor sei eine wichtige Stütze der US-Konjunktur. Und die Öl-Jobs würden in der Regel gut bezahlt, heißt es. Wie problematisch sind die Folgen des abflauenden Schiefer-Booms für die weltgrößte Volkswirtschaft?

„Die positiven Effekte der niedrigeren Ölpreise für Konsumenten und viele Unternehmen überwiegen die Nachteile für die Energiefirmen bei weitem“, sagt Expertin Liz Annn Sonders von der Investmentberatung Charles Schwab. „Die US-Wirtschaft wird zu 68 Prozent von Verbraucherausgaben getrieben.“ Die Neuinvestitionen in der Öl- und Gasindustrie machten hingegen nur etwa ein Prozent am US-Bruttoinlandsprodukt aus.

Die sinkenden Energiepreise wirken deshalb wie ein Konjunkturpaket und nicht wie eine Wachstumsbremse. Je günstiger das Öl, desto geringer die Produktionskosten vieler Firmen. Verbraucher haben mehr Geld übrig, weil sie weniger für Benzin und Heizen ausgeben. Somit ist der fallende Ölpreis für die Wirtschaft der USA insgesamt eine gute Nachricht - auch wenn das für Glücksritter wie Benson, der sich gerade arbeitslos gemeldet hat, ein schwacher Trost sein dürfte.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Frau Helga Trauen

08.01.2015, 09:58 Uhr

Da haben die US-NeoCons gedacht, sie zwingen Russland in die Knie. Dabei haben sie den Schuß ins eigene Knie übersehen.

Herr Hans Maiser

08.01.2015, 11:43 Uhr

Sie Wissen schon, dass im Artikel was anderes steht?
„Die positiven Effekte der niedrigeren Ölpreise für Konsumenten und viele Unternehmen überwiegen die Nachteile für die Energiefirmen bei weitem“,

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