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25.06.2017

10:56 Uhr

Sparen in der digitalen Zukunft

In Bitcoins investieren

VonFrank Wiebe

Kryptowährungen locken Anleger mit hoher Wertsteigerung, gelten deshalb aber auch als Spekulationsobjekt. Inzwischen gibt es viele Möglichkeiten in das Digitalgeld zu investieren. Was Anleger beachten müssen.

Ob Bitcoins tatsächlich dem Werterhalt dienen, ist umstritten. Dennoch wagen sich immer mehr Anleger an die digitale Währung heran. IMAGO

Digitales Sparschwein

Ob Bitcoins tatsächlich dem Werterhalt dienen, ist umstritten. Dennoch wagen sich immer mehr Anleger an die digitale Währung heran.

New YorkEine ganz neue Welt wollen die Anhänger der Bitcoins schaffen. Eine Welt, in der man ohne Banken buchstäblich grenzenlos und billig Geld überweisen kann. In der Notenbanken die Preise nicht mehr manipulieren können. In der es neben dem bisherigen Internet der Informationen ein „Internet der Werte“ gibt.

Vorerst ist das Zukunftsmusik. Und wie es das mit der Zukunft so ist, weiß niemand, ob sie in der gewünschten Form überhaupt eintritt. Aber der Höhenflug der Bitcoins und vieler anderer virtueller Währungen verlockt dazu, in diese Zukunft zu investieren.

Sheri Kaiserman, Expertin beim Broker Wedbush Securities in Los Angeles, hat dazu ein simples Rezept, das an die Aktienstrategie von Altmeister André Kostolany erinnert: „Ich würde einfach fünf bis zehn der wichtigsten virtuellen Währungen kaufen und fünf bis zehn Jahre liegen lassen“, sagt sie. Und fügt pflichtgemäß hinzu, dass man für dieses Abenteuer nur einen überschaubaren Teil des Vermögens und keinesfalls die Reserven für den Lebensunterhalt einsetzen sollte. Die Website Coinmarketcap.com listet die 100 größten Kryptowährungen auf, zusammen sind sie über 100 Milliarden Dollar wert. Auf den ersten drei Plätzen stehen die Namen Bitcoin, Ethereum und Ripple, diese drei bringen es schon auf über 80 Milliarden. Die Tatsache, dass es bei Ethereum gerade technische Schwierigkeiten und einen vorübergehenden dramatischen Kurseinbruch gegeben hat, schreckt sie nicht. „Das ist ein gutes Problem“, sagt sie. „Es ist durch eine Überlastung des Systems entstanden und zeigt, wie sehr diese Währungen gefragt sind.“

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Ethereum gilt als Angreifer der bekannten Digitalwährung Bitcoin. Nun erlebt Ethereum eine Kursachterbahn: Binnen Minuten stürzt der Kurs von 300 auf 13 Dollar ab – und erholte sich ebenso schnell. Was dahintersteckt.

Bitcoins sind die bekanntesten virtuellen Münzen. Sie dienen bisher hauptsächlich der Spekulation, aber sind eigentlich als Zahlungsmittel erfunden worden und finden dort auch Anwendung. Die Stärke von Ethereum mit den „Ether“ genannten Münzen sind dagegen so genannte Smart Contracts, also automatisch ablaufende Vorgänge, etwa Zahlungen bei Eintreffen einer Ware. Ripple wiederum und die zugehörige Währung XRP dienen dem Zahlungsverkehr unter Banken, haben also einen weniger revolutionären Anspruch als Bitcoins.
Wer einmal Bitcoins erworben hat, kann damit leicht andere virtuelle Währungen kaufen. Die Geldbörse, neudeutsche „Wallet“, von Jaax bietet die Möglichkeit, jederzeit gängige virtuelle Währungen gegen einander zu tauschen. Ob das mehr bringt als einfach eine Auswahl zu kaufen und liegenzulassen, ist allerdings zweifelhaft. Aber manch einer spekuliert ja auch einfach zum Spaß.

