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26.02.2014

17:31 Uhr

Skandal um Mt. Gox

„Bitte stellen Sie keine Fragen“

Die einst größte Handelsplattform für Bitcoins ist weiter außer Betrieb. Jetzt hat sich der Chef zu Wort gemeldet. Doch davon haben die Kunden wenig. Sie sehen ihr Geld vermutlich nicht wieder. Staatsanwälte ermitteln.

Die Webseite der Bitcoin-Börse Mt. Gox – vor der Abschaltung. AFP

Die Webseite der Bitcoin-Börse Mt. Gox vor der Abschaltung.

TokioNutzer von Bitcoins bangen um ihr Geld: Mt. Gox, die einst größte Handelsplattform für die virtuelle Währung, ist weiterhin außer Betrieb. Der Chef der Bitcoin-Börse, Mark Karpeles, sendete am Mittwoch ein Lebenszeichen, trug jedoch kaum zur Aufklärung bei.

Auf der Webseite www.mtgox.com veröffentlichte Karpeles einige dürre Zeilen: „Ich versichere allen, dass ich noch in Japan bin und mit Unterstützung verschiedener anderer Parteien sehr hart an einer Lösung der jüngsten Probleme arbeite.“ Der Handel bleibe bis auf weiteres ausgesetzt. Kunden werden gebeten, von Fragen abzusehen. Die Mitarbeiter seien angewiesen, keine Auskunft zu geben, hieß es in der Mitteilung.

Der Internetseite von Mt. Gox war in der Nacht von Montag auf Dienstag verschwunden. Unter der Adresse war nur noch eine leere weiße Seite zu sehen. Schnell machten Gerüchte die Runde. Das Unternehmen stehe vor der Pleite, hieß es. Grund sei eine schwere technische Panne.

Die wichtigsten Fragen zu Bitcoins

Was sind Bitcoins?

Bitcoins (BTC) sind verschlüsselte Datenpakete aus Zahlen und Buchstaben.

Wer hat Bitcoins erfunden?

Als Erfinder gibt sich jemand aus, der auf einer Kryptografie-Mailingliste unter dem Namen Satoshi Nakamoto auftrat – vermutlich ein Pseudonym, möglicherweise steckt sogar eine Gruppe dahinter. Er umriss das Konzept 2008 in einem Grundsatzpapier und brachte 2009 eine Software zum Bitcoin-Austausch heraus. Mittlerweile kümmert sich eine kleine Community von Entwicklern darum – der Quellcode liegt offen.

Wozu sind Bitcoins gut?

Für die einen sollen Bitcoins ein anonymes Zahlungsmittel im Internet sein, das Systeme wie Paypal unnötig macht. Andere sehen Bitcoins als alternatives Wertaufbewahrungsmittel. Wieder andere glauben an eine mit dem Goldstandard vergleichbare Sicherheitsfunktion.

Als weltweit erste nennenswerte Transaktion gilt der Kauf zweier Pizzen für 10.000 BTC. Auch für illegale Zahlungen kommt die Währung zum Einsatz, etwa auf der inzwischen geschlossenen Online-Plattform Silk Road.

In Deutschland sind Bitcoins noch nicht sehr verbreitet. In Onlineshops wie Schuhwelt.com sowie in mehreren Berliner Kneipen kann man mit Bitcoins zahlen – allerdings tun Kunden das bislang nur in Einzelfällen.

Wie entstehen neue Bitcoins?

Neue Bitcoins müssen berechnet werden. Anfangs konnte jeder PC Bitcoins „schürfen“. Inzwischen sind die Rechnungen so komplex geworden, dass sie nur noch Hochleistungscomputer bewältigen. Professionelle Bitcoin-Schürfer koppeln ihre Computer zusammen.

Wie viele Bitcoins gibt es?

Die Anzahl der Bitcoins ist mathematisch auf maximal 21 Millionen begrenzt. Je größer die umlaufende Menge ist, desto aufwendiger wird, neue Einheiten zu berechnen. Professor Rainer Böhme von der Uni Münster geht davon aus, dass der letzte Bitcoin im Jahr 2140 erzeugt wird.

Wo werden Bitcoins gehandelt?

Im Internet gibt es etwa 60 Umschlagplätze für Bitcoins. Die mit Abstand größte Börse war lange Zeit Mt. Gox mit Sitz in Tokio. Doch die Japaner meldeten Insolvenz an. Weitere Tauschbörsen sind Coinbase, Kraken, BitStamp, Circle und BTC China. Die nach eigenen Angaben größte Bitcoin-Börse in Deutschland, Bitcoin.de, hat ihren Sitz in Herford bei Bielefeld.

Wie hat sich der Kurs entwickelt?

Seit dem Start 2009 haben Bitcoins stark zugelegt. Im Dezember 2013 kostete ein Bitcoin mehr als 1100 Dollar. Nach der Pleite der Handelsplattform Mt. Gox Anfang 2014 rutschte der Kurs enorm ab. Zum Jahreswechsel 2014 steht er etwas über 300 Dollar.

Ist der Handel mit Bitcoins legal?

In Deutschland können Nutzer laut Bafin ohne Erlaubnis mit der Cyber-Währung bezahlen. Auch das so genannte „Mining“ – die Schöpfung von Bitcoins – ist erlaubt. Allerdings können beim Rücktausch in Euro Steuern fällig werden.

von Andreas Dörnfelder

Ein Blogger veröffentlichte ein Dokument, wonach bei Mt. Gox mehr als 740.000 Bitcoins zum aktuellen Wert 350 Millionen Dollar verschwunden seien; Geld, das der Börsenbetreiber seinen Kunden schuldig ist. „Die Wahrheit ist, dass Mt. Gox jeden Augenblick Pleite gehen kann - und es das als Unternehmen mit Sicherheit verdient“, hieß es in dem Dokument.

In dem Papier werden auch Pläne für Änderungen an der Führungsspitze, ein Re-Branding sowie ein möglicher Standortwechsel nach Singapur umrissen. Nach Informationen von „Fox Business“ hat Karpeles inzwischen eingeräumt, dass das Dokument „mehr oder weniger“ seriös sei.

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