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28.08.2013

16:37 Uhr

Syrien

Investoren fürchten den Krieg

Der Militärschlag gegen Syrien steht offenbar unmittelbar bevor. Sollte der Konflikt eskalieren, könnte dies die Erholung der Weltwirtschaft gefährden. Der Ölpreis zieht kräftig an. Investoren und Ökonomen sind besorgt.

Preisschock droht bei Eskalation

Syrienkonflikt treibt den Ölpreis hoch

Preisschock droht bei Eskalation: Syrienkonflikt treibt den Ölpreis hoch

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DüsseldorfDer drohende Militärschlag gegen Syrien beunruhigt Ökonomen und Investoren. Sollte der Konflikt eskalieren, könnte dies die Erholung der Weltwirtschaft und die Versorgung mit Öl gefährden.

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, erwartet zwar nicht, dass die Krise in Syrien unmittelbare Auswirkungen auf die deutsche Konjunktur haben wird. „Dafür ist die syrische Wirtschaft einfach zu klein“, sagte er am Mittwoch im ARD-Morgenmagazin. Falls sich der Konflikt allerdings auf den gesamten Nahen Osten ausbreite, seien negative Effekte möglich, wie etwa steigende Öl- und Gaspreise.

Der Ölpreis ist seit Anfang der Woche bereits kräftig gestiegen. Der Preis für die in New York gehandelte Sorte „Light Sweet Crude“ stieg am Mittwoch um rund 1,50 Dollar auf 110,50 Dollar pro Barrel (159 Liter). Die Nordseesorte Brent wurde zwischenzeitlich für 117,42 Dollar pro Barrel gehandelt – das waren rund sieben Dollar mehr als noch zu Beginn der Woche.

Bei einem Flächenbrand im Nahen Osten halten die Analysten der französischen Bank Société Générale einen Ölpreisanstieg bis auf den Rekordwert von 150 Dollar für möglich. "Wir glauben, dass in den nächsten Tagen der Preis für Nordseeöl um weitere fünf bis zehn Dollar auf 120 bis 125 Dollar je Barrel steigen kann - entweder in der Annahme eines bevorstehenden Angriffs oder in Reaktion auf Schlagzeilen, wonach der Angriff begonnen hat", erklärte Analyst Michael Wittner. Sollte der Krieg sich auf Ölproduzenten wie den Irak ausweiten oder es zu Nachschub-Engpässen kommen, könnte der Preis bis auf 150 Dollar schnellen. Allerdings wären solche Preisbewegungen eher von kurzer Dauer.

Keine Panik wegen Syrien, bitte!

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Syrien ist zwar kein großer Ölproduzent. Die Förderanlangen stehen weitgehend still, seit die Europäische Union (EU) vor zwei Jahren ein Embargo verhängt hat. Ein Militäreinsatz in Syrien könnte jedoch die Nachbarländer destabilisieren und den Transport des Rohstoffs stören. In der Region werden 35 Prozent des weltweit produzierten Öls gefördert. Analysten sehen besonders Pipelines durch Angriffe gefährdet.
Vieles deutet darauf hin, dass ein Militäreinsatz mehrerer Staaten gegen Syrien unmittelbar bevorsteht. Es gebe keinen Zweifel daran, dass Damaskus chemische Waffen eingesetzt habe, sagte US-Vizepräsident Joe Biden. „Der Präsident denkt und ich denke, dass diejenigen, die chemische Waffen gegen wehrlose Männer, Frauen und Kinder einsetzen, dafür zur Rechenschaft gezogen werden sollten und müssen.“ US-Präsident Barack Obama telefonierte mit Staats- und Regierungschefs in Großbritannien, Australien, Kanada und Frankreich.

Risiken und Probleme eines Militärschlags

Sind gezielte Luftschläge gegen das Assad-Regime erfolgversprechend?

Das ist höchst umstritten und hängt davon ab, was die Beteiligten erreichen wollen. Derzeit wird vor allem über einen kurzen, eher demonstrativen Beschuss ausgewählter Ziele mit Marschflugkörpern gesprochen. Damit soll Assad gezeigt werden, dass er eine „rote Linie“ überschritten hat. Fraglich ist, welchen politischen Nutzen das brächte. Etwas anderes wären auf Wochen oder Monate angelegte Luftangriffe mit dem Ziel, eine Flugverbotszone einzurichten und damit das Regime zu stürzen. Hier streiten Militärexperten um die Frage, ob das machbar wäre - und mit welchen Verlusten. Der Nato-Oberkommandeur, US-General Philip Breedlove, hat gesagt, es sei unmöglich, alleine mit Luftangriffen die syrischen Chemiewaffen zu zerstören oder zu sichern.

Welche Risiken bestehen bei einem Einsatz?

