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17.02.2015

07:20 Uhr

Spritpreise steigen wieder

Preisrutsch am Ölmarkt ist erst einmal vorbei

Seit Anfang Februar sind die Preise für Benzin und Diesel wieder gestiegen. Auch bei den Kosten für Heizöl geht es aufwärts. Grund: Die Preise für Rohöl erholen sich nach der Talfahrt der vergangenen Monate wieder.

Verbraucher müssen für Heizöl, Benzin und Diesel wieder tiefer in die Tasche greifen. dpa

Heizöl und Diesel.

Verbraucher müssen für Heizöl, Benzin und Diesel wieder tiefer in die Tasche greifen.

Hamburg/SingapurDie allerschönsten Zeiten für die Autofahrer waren kurz und sind schon wieder vorbei. Mitte Januar waren die Benzin- und Heizölpreise auf den Stand von 2009 zurückgefallen. Ein Liter Superbenzin kostete zeitweise kaum mehr als 1,20 Euro, Diesel unter 1,10 Euro je Liter. Seit Anfang Februar sind die Preise wieder gestiegen.

Für Superbenzin E10 müssen die Autofahrer wieder mehr als 1,30 Euro bezahlen und Dieselkraftstoff liegt im bundesweiten Durchschnitt bei 1,20 Euro je Liter.

Ähnlich sieht es beim Heizöl aus. Von ihrem Tiefststand von 53 Euro für 100 Liter (bei Abnahme von 3000 Litern, inkl. Mehrwertsteuer) vor vier Wochen gingen die Heizölpreise wieder rauf auf 64 Euro. Das sind allerdings immer noch fast 20 Euro weniger als vor einem Jahr.

Meilensteine der Ölpreisentwicklung

Beginne der Ölförderung

Die ersten gewinnbringenden Erdölbohrungen finden Mitte des 19. Jahrhunderts statt. In dieser Zeit entstehen auch die ersten Raffinerien. Bis 1864 steigt der Ölpreis auf den Höchststand von 8,06 Dollar pro Barrel (159 Liter); inflationsbereinigt müssen damals im Jahresdurchschnitt 128,17 US-Dollar gezahlt werden. In den folgenden Jahrzehnten bleibt der Preis auf einem vergleichsweise niedrigen Level, fällt mitunter sogar, bedingt etwa durch den Erfolg der elektrischen Glühlampe, durch die Öl im privaten Haushalt nicht mehr zur Beleuchtung nötig ist.

Vollgas mit Benzin

Mit dem Erfolg des Automobils zu Beginn des 19. Jahrhunderts steigt die Öl-Nachfrage rasant; speziell in den USA, wo der Ford Modell T zum Massenprodukt wird. 1929 fahren insgesamt 23 Millionen Kraftfahrzeuge auf den Straßen. Der Verbrauch liegt 1929 in den Staaten bei 2,58 Millionen Fass pro Tag, 85 Prozent davon für Benzin und Heizöl. Die Preise bleiben allerdings weiter unter fünf Dollar pro Fass (nicht inflationsbereinigt), da auch mehr gefördert wird.

Negative Folgen der Weltwirtschaftskrise

In den 30er Jahren kommt die Große Depression, die Unternehmenszusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit, Deflation und einen massiven Rückgang des Handels durch protektionistische Maßnahmen zur Folge hat. Während der Weltwirtschaftskrise verringert sich die Nachfrage nach Erdöl und der Preis sinkt auf ein historisches Tief. 1931 müssen bloß noch 0,65 Dollar pro Barrel gezahlt werden (inflationsbereinigt etwa zehn US-Dollar). So billig sollte das schwarze Gold nie wieder sei.

Goldene Zeitalter des billigen Öls

Nachdem sich die Weltkonjunktur erholt hat, steigt der Preise für Öl wieder, bleibt aber konstant unter fünf Dollar pro Barrel. Für die Jahre zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Ölkrise im Herbst 1973 spricht man deshalb vom „goldenen Zeitalter“ des billigen Öls.

Erste Ölkrise

In den 70er und 80er Jahren kommt der Ölpreis in Bewegung. Als die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) nach dem Krieg zwischen Israel und den arabischen Nachbarn im Herbst 1973 die Fördermengen drosselt, um politischen Druck auszuüben, vervierfacht sich der Weltölpreis binnen kürzester Zeit. Zum Ende des Jahres 1974 kostet ein Barrel über elf Dollar (inflationsbereinigt fast 55 US-Dollar). Dies bekommen auch Otto-Normal-Bürger zu spüren: In Deutschland bleiben sonntags die Autobahnen leer, in den USA bilden sich Schlangen vor den Tankstellen.

