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27.06.2011

15:53 Uhr

Sinkender Ölpreis

Politik schenkt Urlaubern billigeres Benzin

Entlastung für deutsche Autofahrer: Unmittelbar vor Beginn der Sommerferien können sich vor allem Urlauber über billigeres Benzin freuen. Sie profitieren von einer Entscheidung der Internationalen Energieagentur.

Die Benzinpreise an deutschen Tankstellen sind für Urlauber derzeit ein Grund zur Freude. Quelle: dpa

Die Benzinpreise an deutschen Tankstellen sind für Urlauber derzeit ein Grund zur Freude.

Hamburg/BochumDie Benzinpreise in Deutschland haben zum Beginn der Ferienzeit deutlich nachgegeben. Am Montag mussten die Autofahrer für einen Liter Benzin im bundesweiten Durchschnitt noch 1,48 Euro je Liter bezahlen, teilten Sprecher der Mineralölwirtschaft in Hamburg und Bochum mit. Ein Liter Super kostete am Montag im Bundesdurchschnitt 1,51 Euro pro Liter, wie eine Shell-Sprecherin in Hamburg mitteilte. Diesel kostete 1,37 Euro. Das sind den Angaben zufolge jeweils rund 0,07 Euro weniger als Anfang Juni und 0,10 Euro weniger als Ende April, als Superbenzin den Rekordpreis von 1,61 Euro überschritten hatte.

In dieser Woche beginnen oder begannen die Sommerferien in mehreren Bundesländern, darunter Hessen, Berlin, Rheinland-Pfalz, Hamburg und das Saarland. Am Wochenende erwartet der ADAC eine große Sommerreisewelle auf den Straßen.

Deutschlands Ölreserven

Wie groß sind die deutschen Ölreserven?

Insgesamt 21 Millionen Tonnen. Davon sind zehn Millionen fertige Produkte wie Benzin, Diesel und Heizöl. Der Rest ist Rohöl. Die Menge reicht aus, um Deutschland im Falle eines kompletten Lieferausfalls für mindestens 90 Tage zu versorgen. Zuständig für die Verwaltung ist der Erdölbevorratungsverband. Die Körperschaft des öffentlichen Rechts ist dem Wirtschaftsministerium unterstellt.

Wo werden die Reserven gelagert?

Benzin und die anderen fertigen Produkte werden an 160 Standorten gelagert, die über ganz Deutschland verteilt sind. Der Erdölbevorratungsverband hat dazu Tanklager der großen Mineralölkonzerne angemietet. Das Rohöl wird in unterirdischen Hohlräumen gelagert, meist ehemaligen Salzstöcken. 60 Prozent gehören dem Verband, der Rest ist ebenfalls angemietet.

Wer finanziert den Erdölbevorratungsverband?

Die rund 120 Mitglieder. Raffinerien und Ölhändler müssen eine Zwangsabgabe zahlen, mit denen sich der Verband mit seinen 70 Mitarbeitern an den Standorten Hamburg und Bremerhaven finanziert. Das meiste Geld stammt von großen Raffineriebetreibern wie BP, Shell und Esso.

Wie wird das Öl auf den Markt geworfen?

Der Verband bietet das Öl zunächst seinen Mitgliedern an, die ein Vorkaufsrecht genießen. Was von ihnen nicht abgenommen wird, landet auf dem freien Markt. Die jetzt freigegebenen 4,2 Millionen Barrel werden in vier Tranchen angeboten. Der Preis orientiert sich an den jeweiligen Weltmarktpreisen.

Wird der Verkauf zum Verlustgeschäft?

Nein. Der Verband hat seit seiner Gründung 1978 - damals in Reaktion auf die zweite Ölkrise - viele Jahre Gelegenheit gehabt, sich zu günstigen Konditionen am Markt einzudecken. Ende der 90er Jahre war ein Barrel zeitweise für weniger als zehn Dollar zu haben, heute wird dafür das Zehnfache verlangt.

Wie oft wurden die Reserven schon angezapft?

