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03.12.2015

11:46 Uhr

Standard Chartered

„Euro-Reserven schwinden wegen Draghi”

Mario Draghi ist im Begriff, den Geldhahn für Europa weiter aufzudrehen. Das schwächt den Euro. Die Notenbanken weltweit rechnen deshalb mit Verlusten – und verkaufen massenweise ihre Euro-Reserven.

Parität in Sicht?

So profitieren Anleger vom schwachen Euro

Parität in Sicht?: So profitieren Anleger vom schwachen Euro

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Frankfurt/SingaburWeltweit haben mehrere Zentralbanken ihre Euro-Positionen nach Einschätzung der Bank Standard Chartered teilweise oder vollständig verkauft. Der Grund: Sie rechnen mit Verlusten aufgrund der beispiellosen Lockerungsmaßnahmen der Europäischen Zentralbank.

Daten des Internationalen Währungsfonds zeigten, dass der Anteil des Euro an den weltweiten Reserven seit dem vergangenen Jahr zurückgegangen sei, was die Kursverluste der Währung widerspiegele, sagte Jukka Pihlman, Leiter Zentralbanken und Staatsfonds bei Standard Chartered in Singapur. Die IWF-Zahlen böten jedoch kein vollständiges Bild, da der Abbau der Euro- Positionen stärker ausgeprägt sei bei Ländern, die keine Details der Zusammensetzung ihrer Währungsreserven an den IWF meldeten. Welche Länder genau betroffen seien, sagt Pihlman nicht.

Gedankenspiele: Die Optionen der EZB

Kaufprogramm verlängern

Bislang sind die Anleihekäufe bis September 2016 terminiert. Die EZB könnte sie so lange fortführen, bis ihr Inflationsziel von knapp zwei Prozent erreicht ist.

Kaufvolumen erhöhen

Das Volumen der Wertpapierkäufe von aktuell 60 Milliarden Euro pro Monat ließe sich anheben. Damit einzelne Staatsanleihen nicht knapp werden, könnte die EZB den Einlagenzins senken oder die Auswahl der gekauften Anleihen erhöhen.

Anleihesortiment anpassen

Die EZB könnte zum Beispiel auch Anleihen von Städten, Bundesländern oder sogar Unternehmen kaufen.

Einlagenzins senken

Banken, die über Nacht Geld bei der EZB parken, zahlen aktuell einen Strafzins von 0,2 Prozent. Ein höherer Strafzins wäre im Rat leichter durchzusetzen. Er könnte gestaffelt werden und würde dann erst gelten, wenn die bei der EZB geparkte Liquidität einer Bank eine Obergrenze überschreitet.

Seit Ende 2013 hat der Euro 23 Prozent gegenüber dem Dollar abgegeben und steuert auf den größten Zweijahresverlust seit seiner Einführung zu. Am Donnerstag vor dem Dezember-Zinsentscheid der EZB verlor die Gemeinschaftswährung abermals deutlich an Boden und notierte zuletzt 0,5 Prozent tiefer bei 1,05 US-Dollar. Einige Experten – etwa die Analysten der Investmentbank Goldman Sachs – rechnen damit, dass die Währung im Laufe des Tages auf 1,03 Us-Dollar abrutscht. Damit wäre die Euro-Dollar-Parität kein Zukunftsszenario mehr. EZB-Präsident Mario Draghi signalisierte im Oktober, dass die Zinsentscheider bereit sind, die Konjunkturmaßnahmen auf ihrer Sitzung am heutigen Donnerstag auszuweiten. Im März hatte die Notenbank ein Wertpapierkaufprogramm im Volumen von 1,1 Billionen Euro eingeleitet.

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Die Spannung an den Märkten ist immens: Heute beschließt die Europäische Zentralbank wohl eine weitere Lockerung der Geldpolitik. Doch was erwarten die Märkte? Und wie heftig werden die Kursschwankungen?

„Wir haben in Einzelberichten festgestellt, dass Zentralbanken ihre Euro-Positionen reduziert haben, in einigen Fällen sehr deutlich”, erläuterte Pihlman, der früher für den IWF tätig war, am Mittwoch in einem Interview mit Bloomberg. „Die Negativzinsen im Euro sind mit Sicherheit ein Faktor gewesen, aber das langsame Wachstum und die Erwartung weiterer Abwertungen haben ebenfalls eine Rolle gespielt.”

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