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22.04.2013

17:05 Uhr

Spielraum für Währungshüter

Absturz des Goldpreises hilft Notenbanken

Mit dem Preisrutsch bei Gold erhalten die machtbewussten Zentralbanker einen weiteren Grund, mit ihrer lockeren Geldpolitik fortzufahren. Auch einige Ökonomen ändern ihre Meinung – die Angst vor der Inflation sinkt.

Die Goldreserven der Schweizer Notenbank. Reuters

Die Goldreserven der Schweizer Notenbank.

Es gibt viele Erklärungen für den stärksten Einbruch des Goldpreises seit über 30 Jahren: Enttäuschende Konjunkturdaten aus China und den USA, die Sorgen um das globale Wirtschaftswachstum auslösen; Investoren, die ihre langjährigen Wetten aufgeben und dass die geldpolitischen Anreize die Inflation anheizen werden.

Andere Erklärungen reichen von der Ansicht, dass der Goldpreis bestimmte technische Niveaus erreicht hat bis hin zu Ängsten, dass die Zypern-Krise einen Ausverkauf der Goldreserven auch bei anderen auslösen könnte.

Aber die Kombination aus Wachstumssorgen und der verringerten Inflationsängsten stärkt die Position von US-Notenbankchef Bernanke und seinen internationalen Kollegen, die ihre Volkswirtschaften weiterhin mit Geld fluten – in der Hoffnung, die Konjunktur nimmt wieder Fahrt auf. Zudem dürfte es ihnen helfen, Kritiker in die Schranken zu weisen.

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„Zentralbanken können jetzt, da der Goldmarkt in Bezug auf die Ängste vor Hyperinflation eingeknickt ist, opportunistisch sein und mit ihrer quantitativen Lockerung fortfahren“, sagte Edward Yardeni, Präsident und Chef-Investmentstratege bei Yardeni. „Sie könnten auch argumentieren, dass die Schwäche der Rohstoffpreise auf Wachstumssorgen deutet, was umso mehr ein Grund wäre, (ihren Weg) fortzusetzen“, fügte er an.

Der Goldpreis ist seit August 2011 um über 27 Prozent eingebrochen und befindet sich damit in einem Bärenmarkt. Davor hat sich Gold zwölf Jahre lang verteuert – getrieben von Investoren die darauf setzten, zunehmende Inflation und die Zentralbankhilfen würden Gold zu einem sicheren Hafen für ihr Vermögen machen – und in dem Glauben, der Preis würde immer weiter steigen.

Die Goldreserven der Staaten

USA

Goldschatz: 8.133,5 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 75,7 Prozent

Stand: Januar 2014

Deutschland

Goldschatz: 3.387,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 72,8 Prozent

Internationaler Währungsfonds (IWF)

Goldschatz: 2.814 Tonnen

Italien

Goldschatz: 2.451,8 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 72,1 Prozent

Frankreich

Goldschatz: 2.435,4 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 70,5 Prozent

China

Goldschatz: 1.054,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 1,7 Prozent

Schweiz

Goldschatz: 1.040,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 10,6 Prozent

Russland

Goldschatz: 1.015,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 9,5 Prozent

Japan

Goldschatz: 765,2 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 3,2 Prozent

Niederlande

Goldschatz: 612,5 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 59,7 Prozent

Indien

Goldschatz: 557,7 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 9,9 Prozent

Türkei

Goldschatz: 506,3 Tonnen

Europäische Zentralbank (EZB)

Goldschatz: 502,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 32,9 Prozent

Der Preisrutsch nun kam wenige Tage bevor sich die wichtigsten Finanzmister und Notenbankchefs in Washington treffen, um über Anzeichen einer weltweiten Wachstumsverlangsamung zu reden. Der Internationale Währungsfonds hatte gerade seine Prognose für das globale Wachstum auf 3,3 Prozent zurückgestutzt. Im Januar war der IWF noch von 3,5 Prozent Wachstum ausgegangen.

Die schwächeren Aussichten könnten eine Erklärung dafür sein, weshalb es zu dem Ausverkauf bei Gold und anderen Rohstoffen gekommen ist, meint Igor Arsenin, Leiter Zinsstratege bei Barclays. Der Preis für Rohöl der Sorte Brent ist am Dienstag erstmals seit Juli unter die Marke von 100 Dollar je Barrel gesunken. Den Zentralbanken liefere dies eine Rechtfertigung für ihre geldpolitische Lockerung, sagte Jonathan Wright, Professor für Ökonomie an der Hopkins-University in Baltimore. Wright war früher selbst für die Federal Reserve tätig.

„Mit den jüngsten Anzeichen von Konjunkturschwäche halte ich es für unwahrscheinlich, dass die geldpolitischen Anreize in absehbarer Zeit auch nur reduziert werden“, sagte Wright. „Zum vierten Mal in Folge beginnt das Jahr mit Lärm um die bevorstehende Exit-Strategie und dann verläuft alles im Sand“, ergänzte er.

Kommentare (13)

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Account gelöscht!

22.04.2013, 17:29 Uhr

"Mit dem Preisrutsch bei Gold erhalten die machtbewussten Zentralbanker einen weiteren Grund, mit ihrer lockeren Geldpolitik fortzufahren."

So ein Zufall aber auch :D

"Auch einige Ökonomen ändern ihre Meinung – die Angst vor der Inflation sinkt."

Von mir aus....der Knall wird so oder so kommen und wenn jemand meint das Spiel wie momentan geht noch zig Jahre so weiter wird bald aufwachen und sich fragen wie er all den Mist hat glauben können der ihm eingeredet wurde....vonwegen keine Inflation usw.

volkswirt

22.04.2013, 17:34 Uhr

Wenn anstatt z.B. 300000 Billionen Dollar Morgen 900000 Billionen Dollar im Umlauf sind, was passiert mit den Preisen?
Die einfachste Rechnung ist die, alle Produkte verdreifachen sich.
Die komplexere, einige Produkte bleiben konstant (geringe Nachhfrage) andere steigen deutlichan (hohe Nachfrage; knappe Güter).
Der Zeitfaktor ist hier die Unbekannte, denn das Geld wird ja nicht direkt dem Verbraucher gegeben, sondern den Banksystemen. Die geben es dann mit Aufschlägen weiter und ... dann gelangt es beim Verbraucher.
Also, kann man erst dann die Inflation neutral einschätzen, wenn das Geld beim Verbraucher angekommen ist, oder jemand das Geld wieder eingesammelt hat. Wer letzteres glaubt, der muß nur die Verschuldungsentwicklung von Japan verfolgen.
Alle anderen rechnen in einigen Jahren mit der großen Inflation.

Account gelöscht!

22.04.2013, 17:43 Uhr

Der Zusammenhang zwischen Geldmenge und Preisniveau, also Inflation und zwar in Anbetracht der Geldmengenexplosion eine, die sich gewaschen, ist unbestritten - in der langen Frist. Je mehr Zeit sie sich lässt umso schneller und heftiger kann sie dann kommen.

Und was mit dem ganzen Buchgeld gemacht wird, sieht man ja am Goldmarkt. Mittels Derivate spekulieren, auch auf sinkenden Kurse und zwar in einem Umfang, indem man in einer konzertierten Aktion vom price taker zum price maker aufsteigt.

Das mit dem Goldpreiseinbruch hat sich gründlich erledigt seitdem überall bekannt wurde, dass Privatanleger und Kleininvestoren jetzt die Regale leerkaufen, man zahlt inzwischen Zuschläge zu dem "Papiergoldpreis" wenn man physisches Gold dafür bekommen kann...was für eine Verarsche

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