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12.09.2011

18:34 Uhr

Skandinavische Kronen

Anleger auf der Suche nach dem neuen Franken

VonHelmut Steuer, Holger Alich

Nachdem die Schweizer den Franken an den Euro koppeln und einen Mindestkurs verteidigen wollen, fürchten sich nun Norwegen und Schweden vor einer beschleunigten Aufwertung ihrer Währungen.

Norwegische Kronen: Ein sicherer Hafen für Anleger am Devisenmarkt sei die Krone nicht, betonte Zentralbankchef Østein Olsen. Notenbank Norwegen

Norwegische Kronen: Ein sicherer Hafen für Anleger am Devisenmarkt sei die Krone nicht, betonte Zentralbankchef Østein Olsen.

Stockholm/ ParisEnde vergangener Woche übte sich Østein Olsen in einer für Zentralbankchefs ungewöhnlichen Rolle: Er versuchte, den Kurs der eigenen Währung, der norwegischen Krone, herunterzureden. Ein sicherer Hafen für Anleger am Devisenmarkt sei die Krone nicht. Dazu sei Norwegen ein viel zu kleines Land. Und dann gab er noch einen Warnschuss in Richtung der Währungsspekulanten ab. Wer sich jetzt auf die norwegische Krone stürzt, müsse im Hinterkopf haben, dass bei Turbulenzen auf den internationalen Devisenmärkten die Währungen kleinerer Länder schnell unter die Räder kommen können. "Es wird an der Ausgangstür recht eng werden, wenn alle zusammen hinauswollen."

Olsen war sich allerdings nicht ganz sicher, ob seine Warnungen auch überall richtig verstanden werden. Deshalb machte er deutlich, dass eine zu starke Krone mittelfristig zu Inflation führen könne und das Wachstum verlangsamen würde. "In diesem Fall werden geldpolitische Maßnahmen ergriffen", sagte er in Oslo und nannte den Leitzins als das dafür richtige Instrument. Spiel nach unten gibt es: In Norwegen liegt der Leitzins bei 2,25, in Schweden bei zwei Prozent.

Das ungewöhnlich deutliche Signal von Olsen hat einen guten Grund: Nach der Ankündigung der Schweizer Nationalbank, den Franken an den Euro zu koppeln und einen Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro unter allen Umständen zu verteidigen, sind die schwedische und die norwegische Krone deutlich gestiegen. Anleger suchen in schwerer See einen sicheren Hafen. Schweden und Norwegen sind attraktiv, da beide Triple-A-Länder äußerst solide Staatsfinanzen und eine geringe Staatsverschuldung ausweisen. Die Aufwertung der Krone macht Exporte teurer, und schon sorgt sich der schwedische Zentralbankchef Stefan Ingves um die Konjunktur seines Landes. Eine avisierte Leitzinserhöhung blieb vergangene Woche aus. Zu groß ist die Furcht, dass der Aufschwung der vergangenen Monate wieder abflauen könnte.

Die norwegische Krone hat Ende vergangener Woche ihren höchsten Kurs gegenüber dem Euro seit acht Jahren erreicht. Und auch die schwedische Krone zog gegenüber Euro und Dollar markant an. Musste man vor der Schweizer Entscheidung noch 9,17 Kronen für einen Euro zahlen, waren es am Freitag nur noch 8,97 Kronen je Euro. Die Kurssprünge belasten die exportabhängige Wirtschaft beider Länder.

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