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29.01.2010

13:24 Uhr

Staatsanleihen

Märkte misstrauen Finanzsündern der Euro-Zone

VonAndrea Cünnen, Dirk Heilmann, Dorit Marschall

Die Hochdefizitländer im Euro-Raum haben die Anleger mit ihren Sparplänen enttäuscht. Darum wachsen nun die Zinsaufschläge für Staatsanleihen der EU-Problemkinder auf Rekordhöhe. Ökonomen warnen vor unnötiger Panikmache und halten die hohen Risikoprämien für übertrieben.

Die Zinsaufschläge für Staatsanleihen steigen derzeit massiv. ap

Die Zinsaufschläge für Staatsanleihen steigen derzeit massiv.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Die desolaten griechischen Staatsfinanzen werden zu einer immer stärkeren Belastung für die Euro-Zone. Gestern trieben Anleger die Risikoprämie für griechische Anleihen auf neue Rekordhöhen. Auch die Zinsaufschläge für Staatspapiere anderer Euro-Länder stiegen. Analysten und Investoren zeigten sich unzufrieden mit den Plänen zur Haushaltssanierung in Griechenland und Portugal. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) warnte vor möglicherweise fatalen Folgen für die Euro-Zone. Die meisten Ökonomen halten aber ein Auseinanderbrechen der Währungsunion und Staatsbankrotte nach wie vor für sehr unwahrscheinlich.

Die Griechen müssen allerdings inzwischen für zehnjährige Anleihen mehr als sieben Prozent Rendite zahlen - mehr als doppelt so viel wie Deutschland. Die Freude der Märkte über den gelungenen Verkauf griechischer Staatsanleihen für acht Mrd. Euro am Montag währte nur kurz. Erneut zogen auch die Risikoprämien für Portugal, Irland, Spanien und Italien an - diese Ländergruppe wird an den Märkten inzwischen als "PIIGS" bezeichnet.

Dabei sind die Probleme der schwächeren Euro-Staaten höchst unterschiedlich gelagert. "Die heutigen Probleme Griechenlands sind Folge der Politik nach dem Euro-Beitritt. Das Land hat die niedrigeren Zinsen im Euro-Raum genutzt, um sich stärker zu verschulden", sagte Roland Döhrn, Leiter der Wachstums- und Konjunkturabteilung beim Forschungsinstitut RWI Essen. Im Gegensatz dazu hätten Iren und Spanier eine solide Haushaltspolitik verfolgt, litten aber unter dem Einbruch ihrer Immobilienmärkte.

Auch die Analysten sehen Griechenland als Sorgenkind Nummer eins, warnen aber, dass in Spanien und Irland die Dynamik der Neuverschuldung sehr stark sei. Das Bankhaus Credit Suisse rechnet damit, dass Irlands Schuldenberg auf 150 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) steigen wird und damit höher als die 130 Prozent Griechenlands. Hauptgrund dafür sind Risiken aus der Rettung der Banken, von denen die Regierung in Dublin Verpflichtungen im Volumen von 35 Prozent des BIP übernommen hat. Für Spanien sieht die Commerzbank wegen des anhaltend schwachen Wachstums mittelfristig nach Griechenland die größten Risiken.

Irland und Spanien waren die ersten Länder, die trotz tiefer Rezession im vergangenen Jahr mit der Haushaltssanierung begonnen haben. Beide erhöhten Einkommens- und Verbrauchssteuern, und die Iren strichen auch die Staatsausgaben zusammen. Griechenland hingegen legte erst vor kurzem auf massiven Druck der EU ein Sparprogramm vor. Es soll die Einnahmen um sieben Mrd. Euro erhöhen und die Ausgaben um 3,6 Mrd. Euro senken, unter anderem durch einen Einstellungsstopp für den öffentlichen Dienst.

Am Dienstag stellte auch die portugiesische Regierung einen Sparhaushalt vor, der unter anderem die Gehälter im öffentlichen Dienst einfriert und eine Sondersteuer auf Boni einführt. Die Märkte senkten aber den Daumen, weil der Haushalt das Defizit nur von 9,3 Prozent auf 8,3 Prozent des BIP reduzieren soll. Portugal müsse viel mehr tun, um bis 2013 wie angekündigt auf drei Prozent herunterzukommen, bemängelten unisono die drei großen Ratingagenturen. Alle drei prüfen derzeit eine Herabstufung der Länder-Bonitätsnote für Portugal.

Kommentare (1)

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CrisisMaven

29.01.2010, 16:01 Uhr

Dieses Misstrauen ist auch mehr als begruendet, haben doch die grossen Euro-Staaten in AbSOLUTEN Zahlen gerechnet das Defizit weit mehr ueberschritten als das relativ unbedeutende Griechenland: http://crisismaven.wordpress.com/2010/01/24/will-greeces-default-bring-down-the-euro/

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