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01.07.2014

09:42 Uhr

St. Kitts und Nevis

Mit Bitcoins in die Karibik

Eine Villa auf einer sonnigen Tropeninsel, ein neuer Pass und keine Steuern: Was nach James Bond klingt, ist für Bitcoin-Besitzer jetzt möglich. Anbieter ist ein Ex-Sträfling.

Das Bitcoin-Logo: Die virtuelle Währung, die aktuell bei rund 450 Euro notiert, wird auch zu allerlei krummen Geschäften genutzt. Reuters

Das Bitcoin-Logo: Die virtuelle Währung, die aktuell bei rund 450 Euro notiert, wird auch zu allerlei krummen Geschäften genutzt.

Er ist in der Welt der virtuellen Währungen als „Bitcoin Jesus” bekannt. Den Himmel auf Erden kann er zwar nicht versprechen, dafür aber eine Zuflucht bieten: Eine Villa in der Karibik – zusammen mit einem neuen Pass und fast überhaupt keinen Steuern. Die Rede ist von Roger Ver, Ex-Staatsbürger der Vereinigten Staaten, Ex-Sträfling und Millioneninvestor, der sich selbst als Freiheitsapostel bezeichnet.

Zum stetig wachsenden Angebot an Gütern und Diensten, die mit Bitcoins erstanden werden können, gehören aktuell Hotelaufenthalte in Rom, Kimonos in Tokio und Kabelfernsehen-Abonnements in den USA. Ver fügt dieser Liste nun eine Staatsbürgerschaft hinzu. Er gründete im April diesen Jahres die Website passportsforbitcoin.com, auf der Auswanderungswillige sich für Bitcoins eine Staatsbürgerschaft des Karibikstaats St. Kitts und Nevis kaufen können.

Die zwei sonnenverwöhnten Inseln liegen etwa drei Flugstunden von Miami im US-Bundesstaat Florida entfernt. St. Kitts bietet bereits seit 1984 ein Staatsbürgerschaft-gegen-Investment-Programm, steht auf der Website des Landes. Wer auf den Tropeninseln 400.000 Dollar (rund 294.000 Euro) für Immobilien hinblättert und zusagt, sie mindestens fünf Jahre zu behalten, der bekommt einen Pass. Alternativ können Asylsuchende dem Staat 250.000 Dollar spenden.

Die wichtigsten Fragen zu Bitcoins

Was sind Bitcoins?

Bitcoins (BTC) sind verschlüsselte Datenpakete aus Zahlen und Buchstaben.

Wer hat Bitcoins erfunden?

Als Erfinder gibt sich jemand aus, der auf einer Kryptografie-Mailingliste unter dem Namen Satoshi Nakamoto auftrat – vermutlich ein Pseudonym, möglicherweise steckt sogar eine Gruppe dahinter. Er umriss das Konzept 2008 in einem Grundsatzpapier und brachte 2009 eine Software zum Bitcoin-Austausch heraus. Mittlerweile kümmert sich eine kleine Community von Entwicklern darum – der Quellcode liegt offen.

Wozu sind Bitcoins gut?

Für die einen sollen Bitcoins ein anonymes Zahlungsmittel im Internet sein, das Systeme wie Paypal unnötig macht. Andere sehen Bitcoins als alternatives Wertaufbewahrungsmittel. Wieder andere glauben an eine mit dem Goldstandard vergleichbare Sicherheitsfunktion.

Als weltweit erste nennenswerte Transaktion gilt der Kauf zweier Pizzen für 10.000 BTC. Auch für illegale Zahlungen kommt die Währung zum Einsatz, etwa auf der inzwischen geschlossenen Online-Plattform Silk Road.

In Deutschland sind Bitcoins noch nicht sehr verbreitet. In Onlineshops wie Schuhwelt.com sowie in mehreren Berliner Kneipen kann man mit Bitcoins zahlen – allerdings tun Kunden das bislang nur in Einzelfällen.

Wie entstehen neue Bitcoins?

Neue Bitcoins müssen berechnet werden. Anfangs konnte jeder PC Bitcoins „schürfen“. Inzwischen sind die Rechnungen so komplex geworden, dass sie nur noch Hochleistungscomputer bewältigen. Professionelle Bitcoin-Schürfer koppeln ihre Computer zusammen.

Wie viele Bitcoins gibt es?

Die Anzahl der Bitcoins ist mathematisch auf maximal 21 Millionen begrenzt. Je größer die umlaufende Menge ist, desto aufwendiger wird, neue Einheiten zu berechnen. Professor Rainer Böhme von der Uni Münster geht davon aus, dass der letzte Bitcoin im Jahr 2140 erzeugt wird.

Wo werden Bitcoins gehandelt?

Im Internet gibt es etwa 60 Umschlagplätze für Bitcoins. Die mit Abstand größte Börse war lange Zeit Mt. Gox mit Sitz in Tokio. Doch die Japaner meldeten Insolvenz an. Weitere Tauschbörsen sind Coinbase, Kraken, BitStamp, Circle und BTC China. Die nach eigenen Angaben größte Bitcoin-Börse in Deutschland, Bitcoin.de, hat ihren Sitz in Herford bei Bielefeld.

Wie hat sich der Kurs entwickelt?

Seit dem Start 2009 haben Bitcoins stark zugelegt. Im Dezember 2013 kostete ein Bitcoin mehr als 1100 Dollar. Nach der Pleite der Handelsplattform Mt. Gox Anfang 2014 rutschte der Kurs enorm ab. Zum Jahreswechsel 2014 steht er etwas über 300 Dollar.

Ist der Handel mit Bitcoins legal?

In Deutschland können Nutzer laut Bafin ohne Erlaubnis mit der Cyber-Währung bezahlen. Auch das so genannte „Mining“ – die Schöpfung von Bitcoins – ist erlaubt. Allerdings können beim Rücktausch in Euro Steuern fällig werden.

von Andreas Dörnfelder

Der Pass ermöglicht der visumfreies Reisen in 120 Länder. Man muss laut Webseite nicht einmal in der Karibik wohnen. Außerdem gibt es auf St. Kitts keine Einkommens- oder Kapitalertragssteuer, und die restriktiven Datenschutzgesetze schirmen externe Kontrollen ab, erklärt die auf Steuerparadiese spezialisierte Denkfabrik Tax Justice Network. „Die Regierung von St. Kitts ist viel libertärer als die Vereinigten Staaten”, sagt Ver. „Alle frühen Bitcoin-Nutzer wären lieber Staatsbürger von St. Kitts. Sie müssen natürlich über entsprechende Mittel verfügen.”

Auch Ver, der durch den Handel mit Computerbauteilen bereits mit 25 Jahren zum Millionär wurde, hat früh in die virtuelle Währung investiert. 2011 kaufte er Zehntausende Bitcoins, die damals etwa ein Dollar pro Stück kosteten. Laut CoinDesk-Preisindex werden sie nun für etwas über 600 Dollar (rund 450 Euro) gehandelt. Den Spitznamen „Bitcoin Jesus” erhielt er, weil er schon in den frühen Tagen der virtuellen Währung jedem, der zuhörte, die Vorteile von Bitcoins predigte. Mittlerweile spricht er regelmäßig auf Branchenkonferenzen. Ver stellte auch Startkapital für ein Dutzend bekannter Bitcoin-Firmen bereit, wie dem Bitcoin-Handelsplatz „Kraken“ und „Blockchain“, einem Anbieter von Online-Geldbeuteln zur Lagerung der virtuellen Währung.

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