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21.03.2012

13:14 Uhr

Studie

Superbenzin verteuert sich schneller als Rohöl

Fast 100 Millionen Euro pro Monat mussten Autofahrer seit November an der Tankstelle zusätzlich zahlen - also unabhängig vom höheren Ölpreis, fand eine Studie heraus. Grund sind die höheren Gewinne der Raffinerien.

Die Preise für Superkraftstoffe steigen auf Rekordhöhe. dpa

Die Preise für Superkraftstoffe steigen auf Rekordhöhe.

Berlin/HamburgDie Mineralölkonzerne haben Autofahrer an der Tankstelle in den vergangenen Monaten viel stärker zur Kasse gebeten, als es allein durch die höheren Ölpreise gerechtfertigt wäre. Das ist das Ergebnis einer Studie des Hamburger Energie-Experten Steffen Bukold im Auftrag der Bundestagsfraktion der Grünen, über die zuerst die „Saarbrücker Zeitung“ (Mittwoch) berichtet hat.

Danach ist der Preis für Superbenzin in den vergangenen drei Monaten um 11,3 Cent pro Liter gestiegen. Aber nur 6,6 Cent pro Liter ließen sich durch höhere Rohölpreise oder einen veränderten Wechselkurs Euro/Dollar erklären. 4,7 Cent hätten die Konzerne somit zusätzlich aufgeschlagen.

Hochgerechnet auf den monatlichen Absatz von Superbenzin ergebe sich daraus eine finanzielle Mehrbelastung der Tankstellenkunden von 98 Millionen Euro pro Monat. Nach der Studie sind die zusätzlichen Gewinne beim Superbenzin nicht an den Tankstellen angefallen, sondern in den Raffinerien, die sich überwiegend in den Händen der großen Mineralölkonzerne befinden. Die Bruttomarge der Raffinerien für Superbenzin erhöhte sich demnach aus dem Minusbereich bis auf gut vier Cent je Liter.

Auch der Hamburger Energie-Informationsdienst EID berichtet über einen guten Start der europäischen Raffinerien in das Jahr 2012. Die Bruttomargen hätten im Januar und Februar bei 44 Euro je Tonne gelegen, was ein guter Wert sei angesichts von Verarbeitungskosten von 33 Euro je Tonne. Die europäische Raffinerieindustrie leidet unter Überkapazitäten vor allem beim Benzin, nicht aber beim Diesel.

Durch die Insolvenz des schweizerischen Raffineriekonzerns Petroplus sind mehrere Raffinerien in Europa zumindest zeitweise aus der Produktion gegangen - das könnte die Ausweitung der Gewinne erleichtert haben. Unübersichtlicher ist die Lage beim Dieselkraftstoff. Die Analyse von Bukold registriert hier beträchtliche Schwankungen der Gewinne auf hohem Niveau, aber keinen deutlichen Anstieg.

Diesel ist technisch verwandt mit Heizöl, die Märkte beeinflussen sich. Dadurch kann die Kälteperiode im Februar mit einer plötzlich einsetzenden hohen Heizöl-Nachfrage sich ebenso ausgewirkt haben wie die Vereisung von Schifffahrtswegen. Über den gesamten Weg vom Rohöl bis zum Endverbraucher verdient die Branche schon seit längerem mehr an Diesel und Heizöl als an Benzin.

„Es ist ärgerlich, dass die Mineralölkonzerne im Windschatten der Iran-Krise ihre Gewinne auf Kosten der Verbraucher ausweiten“, sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Bärbel Höhn. Der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Stephan Kühn, sagte der „Saarbrücker Zeitung“: „Wir haben keinen funktionierenden Wettbewerb bei den Tankstellen.“ Das Kartellamt müsse umgehend Möglichkeiten erhalten, „um hier stärker zu kontrollieren und einzugreifen.“

Von

dpa

Kommentare (10)

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Account gelöscht!

21.03.2012, 13:32 Uhr

dei großen Politiker ´haben doch überhaupt keine Ahnung von den derzeitigen Benzinpreisen.
Die können in ihren Limos herumgefahren werden und brauchen sich keien Kopf darüber zu machen, wie andere zu ihrem Arbewitsplatz kommen müssen.
Ich muss jeden Tag 100 Kilometer fahren, um hin und zurück zu kommen und gebe mehr Geld als je zuvor aus, doch es interessiert keinen...
hallo? erhöht die Pendlerpauschale, dann würde es vielen besser gehen

Petra

21.03.2012, 13:45 Uhr

Unser Staat verdient am Benzin mehr als die Öl-Multis und die Öl-Konzerne, ohne auch nur einen Finger krumm zu machen oder das geringste Risiko einzugehen. Hier wird nur vom wahren Profiteur abgelenkt, dem gierigen, nimmersatten Staat!

Account gelöscht!

21.03.2012, 14:08 Uhr

dafür hätte ich keine Studie gebraucht, denn es ist seit Jahren so, aber auch das Kartellamt findet anscheinend keine Beweise dafür. Wen wundert das, denn von wem werden die Kartellhüter wohl bezahlt. Vom Staat und der hat aufgrund der hohen Einnahmen kein Interesse an einer Änderung, im Gegenteil mit dem Versuch die Penderpauschale zu kürzen, hat man gehofft den Autofahrer noch weiter abzukassieren. Vielleicht sollte Karlsruhe mal wieder einschreiten.

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