Preisexplosion während des Golfkriegs

Während der zweiten Ölkrise in den Jahren 1979/1980 zieht der Ölpreis nach einem kurzfristigen Rückgang weiter an. Ausgelöst wird dies im Wesentlichen durch Förderungsausfälle und Verunsicherung nach der Islamischen Revolution. Nach dem Angriff Iraks auf Iran und dem Beginn des Ersten Golfkrieg explodieren die Preise regelrecht. Auf dem Höhepunkt im April 1980 kostet ein Barrel 39,50 Dollar (inflationsbereinigt 116 Dollar).

Niedrigpreise in den 80er und 90er Jahren

Die 80er und 90er Jahre sind – abgesehen von dem kurzzeitigen Anstieg verursacht durch den Zweiten Golfkrieg – eine Phase niedriger Ölpreise. Die Industriestaaten befinden sich in einer Rezession und suchten aufgrund vorhergehenden Ölkrisen mit besonders hohen Preisen nach alternativen Energiequellen. Weltweit gibt es Überkapazitäten. Während der Asienkrise 1997/1998 sinkt die Nachfrage weiter. Ende des Jahres 1998 werden 10,65 Dollar pro Barrel verlangt.

Ein rasanter Anstieg

Nach Überwindung der Krise wachsen die Weltwirtschaft und damit auch der Ölbedarf schnell. Selbst die Anschläge auf das World Trade Center 2001 sorgen nur für einen kurzen Rücksetzer. Anfang 2008 steigt der Ölpreis erstmals über 100 US-Dollar je Barrel, Mitte des Jahres sogar fast auf 150 Dollar. Ein Grund für den Preisanstieg war der Boom des rohstoffhungrigen China, mittlerweile zweitgrößter Verbraucher der Welt. Die Finanzkrise ließ den Preis Ende 2008 allerdings wieder abstürzen.

Ölpreis heute

Ein weltweites Überangebot hält die Preise weiterhin auf niedrigem Niveau. Aktuell kostet ein Barrel Brent rund 30 US-Dollar.

Die beiden wichtigsten Faktoren, die in Deutschland die Endpreise für Ölprodukte bestimmen, entwickelten sich zuletzt gegen die Verbraucher. Die Ölpreise haben am Dienstag zugelegt. Eine Warnung der Internationalen Energie-Agentur (IEA) vor Nachschub-Problemen hat Rohöl am Dienstag weiter verteuert. Der Terminkontrakt auf die richtungsweisende Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee zog um 1,2 Prozent auf 62,14 Dollar je Barrel an. Damit summiert sich das Plus der vergangenen Tage auf fast 15 Prozent.

Dem IEA-Chefvolkswirt Fatih Birol zufolge hemmen die Vorstöße der Miliz Islamischer Staat (IS) die Investitionstätigkeit im Nahen Osten. Die könnte in den kommenden Jahren zu einem Angebotsengpass führen.

Analyst Daniel Ang von Phillip Futures bezeichnete die jüngsten Preissteigerungen allerdings als überzogen. Sie seien weder durch charttechnische noch durch fundamentale Gründe gedeckt. "Der Markt beäugt diese Rally immer argwöhnischer", warnte er. Dies zeigten die Daten der US-Derivatebörsenaufsicht CFTC, denen zufolge spekulativ orientierte Anleger ihre Wetten auf weiter steigenden Kurse wieder zurückführen.

Nach Einschätzung des Ölministers des Opec-Landes Katar, Mohammed Al-Sada, gibt es Hinweise auf eine Trendwende am Ölmarkt und die Aussicht auf weiter steigende Preise. Der Ölminister von Kuweit, Ali Al-Omair, sagte, dass das Angebot an Rohöl auf dem Weltmarkt geringer sei als bisher angenommen. Zuletzt hatte ein Rückgang der Ölbohrungen in den USA für eine deutliche Erholung der Ölpreise gesorgt.

Der Preisanstieg liegt bei rund 20 Prozent. Gleichzeitig schwächelt schon seit längerem der Euro. Inzwischen ist er nur noch 1,14 Dollar wert. Vor einem halben Jahr waren es noch 1,35 Dollar. Der schwache Euro macht das in Dollar gehandelte Rohöl ebenfalls teurer.

Im vergangenen Jahr hat Deutschland vom Preisverfall beim Rohöl kräftig profitiert. Bei leicht rückläufigen Importen von 89,3 Millionen Tonnen (minus 1,4 Prozent) verringerte sich die Ölrechnung um 5,8 Milliarden auf 49,6 Milliarden Euro. Das heißt: Wirtschaft und Verbraucher wurden um fast sechs Milliarden Euro entlastet.

Die spannende Frage lautet nun: Wie geht es weiter? Die Expertenwelt zeigte sich selten so verunsichert und unklar in ihren Prognosen wie in diesen Tagen. Bankanalysten, Wirtschaftsforscher und Akteure auf den Märkten sehen sowohl Gründe für steigende wie auch für fallende Preise in diesem und den nächsten Jahren. Gut möglich scheint auch ein anhaltender Seitwärtstrend in den kommenden Monaten.

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