Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.04.2017

14:35 Uhr

Südafrikas Rand stürzt ab

Zehn Tage, zehn Prozent

Die umstrittene Abberufung des Finanzministers in Südafrika zieht weitere Kreise. Die Talfahrt der Landeswährung Rand findet kein Ende. Eine Regierungskrise scheint abgewendet, den Devisenmarkt beruhigt das aber nicht.

Der Devisenhandel reagiert empfindlich auf den umstrittenen Kabinettwechsel in Südafrika. Reuters

Eine Zwei-Rand-Münze

Der Devisenhandel reagiert empfindlich auf den umstrittenen Kabinettwechsel in Südafrika.

Die Regierungskrise in Südafrika wirbelt nicht nur die Landespolitik durch, sie schickt auch die Landeswährung auf Talfahrt. Der Rand hat am Mittwoch weiter an Wert eingebüßt, er wertete um bis zu 1,8 Prozent ab, sodass sich der Dollar auf 13,8625 Rand verteuerte. Auslöser der neuen Verkäufe war das Bekenntnis der regierenden ANC-Partei zum amtierenden Präsidenten Jacob Zuma. Nach der Entlassung des an den Märkten angesehenen Finanzministers Pravin Gordhan waren Rufe nach einem Rücktritt Zumas laut geworden. Ein ANC-Vertreter erklärte am Mittwoch aber, die Partei habe den Bruch Zumas mit Gordhan akzeptiert.

Zuma war es gelungen, die Parteireihen zu schließen. Die öffentlich geübte Kritik sein ein Fehler gewesen, teilte der ANC der Presse mit. Aus der Partei war zu hören, man werde im Misstrauensvotum der Opposition nicht gegen den Präsidenten stimmen. „Es gibt kein ANC-Mitglied, der für einen Antrag der Opposition stimmen wird. Keine Armee würde es ihren Soldaten erlauben vom General einer fremden Armee kommandiert zu werden.“, sagte Zuma selbst im martialischen Ton. Im Parlament, der Nationalversammlung, hält der ANC eine Mehrheit von 62 Prozent.

Südafrikanischer Rand

Der südafrikanische Rand gerät unter die Räder. Innerhalb von zehn Tagen verlor ein Zehntel seines Werts.

Damit hat der Rand seit dem 27. März, als Gerüchte um eine Abberufung Gordhans zum ersten Mal die Märkte erfassten, knapp zehn Prozent verloren. „Bisher war Gordhan der Garant für das Vertrauen der Agenturen. Nun dürfte es in der südafrikanischen Politik eher noch turbulenter werden“, sagte Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz. Afrika ist eines der Schwergewichte der afrikanischen Wirtschaft und hat das drittgrößte Bruttoinlandsprodukt des Kontinents.

Vorher hatte der Rauswurf des Finanzministers das Schwellenland bereits das begehrte Investmentgrade-Rating bei S&P gekostet. Die Agentur stufte das Land am Montag um einen Schritt auf „BB+“ von bislang „BBB“ in den Ramsch-Bereich zurück. Damit erhöhen sich für Südafrika potenziell die Kredit-Kosten. S&P erklärte, die Abberufung des bisherigen Finanzministers Pravin Gordhan durch Präsident Jacob Zuma berge ein Risiko für die Haushaltspolitik des Landes. Das schlechtere Rating versah S&P zudem mit dem Ausblick „negativ“, was eine weitere Herabstufung nach sich ziehen könnte. Höhere Kreditkosten kämen für Zuma zur Unzeit, denn im Land gibt es Proteste unter anderem wegen zu geringer Staatsausgaben für Bildung und Wohnungsbau.

Verunsicherung bei Anlegern: Flucht aus Südafrika

Verunsicherung bei Anlegern

Premium Flucht aus Südafrika

Nach dem Rauswurf des Finanzministers in Pretoria hat die Währung des Landes deutlich verloren – ein warnendes Beispiel für Anleger, die versuchen, mit Schwellenländer-Anlagen dem Niedrigzins-Umfeld daheim zu entkommen.

Gordhans Nachfolger ist Malusi Gigaba. Er signalisierte bereits seine Bereitschaft zu einer Umverteilung des Wohlstands im Land an die dunkelhäutige Bevölkerungsmehrheit. Das steht in Einklang mit der Linie von Zuma. Dieser hatte jüngst gesagt, für eine Verfassungsänderung eintreten zu wollen, die die Enteignung weißer Farmer ohne Entschädigung ermöglichen solle. Das schürt Sorgen vor einem ähnlichen Weg Südafrikas wie in Simbabwe, wo die Wirtschaft nach Enteignungen kollabiert war.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×