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23.08.2013

10:25 Uhr

Starke Nachfrage

Ist der Goldpreis am Wendepunkt?

Schmuckhändler erhalten regen Zulauf privater Anleger. Auch die Notenbanken kaufen kräftig Gold ein. Grund genug für einige Analysten an einen Wendepunkt beim Goldpreis zu glauben. Doch es gibt auch Skeptiker.

Goldbarren in verschiedenen Größen. Private Käufer in Asien greifen beim Edelmetall kräftig zu. dpa

Goldbarren in verschiedenen Größen. Private Käufer in Asien greifen beim Edelmetall kräftig zu.

Mumbai/FrankfurtDie Verluststrecke bei Gold, die in diesem Jahr 56 Milliarden Dollar an Wert vernichtet hat, hat die Nachfrage der Konsumenten aus Indien und China angeheizt. Die Analysten von JPMorgan Chase und der Bank of America gehen daher von einer Bodenbildung des Edelmetallpreises aus.

Das World Gold Council rechnet damit, dass die Verkäufe von Schmuck, Münzen und Barren in diesem Jahr in China und Indien jeweils 1000 Tonnen erreicht haben werden. Damit würde der bisherige chinesische Rekord von 778,6 Tonnen 2011 übertroffen und der indische Höchstwert von 1006,5 Tonnen aus dem Jahr 2010 nahezu erreicht.

Preise, die fast 30 Prozent unter dem Rekordstand von 1921,15 Dollar aus dem September 2011 liegen, haben die asiatischen Käufer angelockt. „Wenn immer wir etwas Geld übrig haben, überlegen wir uns, ein paar Gold-Schmuckstücke zu kaufen”, sagte Wang Xiang, ein 70 Jahre alter Mann aus der ostchinesischen Provinz Anhui, nachdem er einen Goldanhänger für seinen Enkel erworben hatte. „Wir wissen nicht, wie wir sonst investieren sollten, und dies ist die traditionelle Art, das Vermögen zu schützen.”

Goldnachfrage weltweit (in Tonnen)

2003

Schmuck: 2.484
Barren und Münzen: 304
ETFs: -
Industrie: 386
Zentralbanken: -620
Gesamt: 2.594 Tonnen

2004

Schmuck: 2.616

Barren und Münzen: 355

ETFs: 133

Industrie: 419

Zentralbanken: -479

Gesamt: 3.044

2005

Schmuck: 2.719

Barren und Münzen: 396

ETFs: 208

Industrie: 438

Zentralbanken: -663

Gesamt: 3.098

2006

Schmuck: 2.300

Barren und Münzen: 414

ETFs: 260

Industrie: 468

Zentralbanken: -365

Gesamt: 3.077

2007

Schmuck: 2.423

Barren und Münzen: 435

ETFs: 253

Industrie: 476

Zentralbanken: -484

Gesamt: 3.104

2008

Schmuck: 2.304

Barren und Münzen: 869

ETFs: 321

Industrie: 461

Zentralbanken: -235

Gesamt: 3.720

2009

Schmuck: 1.814

Barren und Münzen: 780

ETFs: 623

Industrie: 410

Zentralbanken: -34

Gesamt: 3.593

2010

Schmuck: 2.017

Barren und Münzen: 1.205

ETFs: 382

Industrie: 466

Zentralbanken: 77

Gesamt: 4.147

2011

Schmuck: 1.972

Barren und Münzen: 1.515

ETFs: 185

Industrie: 453

Zentralbanken: 457

Gesamt: 4.582

2012

Schmuck: 1.908

Barren und Münzen: 1.256

ETFs: 279

Industrie: 428

Zentralbanken: 535

Gesamt: 4.405

2013

Schmuck: 2.671

Barren und Münzen: 1.702

ETFs: - 916

Industrie: 354

Zentralbanken: 625

Gesamt: 4.436

2014

Schmuck: 2.457

Barren und Münzen: 1.004

ETFs: - 183

Industrie: 347

Zentralbanken: 588

Gesamt: 4.212

Q1 2015

Schmuck: 601

Barren und Münzen: 253

ETFs: 26

Industrie: 80,4

Zentralbanken: 119

Gesamt: 1.079
Auf das Jahr hochgerechnet: 4.316

Dies spiegelt sich auch im Absatz der Juweliere in China und Indien wider. Während die Verkäufe in China in der ersten Jahreshälfte um 45 Prozent auf 571,2 Tonnen anzogen, legten sie in Indien um 48 Prozent auf 567,5 Tonnen zu, schätzt das Gold Council. Die weltweite Nachfrage zog um 32 Prozent auf 2.040,2 Tonnen an.

Auch die Notenbanken stehen auf der Käuferseite. Ihre Käufe hatten mit 534,6 Tonnen im vergangenen Jahr den höchsten Zuwachs seit 1964 erreicht. Sie könnten in diesem Jahr 350 weitere Tonnen erwerben, schätzt das Gold Council.

Die physische Nachfrage kontrastiert mit den Rekordverkäufen durch börsengehandelte Fonds. Nach einem Spitzenwert von 2632,5 Tonnen im Dezember vergangenen Jahres kommen sie nun noch auf einen Bestand von 1948,3 Tonnen, wie Daten von Bloomberg zeigen. Immerhin haben sich die Abflüsse verlangsamt. Seit Anfang August haben börsennotierte Goldprodukte 23,2 Tonnen verkauft, was das geringste Ausmaß seit Januar ist. Trotzdem summieren sich die Abflüsse in diesem Jahr auf 683,6 Tonnen und haben damit fast schon das Niveau von 700 Tonnen erreicht, das die Analysten von Barclays für das Gesamtjahr erwarten.

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Kommentare (7)

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Deutsches_Eigentum

23.08.2013, 10:57 Uhr

Gold sollte schnellstens von England und Frankreich nach Deutschland geholt werden. Sollte nicht so lange brauchen wie von Amerika. Oder gehört uns diese Gold nicht weil wir noch von diesen
Ländern belagert sind?

Account gelöscht!

23.08.2013, 11:32 Uhr

Jede Unze Gold, die physisch existert, wird 100 mal virtuell in der Zukunft verkauft und verliehen

Wie? Die Gechäftsbanken drucken ihr eigenes Computer-Giralspielgeld und gehen damit in´s global Casino, aus 1 EUR Zentralbankgeld werden bis zu 500 EUR Computer-Giralspielgeld, Casino-Chips, dieses System existiert seit ca. einem Jahrhundert. Gehen die Wetten auf, werden riesige Boni ausgezahlt, geht es schief, muss der Steuerzahler ganz schnell neue Schulden aufnehmen (bei eben diesen Banken)

Ich werde nie verstehen, dass dieses Jahrtausend-Betrugssystem von den Menschen blind und gedankenlos akzeptiert wird.

Was Gold betrifft finde ich Spreads zwischen dem Papiergold-Casinopreis und dem realen Straßenpreis, wie zuletzt in Indien ein spannendes Thema...

Numismatiker

23.08.2013, 12:20 Uhr

"Gold sollte schnellstens von England und Frankreich nach Deutschland geholt werden."

Das ist bereits in Arbeit:

http://www.telegraph.co.uk/finance/financialcrisis/9631962/Bundesbank-slashed-London-gold-holdings-in-mystery-move.html

http://www.zerohedge.com/news/2012-10-24/why-did-bundesbank-secretly-withdraw-two-thirds-its-london-gold

und

http://www.spiegel.de/wirtschaft/bundesbank-holt-700-tonnen-gold-aus-new-york-und-paris-nach-frankfurt-a-877931.html

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