Die Premiere gab es 1990, als nach dem Angriff des Irak auf das erdölreiche Kuwait die Sorge vor Lieferengpässen umging. Es dauerte 15 Jahre, ehe zum zweiten Mal auf die Reserven zurückgegriffen wurde. 2005 sorgte der Hurrikan Katrina im Golf von Mexiko dafür, dass die dortige Ölproduktion zum Erliegen kam. 500.000 Tonnen bot Deutschland damals an, um Engpässen vorzubeugen. Zuletzt wurden Ölreserven 2011 wegen des Libyenkrieges und der ausfallenden Ölproduktion des Landes freigegeben.

Auch die übliche Preisrunde nach dem Wochenende blieb am Montag bis zum späten Nachmittag aus. Hintergrund für die Entspannung ist die Entscheidung der IEA, einer Organisation von 28 Industriestaaten, darunter Deutschland. Am Donnerstag wurde überraschend bekanntgegeben, dass man die strategischen Ölreserve anzuzapfen würde. Die Mitgliedsstaaten würden 60 Millionen Fass Rohöl auf den Markt werfen, um den Preis zu senken. Der Rohölpreis brach daraufhin ein. Die Shell-Sprecherin erinnerte daran, dass der Fall des Benzinpreises aber schon mehr als eine Woche zuvor eingesetzt hatte.

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Es gibt allen Grund, vorsichtig zu sein - mahnt der Chefvolkswirt von Goldman Sachs.

Der Beschluss vom vergangenen Donnerstag löste einen Preisrutsch aus. Rohöl der Nordsee-Sorte Brent wurde seitdem um mehr als zehn Dollar je Barrel günstiger und kostete am Montag noch 103,84 Dollar. Der Preis für US-Öl fiel ebenfalls.

Nach Einschätzung von Goldman-Sachs-Chefvolkswirt Jan Hatzius wird die Maßnahme der IEA allerdings langfristig kaum Auswirkungen auf den Ölpreis haben. „Wir rechnen für Ende nächsten Jahres mit einem Anstieg des Preises für das Fass Brentöl auf 140 Dollar“, sagte Hatzius in einem Interview mit dem Handelsblatt.
Damit bleibt die Langfristprognose der US-Investmentbank für den Rohölpreis trotz der Aktion der IEA aus der vergangenen Woche praktisch unverändert. Der Grund: Die Nachfrage werde weiter stärker wachsen als das Angebot und damit wohl der Preis treiben, sagte der Ökonom. Er warnt vor den Folgen für die Weltwirtschaft. „Das bedeutet reale Einkommensverluste in Ländern wie den USA, wo mit Energie weniger sparsam umgegangen wird als in Europa und sich deswegen ein Preisanstieg stärker auswirkt.“

Kommentare (3)

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Informant

27.06.2011, 16:34 Uhr

Schaumermal wieviel "billiger" der Sprit wird !
Das ist ausserdem nur manipulation der Menschen.
Die Inflation macht sich stark am Ölpreis bemerkbar. Die Menschen sollen aber noch in Sicherheit gewiegt werden und weiterschlafen.
Ausserdem diente diese Aktion auch zur drückung der Edelmetallpreise.
Gold stand vor dem Ausbruch......

Account gelöscht!

27.06.2011, 16:34 Uhr

So so, welch ein niedliches Geschenk, bei einen aktuellen Benzinpreis von ca. 1,50 Euro gönnt sich der Staat ca. 1,OO Euro. Die verbleibenden 0,50 Euro teilen sich: der Scheich, der Transporteur, die Raffinerie, die bösen Buben von den Mineralölgesellschaften und wenn ich niemanden vergessen habe bekommt der Tnkwart auch noch einen Cent. Nur so viel zu dem Thema: "Politik schenkt Urlaubern billigeres Benzin." Noch Fragen?

JR9

27.06.2011, 16:53 Uhr

was für eine schwachsinnige überschrift dieses artikels...da ist wohl einer selber urlaubsreif

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