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17.05.2013

11:08 Uhr

Spekulanten gegen Anleger

Der Griff nach dem Gold

VonJörg Hackhausen

Der Goldmarkt erlebt eine gewaltige Umwälzung. Investoren, die auf Goldpapiere gesetzt haben, verkaufen reihenweise. Die Nachfrage nach echtem Gold steigt dagegen rasant. Wer treibt die Preise? Und wer liegt richtig?

In Asien steigt die Nachfrage nach Goldbarren, Münzen und Schmuck - in Deutschland geht sie laut World Gold Council zurück. dpa

In Asien steigt die Nachfrage nach Goldbarren, Münzen und Schmuck - in Deutschland geht sie laut World Gold Council zurück.

DüsseldorfMassen schieben sich durch die engen Gassen des Zaveri Bazaar in Mumbai. Die Menschen, die hier her kommen, haben meist nur eins im Sinn: Dieser Ort ist der größte Goldmarkt der Welt; eine eigene Welt, in der sich alles nur um das Edelmetall dreht. Die Geschäfte der Juweliere liefen selten so gut wie in diesem Jahr. Seitdem der Goldpreis gefallen ist, decken sich die Inder mit Goldmünzen und Schmuck ein.

Haben die Inder nicht gehört, dass Goldman Sachs und George Soros zum Verkauf aufrufen? Vermutlich nicht, und wenn doch? Dann kümmert es sie nicht. Genauso wenig wie jene kleine Schar von Privatanlegern in den Industrieländern, die weiter unbeirrt Münzen und Barren kaufen. Die sogenannten „Goldbugs“ (zu deutsch: Goldkäfer) handeln genau gegensätzlich zu den internationalen Großinvestoren, die gerade versuchen, ihr Gold loszuwerden.

Die Frage ist nur: Wer bestimmt, wie es am Goldmarkt weitergeht? Und wer behält am Ende Recht?

„Der Goldpreis ist Spielball der großen Finanzmarkt-Akteure und nur schwer einschätzbar“, sagt André Will-Laudien von der Privatbank Donner & Reuschel. „Der Goldbesitzer kann hier nur tatenlos zuschauen und sich am gelben Glanz erfreuen.“

Goldnachfrage weltweit (in Tonnen)

2003

Schmuck: 2.484
Barren und Münzen: 304
ETFs: -
Industrie: 386
Zentralbanken: -620
Gesamt: 2.594 Tonnen

