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26.04.2015

09:16 Uhr

Starker Franken und die Folgen

Leiden auf Schweizer Niveau

Der starke Franken treibt seltsame Blüten: Ein Pfarrer schmuggelt Fleisch über die Grenze. Deutsche Immobilien sind bei Schweizern auf einmal heiß begehrt. Und die Schweizer Nationalbank muss Strafzinsen einführen.

Als der Franken im Januar dieses Jahres vom Euro entkoppelt wurde, wurde er für europäische Anleger als Investment attraktiv. Für die Schweizer wurden Waren außerhalb ihres Landes billiger. dpa

Franken-Euro-Freigabe in der Schweiz

Als der Franken im Januar dieses Jahres vom Euro entkoppelt wurde, wurde er für europäische Anleger als Investment attraktiv. Für die Schweizer wurden Waren außerhalb ihres Landes billiger.

ZürichEr ist nicht der bekannteste, aber wohl längst der begehrteste Schweizer: Jacob Burckhardt. Das Konterfei des Basler Kulturhistorikers (1818-1897) ist auf der Eintausend-Franken-Note abgebildet - dem weltweit wertvollsten Geldschein, der heute noch gedruckt wird (derzeit 960 Euro). Seit Monaten übersteigt die Nachfrage nach „Burckhardts“ bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) alle Erwartungen. Eine wichtige Ursache dafür ist die anhaltende Schwäche der europäischen Gemeinschaftswährung.

Seit die SNB am 15. Januar die Bindung des Franken an den Euro über einen Mindestkurs aufhob, ist der Kurs der Schweizer Währung - sie gilt vielen als sicherer Hafen in Krisenzeiten - um fast 20 Prozent beinahe auf 1:1 zum Euro angestiegen. Den Mindestkurs durch massive Euro-Aufkäufe in mehrfacher Millionenhöhe zu verteidigen, sei nicht mehr durchzuhalten, erklärte die SNB.

Die Schweizer Wirtschaft, Deutschland und die EU

Reger Warenaustausch

Zwischen der Schweiz und der EU besteht ein reger Warenaustausch. Die Schweiz exportierte 2013 nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWI) Waren im Wert von rund 90 Milliarden Euro (54,9 Prozent der Ausfuhren) in die Mitgliedstaaten der Europäischen Union.

Importe

Importiert wurden aus den Mitgliedstaaten der EU Waren im Wert von rund 108 Milliarden Euro (74,4 Prozent der gesamten Einfuhren).

Viertwichtigster Handelspartner

Die Schweiz ist viertwichtigster Handelspartner der EU nach USA, China und Russland. Exportiert werden Pharmazeutika, Industriemaschinen, Präzisionsinstrumente, Uhren.

Deutschland

Deutschland ist laut BMWI Zielland für rund ein Drittel der schweizerischen Exporte. Knapp ein Fünftel der schweizerischen Importe stammen aus Deutschland. Deutschland ist somit der mit Abstand wichtigste Wirtschaftspartner der Schweiz.

Wichtige Handelsbeziehungen

Aber auch für Deutschland sind die Handelsbeziehungen zur Schweiz von „enormer“ Bedeutung, schreibt das BMWI auf seiner Webseite. Die Schweiz nimmt demnach in der Rangliste der wichtigsten deutschen Handelspartner den 8. Rang sowohl bei den Exporten als auch bei den Importen ein.

Mehr deutsche Produkte

2012 hatte die vergleichsweise kleine Schweiz (acht Millionen Einwohner) wertmäßig mehr deutsche Produkte eingeführt als beispielsweise Russland (142 Millionen Einwohner), Japan (127 Millionen Einwohner) oder Polen (38 Millionen Einwohner).

Deutsche in der Schweiz

290.000 Deutsche leben und arbeiten laut BMWI in der Schweiz. Deutsche bilden damit nur noch knapp nach Italienern (15,9 Prozent) die zweitstärkste Ausländergruppe (15,2 Prozent).

Um den Höhenflug der Eidgenossen-Währung nach Aufgabe des Mindestkurses von 1,20 zu bremsen, ordnete die SNB Strafzinsen von 0,75 Prozent für große Franken-Einlagen an. Da bieten die praktischen Tausender ein wenig Erleichterung: Gebündelt kann man so Millionen Franken in Bankschließfächern bunkern. Laut Recherchen der Schweizer „Sonntags-Zeitung“ fallen für Transport, Tresormiete und Versicherung Kosten von 0,5 Prozent an - weniger als die Negativzinsen der SNB. So ließen sich „pro 10 Millionen rund 25 000 Franken sparen“. Selbst Pensionsfonds würden dies nutzen.

Der Run auf die Tausender ist nicht die einzige seltsame Blüte der Frankenstärke. Weil bei den Nachbarn (abgesehen vom Fürstentum Liechtenstein, das ebenfalls den Franken hat) alles billiger als daheim ist, frönen Hunderttausende der rund acht Millionen Schweizer dem Einkaufstourismus. Besonders zur Freude von Handel und Gastronomie im nahen Baden-Württemberg, während zugleich grenznahe Schweizer Händler stöhnen.

Parallel zum legalen Auslands-Shopping nimmt der Schmuggel zu, auch durch Gewerbetreibende. Schlagzeilen wie diese gehören zum Alltag: „300 Kilogramm Fleisch im Kofferraum versteckt“. Zollfrei erlaubt ist pro Tag und Person ein Kilo. Doch die Verlockung ist groß, wenn etwas anderswo kaum die Hälfte kostet. Fast resignierend titelte die „Neue Zürcher Zeitung“: „Wenn selbst der Pfarrer Fleisch schmuggelt“. Ein Geistlicher war bei der Rückkehr aus Frankreich mit 30 Kilo Fleisch erwischt worden - für eine Grillparty, wie er angab.

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