Goldman Sachs hat im März angefangen, Bitcoins in hauseigenen Research-Produkten zu besprechen. Dabei hat Jeff Currie, Chef des Rohstoff-Research, die Meinung vertreten, die virtuellen Münzen seien eher eine Art Rohstoff als eine Währung. Gleichzeitig äußerte er Zweifel, dass sie Gold ersetzen können. Damit spricht Currie eine wichtige Frage an: Was für eine Art von Anlage sind Bitcoins eigentlich?
Tatsächlich werden sie häufig mit Gold verglichen. Denn wie das Edelmetall werfen sie keinen Zins ab. Außerdem ist ihre Menge nicht beliebig vermehrbar. Papiergeld kann man in großem Umfang drucken, Gold muss aufwendig aus der Erde geholt werden. Und Bitcoins werden in einem sehr energieaufwendigen Prozess hergestellt, der nicht zufällig „Mining“ heißt. Anders als beim Gold ist in der Software sogar das Wachstum der Menge an Münzen von vorneherein festgelegt und begrenzt. Ganz ähnlich wie bei Edelmetallen hängt der Preis aber stark von der Nachfrage ab, die mit der Intensität der Nutzung steigt.

Die wichtigsten Antworten zum Bitcoin

Was sind Bitcoins?

Bitcoins sind eine digitale Währung, deren Idee 2008 vorgestellt wurde. Die Bitcoins werden in komplizierten Rechenprozessen erzeugt, das kostet viel Zeit und Rechenleistung, wodurch eine Inflation verhindert werden soll. Auf Plattformen im Internet werden die Bitcoins gegen klassische Währungen gehandelt. Damit soll ein Geldsystem ermöglicht werden, das unabhängig von Staaten und Banken funktioniert sowie Transaktionen beschleunigt und Kosten minimiert.

Verbreitung

Pro Tag werden der Bundesbank zufolge auf der ganzen Welt 350.000 Transaktionen mit dem digitalen Tauschmittel getätigt, verglichen mit 77 Millionen Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen allein in Deutschland. Vor allem die Bitcoins haben sich über die USA hinaus zu beliebten Spekulationsobjekten mit starken Kursschwankungen entwickelt, außerdem zu einer Art Alternativwährung in Ländern mit Kapitalverkehrskontrollen. So ballt sich ein Großteil des Handels in China.

Vorteil 1

Durch Bitcoins sollen die Gebühren von Finanztransaktionen radikal absinken: Während man für eine Auslandsüberweisung über ein traditionelles Kreditinstitut schnell einen zweistelligen Euro-Betrag zahlt, ist die Gebühr für eine Bitcoin-Transaktion gering, liegt teilweise im Cent-Bereich. Zudem dauert die Transaktion meist nur Minuten, ganz egal wie groß die geografische Distanz zweier Konten zueinander ist.

Vorteil 2

Die Digitalwährung wird „peer-to-peer“ gehandelt, also direkt zwischen Nutzern ohne die Hilfe von Banken. Möglich macht dies die Nutzung der Blockchain-Technik: Innerhalb des Systems werden alle Transaktionen vielfach und dezentral (und damit dauerhaft nachvollziehbar) gespeichert. Dies könnte nicht nur Währungstransaktionen ohne Zwischeninstanz ermöglichen, sondern zum Beispiel auch Immobiliengeschäfte – die Rolle des Notars übernimmt dann das Blockchain-System. Ihr Konzept hat der bis heute unbekannte Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto in seinem berühmten „White Paper“, dem Gründungsdokument der Community, 2008 beschrieben. Bitcoins funktionieren außerdem „permissionless“, können also ohne Erlaubnis durch eine technische Aufsichtsbehörde benutzt werden. Die Internetwährung ist zudem „trustless“: Anleger müssen keiner externen Partei vertrauen, etwa auf die Autorität staatlicher Aufsichtsbehörden oder Zentralbanken, um Bitcoins nutzen zu können.

Nachteil 1

Hauptproblem für die Nutzer dürfte die starke Volatilität sein: Tatsächlich gab es seit 2014 mehrere markante Einbrüche. Im Januar war der Kurs noch unter die Marke von 800 Dollar gerutscht, auch im März hatte es einen größeren Rückschlag gegeben. Wie volatil der Kurs auf lange Sicht ist, zeigt ein Blick auf den Wertverlauf: Nach einem ersten Höchststand bei über 1.200 Dollar Ende 2013 ging es für Bitcoin-Besitzer vor allem bergab. Erst seit Ende 2015 steigt der Kurs tendenziell wieder, weist aber hohe Ausschläge nach oben und unten auf. Ein weiteres Problem: Bitcoins sehen sich harscher Kritik der Aufsichtsbehörden ausgesetzt. Kritiker monieren, dass die Digitalwährung wegen der schwer nachvollziehbaren Zahlungswege auch für kriminelle Zwecke verwendet werden kann. Die Bundesbank hatte unlängst Sparer vor Geldanlagen in der Digitalwährung gewarnt. Der Bitcoin sei „ein Spekulationsobjekt“, dessen Wert sich rapide verändere, sagte Bundesbank-Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele. „Aus unserer Sicht ist der Bitcoin kein geeignetes Medium, um Werte aufzubewahren.“