2004

Schmuck: 2.616

Barren und Münzen: 355

ETFs: 133

Industrie: 419

Zentralbanken: -479

Gesamt: 3.044

2005

Schmuck: 2.719

Barren und Münzen: 396

ETFs: 208

Industrie: 438

Zentralbanken: -663

Gesamt: 3.098

2006

Schmuck: 2.300

Barren und Münzen: 414

ETFs: 260

Industrie: 468

Zentralbanken: -365

Gesamt: 3.077

2007

Schmuck: 2.423

Barren und Münzen: 435

ETFs: 253

Industrie: 476

Zentralbanken: -484

Gesamt: 3.104

2008

Schmuck: 2.304

Barren und Münzen: 869

ETFs: 321

Industrie: 461

Zentralbanken: -235

Gesamt: 3.720

2009

Schmuck: 1.814

Barren und Münzen: 780

ETFs: 623

Industrie: 410

Zentralbanken: -34

Gesamt: 3.593

2010

Schmuck: 2.017

Barren und Münzen: 1.205

ETFs: 382

Industrie: 466

Zentralbanken: 77

Gesamt: 4.147

2011

Schmuck: 1.972

Barren und Münzen: 1.515

ETFs: 185

Industrie: 453

Zentralbanken: 457

Gesamt: 4.582

2012

Schmuck: 1.908

Barren und Münzen: 1.256

ETFs: 279

Industrie: 428

Zentralbanken: 535

Gesamt: 4.405

2013

Schmuck: 2.671

Barren und Münzen: 1.702

ETFs: - 916

Industrie: 354

Zentralbanken: 625

Gesamt: 4.436

2014

Schmuck: 2.457

Barren und Münzen: 1.004

ETFs: - 183

Industrie: 347

Zentralbanken: 588

Gesamt: 4.212

Q1 2015

Schmuck: 601

Barren und Münzen: 253

ETFs: 26

Industrie: 80,4

Zentralbanken: 119

Gesamt: 1.079
Auf das Jahr hochgerechnet: 4.316

Der Goldpreis ist in den vergangenen Wochen abgestürzt. Innerhalb von kurzer Zeit sackte der Preis im April um fast 300 Dollar ab – von 1600 Dollar bis auf 1322 Dollar je Feinunze. Es war der größte Kursrutsch seit den Turbulenzen nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008. Nachdem es zunächst so aussah, als könne sich der Markt etwas erholen, geht es inzwischen wieder abwärts. Am Donnerstag kostete eine Feinunze 1377 Dollar.

„Es ist eine ziemlich üble Zeit für Gold-Investoren, da der Preis fällt, während die Aktienkurse weiter klettern”, sagte Michael Gayed, Portfoliomanager des ATAC Inflation Rotation Fund bei Pension Partners, zu Bloomberg. Das sei „emotional ein doppelter Rückschlag“.

Kommentare (47)

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Account gelöscht!

17.05.2013, 11:19 Uhr

Gold wird physisch momentan wie blöd gekauft, das ist Fakt und diese ganzen (ominösen) Goldhändler die wie Pilze aus dem Boden spriesen, sprechen eine deutliche Sprache.

Dass die PApierwerte dagegen als Goldpreis deklariert werden, gleicht einem Witz! Weil Spekulanten ihren Papiermüll verkaufen wird offiziell das Gold als nicht mehr so wertvoll angesehen obwohl es physisch stark gekauft wird...das IST krank und absurd!

Das selbe gilt für Silber...da werden auf einem PApier Silberwerte hin und hergeschoben die physisch überhaupt nicht zur Verfügung stehen. Was soll das?

Eines ist definitiv sicher...der momentane DAX Ausbruch, die EU und US Notenbankpolitik gemeinsam betrachtet sollten jedem sämtliche Alarmsirenen erklingen lassen....hier passt hinten und vorne nichts mehr zusammen und ähnelt einer tickenden Zeitbombe.

Gold wird auch nach der Explosion Gold bleiben....wird der Euro das auch? garantiert zu 100% nicht!

ArthurDent

17.05.2013, 11:33 Uhr

"Dass die PApierwerte dagegen als Goldpreis deklariert werden, gleicht einem Witz! Weil Spekulanten ihren Papiermüll verkaufen wird offiziell das Gold als nicht mehr so wertvoll angesehen obwohl es physisch stark gekauft wird...das IST krank und absurd!"

So ein Unsinn! Sog. "Papiergold" ist dann, wenn es zB als XETRA-Gold erworben wird, auch physisch. Es liegt nur nicht in Ihrer "Jauchegrube", sondern in einem hübschen Tresor in Frankfurt.

Man darf ja wirklich gerne Gold-Bug sein (war ich bis vor 1 Jahr auch) aber sollte Tatsachen doch zur Kenntnis nehmen, auch wenn Sie nicht in das eigene Weltbild passen.

Account gelöscht!

17.05.2013, 11:37 Uhr

Banken wie die Credit Suisse vorhersagen dieser Tage bis in 5 Jahren nur mehr einen Goldpreis unter 1.000 Dollar!

Das ist wirklich irrsinnig, was selbstprofezeihte Wahrsager von sich geben können! Bei denn Edelmetallen geht es meiner Meinung nach viel mehr um Werterhalt und Beruhigung da ich von denn Zinsen unabhängig bin! Alle Papierwährungen werden stetig durch Inflationierung - Entschuldung weniger wert!!!

Wieso verstehen das die kleinen Sparer nicht!

Schöne Grüße
und Pfiat Gott!

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