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08.04.2014

16:44 Uhr

Studie

Spekulanten verstärken die Extreme

VonJörg Hackhausen

ExklusivAn den Rohstoffmärkten kommt es zu seltsamen Ausschlägen. Jüngstes Beispiel: Der Kaffeepreis steigt rasant. Was steckt dahinter? Eine neue Studie belegt, dass Spekulation eine entscheidende Rolle spielt.

Händler an einer Rohstoffbörse: Spekulation kann Preisspitzen verstärken. Imago

Händler an einer Rohstoffbörse: Spekulation kann Preisspitzen verstärken.

DüsseldorfKaffee ist nicht nur das liebste Heißgetränk der Deutschen. Auch bei Investoren an den internationalen Rohstoffmärkten erfreut sich die Bohne gerade großer Beliebtheit. Die Zahl der Spekulanten, die auf einen steigenden Kaffeepreis wetten, hat schnell zugenommen. Gleichzeitig ist der Preis für Kaffee geklettert. Am Rohstoffmarkt kostet die Sorte Arabica gut 70 Prozent mehr als zu Beginn des Jahres. Mehr Spekulanten, steigende Preise – es braucht nicht viel Fantasie, um einen Zusammenhang zu konstruieren. Aber lässt sich dieser auch beweisen?

Die Frage, wie Finanzinvestoren die Rohstoffpreise beeinflussen, wird seit Jahren heiß diskutiert, teils ideologisch motiviert, nicht immer mit sachlichen Argumenten. Für Verbraucherschützer steht fest, dass Spekulanten die Preise in die Höhe treiben. Einen letzten Beweis sind sie bislang schuldig geblieben, so dass sich Banker immer darauf zurückziehen können, alles sei lediglich eine Frage von Angebot und Nachfrage.

Jetzt belegt eine wissenschaftliche Studie: Die Nachfrage von Finanzinvestoren wirkt zumindest als Verstärker von extremen Ausschlägen an Rohstoffbörsen. Das ist das Ergebnis einer Analyse des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC). „Die reale Nachfrage aus boomenden Schwellenländern wie etwa China kann die enormen Preissprünge alleine nicht erklären“, sagt Nicolas Koch, Autor der Studie. Das MCC ist eine gemeinsame Gründung der Stiftung Mercator und des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

Die Untersuchung, veröffentlicht im Fachmagazin „Energy Economics“, bezieht sich auf die Preisentwicklung von Energierohstoffen wie Öl und Gas in den Jahren zwischen 2006 und 2012. Die Ergebnisse könnten aber auch Rückschlüsse auf andere Rohstoffe zulassen, die an Börsen gehandelt werden. Anders als in vorherigen Studien liegt der Fokus allein auf den Preisspitzen, also den extremen Ausschlägen. Diesen wurden die offenen Positionen von spekulativ orientierten Anlegern wie etwa Hedge Fonds gegenübergestellt. Daten dazu veröffentlicht die Commodity Futures Trading Commission (CFTC), die Aufsichtsbehörde für die US-Terminmärkte.

Fazit der Analyse: Immer wenn der Preis extrem ausschlägt, sind die Spekulanten besonders aktiv. „Spitzenpreise an den Rohstoffbörsen gehen mit massiven Käufen von Hedgefonds einher. Einbrüche hängen umgekehrt mit den massiven Verkäufen der Fonds zusammen“, sagt Koch. Auffällig sei etwa, dass Finanzmarktakteure in Krisenzeiten verschiedene Rohstoffe aufgrund von Liquiditätsengpässen zum gleichen Zeitpunkt verkaufen – und so die Talfahrt in allen Rohstoffmärkten verstärken.

Kommentare (6)

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08.04.2014, 18:51 Uhr

So funktioniert der nette Kapitalismus. Mit allem wird spekuliert. Wer, wie und wo darunter evtl. leidet spielt schliesslich keine Rolle. Das Wichtige sind die schnell geangelten Rendite auf den Konten der kleinen Minderheit.

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08.04.2014, 18:59 Uhr

Mal wieder eine Studie die nur die hälfte erzählt und zum falschen schluß kommt. Ja das kaufen der Spekulanten erhöht die Preise -erstmals. Ist eigentlich jemanden in schon mal in den Sinn gekommen, das genau diese Spekulanten ihr Geld erst wiedersehen wenn sie Verkaufen? d.h. der übersteigerten Nachfrage folgt ein übersteigerndes Angebot. Da die Spekulanten kaufen wenn der Preis niedrig ist und verkaufen, wenn der Preis hoch ist, erfolgt also eine Antizyklische Kursbewegung. D.h. die Preise bewegen sich näher richtung dem Durchschnittskurs.

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08.04.2014, 19:28 Uhr

Stimmt fast:
Die Spekulaten kaufen nicht "wenn die Preise niedrig sind", sondern kaufen in steigende Kurse hinein. Analoges gilt für fallende Kurse.

Ergo: Spekulanten verstärken einen Trend / das Momentum.

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