Nachteil 2

Absolute Sicherheit gibt es nicht, wie die Angreifbarkeit digitaler Währungen zeigt. So gab es in der Vergangenheit zahlreiche Hackerangriffe auf große Krypto-Tauschbörsen wie MtGox oder BitFinex, bei denen Nutzer Geld verloren haben. Und innerhalb der Bitcoin-Gemeinde schwelt ein Streit über die Herstellungsrechte. Auf unbedarfte Benutzer, auf die die eingeschworene Bitcoin-Gemeinschaft eher abschätzig herabblickt, lauert eine weitere Gefahr: Digitalwährungen, die sich zwar begrifflich an die Bitcoin-Währung anlehnen, hinter denen aber ein betrügerisches System steckt. Der bekannteste Fall ist der der sogenannten Onecoins. Onecoins waren nur über eine zentrale Plattform zu erwerben und auf zentralen Servern gespeichert, Nutzer somit voll dem Betreiber ausgeliefert – für die Bitcoin-Gemeinde, die sich in Online-Foren wie Reddit austauscht, klare Anzeichen für ein Betrugssystem. Inzwischen ermitteln die Behörden.

In der Praxis schwanken die Kurse virtueller Währungen sehr deutlich. Mitte Juni gab ein technischer Analyst von Goldman eine Warnung heraus, Bitcoins seien doch sehr hoch bewertet. Darauf hätte man angesichts des rasanten Preisanstiegs auch ohne Goldman kommen können. Aber dass die Investmentbank sich mit dem Thema beschäftigt, zeigt, dass es außerhalb der Fankreise ernst genommen wird.

Es ist aber nicht jedermanns Sache, sich mit Wallets zu beschäftigen. Wer Bitcoins indirekt kaufen möchte, kann das über den Bitcoin Investment Trust tun. Dessen Aktie ist unter dem Kürzel GBTC an der Tech-Börse Nasdaq in New York notiert, die Wertpapier-Kennnummer lautet A14S73, der Kurs liegt bei über 400 Dollar, das Vermögen bei knapp 400 Millionen. Der Trust funktioniert so ähnlich wie ein börsengehandelter Fonds (ETF), der möglichst genau den Bitcoin-Kurs nachbildet. Die jährliche Gebühr liegt bei zwei Prozent, und weil die Liquidität sehr begrenzt ist, kann es auch zu Abweichungen vom unterliegenden Kurs kommen. Parallel dazu bietet die Firma Grayscale seit kurzem einen Ethereum Classic Investment Trust an, der aber nicht börsennotiert ist.

Kommentare (1)

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Frau Annette Bollmohr

26.06.2017, 13:20 Uhr

Zu: „In den letzten Monaten hat diese Art der Mittelaufbringung zumindest bei Unternehmen mit Bezug zu Blockchains und Crypto-Währungen sogar traditionelle Formen der Wagnis-Finanzierung in den Schatten gestellt. Letztlich erwirbt der Anleger für seine virtuelle Währung eine sozusagen noch virtuellere Währung, dafür aber die Teilhabe an einem neuen Unternehmen.
Dabei bietet die Software von Ethereum die Möglichkeit, Abstimmungen über die Führung oder vielleicht sogar den Zweck des Unternehmens zu automatisieren. Im Idealfall ist das gesamte Unternehmen eine DAO, eine dezentrale autonome Organisation, also ein virtuelles Unternehmen. Anhänger dieses Konzepts wie Olaf Carlson-Wee glauben, dass diese DAOs das „zweite Geschäftsmodell“ des Silicon Valley sind und am Ende Google, Facebook & Co ablösen werden.“

Nochmal zur Erinnerung: Das Geld ist für die Menschen da, nicht umgekehrt.

Das heißt: Es geht zuvorderst um Demokratie und Gleichberechtigung. Und dann erst um die Rolle, die Geld dabei spielen soll.

Dies impliziert zwingend, dass sich die Funktionsweise eines j e g l i c h e n Finanzierungsmodells auch den zahllosen „Technik-Halb- und Vollanalphabeten“ – zu denen ich leider auch mich zählen muss – erschließen muss.

Damit nicht nur „Profis“ die Kontrolle haben.

Sonst war's das mit der Demokratie.

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