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14.09.2011

10:10 Uhr

Skandinavische Währungen

Riskante Flucht in den Norden

VonHelmut Steuer

Seit die Schweizer Notenbank den Franken an den Euro gekoppelt hat, suchen Anleger Zuflucht in der norwegischen und schwedischen Krone. Sie hoffen auf Stabilität in der Krise. Doch mit der könnte es schnell vorbei sein.

Schweden hat am Devisenmarkt im Moment ebenso wie Norwegen viele Fans. Doch die Flucht in skandinavische Währungen birgt Gefahren. dpa

Schweden hat am Devisenmarkt im Moment ebenso wie Norwegen viele Fans. Doch die Flucht in skandinavische Währungen birgt Gefahren.

StockholmSkandinavische Währungen sind in. Nach der Ankündigung der Schweizer Nationalbank, den Franken an den Euro zu koppeln und einen Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro unter allen Umständen zu verteidigen, sind die schwedische und die norwegische Krone, die von Devisenhändlern gern als Scandies bezeichnet werden, deutlich gestiegen.

Anleger suchen in schwerer See einen sicheren Hafen. Schweden und Norwegen sind attraktiv, da beide Triple-A-Länder äußerst solide Staatsfinanzen und eine geringe Staatsverschuldung ausweisen. Die Aufwertung der Kronen macht Exporte aber teurer, und schon sorgt sich der schwedische Zentralbankchef Stefan Ingves um die Konjunktur seines Landes. Eine avisierte Leitzinserhöhung blieb vergangene Woche aus. Zu groß ist die Furcht, dass der Aufschwung der vergangenen Monate wieder abflauen könnte.

Auch beim Nachbarn Norwegen blinken die Alarmsignale: Zentralbankchef Østein Olsen versuchte vergangene Woche, die eigene Währung herunterzureden. Die norwegische Krone sei kein sicherer Hafen, betonte er mehrfach. Wer sich jetzt auf die norwegische Krone stürzt, müsse im Hinterkopf haben, dass bei Turbulenzen auf den internationalen Devisenmärkten die Währungen kleinerer Länder schnell unter die Räder kommen können. „Es wird an der Ausgangstür recht eng werden, wenn alle zusammen hinauswollen.“

Tatsächlich mahnen auch professionelle Devisenhändler zur Vorsicht. „Wenn Sie Scandies als Sichere-Häfen-Währungen kaufen wollen, sollten Sie sich beeilen, bevor die Tür geschlossen wird”, rät die Großbank HSBC ihren interessierten Kunden. Für die Währungsexperten der Bank ist die Gefahr einer Leitzinssenkung relativ hoch, sollte es zu einer weiteren Kronenaufwertung kommen. „Wir haben keinerlei Zweifel, dass die Institutionen agieren werden, wenn sich norwegische oder die schwedische Krone zu schnell bewegen”.
Für die HSBC-Zweifel gibt es gute Gründe. Denn die Notenbanken in beiden Ländern haben eindeutig klargemacht, dass sie einer Aufwertung ihrer Währungen nicht tatenlos zusehen werden. Und mit Leitzinsen von zwei Prozent in Schweden und 2,25 Prozent in Norwegen gibt es Spielraum für Korrekturen nach unten. Beide Zentralbankchefs haben denn auch deutlich gemacht, dass sie dieses geldpolitische Mittel anwenden würden, sollten sich die Währungen durch die stark gestiegene Nachfrage weiter verteuern.

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