Raketen und Bomben könnten ihre Ziele verfehlen und Zivilisten töten. Andere Ziele könnten lediglich unzureichend getroffen werden, so dass weitere Einsätze notwendig sind. Falls bei einem Angriff Flugzeuge eingesetzt werden, sind Verluste nicht auszuschließen. Nicht zuletzt: Das Regime in Damaskus könnte zum massiven Einsatz von Giftgas greifen. Auch die Reaktion Russlands und des Irans ist nicht absehbar. Russland könnte etwa die militärische Hilfen an das Regime verstärken, auch Teheran hat bereits dunkle Drohungen gemacht.

Warum ist eine Militäraktion in Syrien so gefährlich?

Syrien ist dicht besiedelt und verfügt über als gut ausgerüstet geltende Streitkräfte. Syrien hat eine von Russland aufgebaute Flugabwehr. Vor allem liegt Syrien im Herzen des Nahen Ostens. Russland und der Iran unterstützen Syrien mit Waffen. Moskau fürchtet - ebenso wie auch manche westlichen Regierungen - dass nach einem Sturz Assads Islamisten oder Extremisten die Macht übernehmen könnten und verweist auf die Instabilität in Libyen. Der Iran sieht in Syrien einen wichtigen feindlichen Nachbarn Israels. Die israelische Regierung plädiert für ein hartes Vorgehen der USA gegen Assad, um damit dem Iran zu zeigen, was Teheran droht, falls es Atomwaffen produzieren sollte. All dies zusammen bedeutet nach Einschätzung vieler Diplomaten, dass eine Militäraktion rasch zu einem Flächenbrand mit kaum kalkulierbaren Folgen führen könnte.

Welche Rechtsgrundlage könnte es für einen Militärschlag geben?

Der UN-Sicherheitsrat könnte eine Militäraktion erlauben. Allerdings ist das unwahrscheinlich. Die Vetomächte Russland und China haben bisher bereits die Androhung solcher Maßnahmen im UN-Sicherheitsrat verhindert. Denkbar, aber juristisch umstritten wäre eine Berufung auf Artikel 51 der UN-Charta. Dieser Artikel sichert „das naturgegebene Recht zur individuellen oder kollektiven Selbstverteidigung, bis der Sicherheitsrat die zur Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit erforderlichen Maßnahmen getroffen hat“.

War das bei Militäreinsätzen im Kosovo, im Irak und in Libyen der Fall?

Nein. Die Rechtmäßigkeit war deshalb immer umstritten. Die Nato berief sich bei den am 24. März 1999 begonnenen Luftangriffen auf die Notwendigkeit, der Bevölkerung des Kosovos gegen jugoslawische Truppen zu helfen und eine humanitäre Katastrophe zu verhindern. Im März 2003 begründeten die USA den Beginn des Irak-Krieges mit der Gefahr, Präsident Saddam Hussein verfüge über Massenvernichtungswaffen. Die Behauptung stellte sich später als falsch heraus. Der Kriegsbeginn wurde von den USA damit begründet, eine Resolution des UN-Sicherheitsrates habe Saddam „ernste Konsequenzen“ angedroht. Zur Begründung der Bombardierung Libyens berief sich die Nato im März 2011 auf ein Mandat des Sicherheitsrates für eine Flugverbotszone zum Schutz der Zivilbevölkerung. Russland beklagte, das Mandat sei zu weitgehend interpretiert worden.

Was tut die Nato?

Es könnte sein, dass die Nato gar nicht in Erscheinung tritt, sondern nur einige Mitgliedsstaaten. Die 28 Nato-Staaten haben jedenfalls bisher noch keinen offiziellen Auftrag an die Militärs gegeben, ein Eingreifen in Syrien vorzubereiten. Dies könnte aber rasch geschehen, sofern einzelne Mitglieder der Allianz vorpreschen. Beim Libyen-Einsatz hat die Nato erst sechs Tage nach dem Beginn von Einsätzen entschieden, die Führung der Aktion zu übernehmen. General Breedlove hat gesagt, die Abwesenheit eines offiziellen Auftrags hindere seine Offiziere nicht daran, „darüber nachzugrübeln, was nötig wäre, falls die Nato gefragt würde“.

„Der globale Rohölmarkt bekommt aktuell wieder einmal vorgeführt, welche Auswirkungen politische Instabilität in der Region auf die Angebotsseite haben kann“, kommentierte Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ Bank. „Wir weisen schon seit einigen Monaten darauf hin, dass die geopolitischen Risiken vom Kapitalmarkt unterschätzt werden. Das wird sich nun durch den Syrienkonflikt schlagartig ändern.“

„Für sich betrachtet haben die Ereignisse in Syrien nur geringen Einfluss auf den Ölpreis“, schrieben die Analysten der ANZ Bank in einem Kommentar. Entscheidend sei die Furcht vor einem Übergreifen der Spannungen auf andere Staaten der Region. Die Analysten der Société Générale prophezeiten, der Brent-Preis könne im Falle weiterer Lieferengpässe bis auf 150 Dollar je Barrel steigen.

Kommentare (30)

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Profi

28.08.2013, 11:04 Uhr

Ich dachte immer wenn der Ölpreis steigt steigen auch die Märkte,LOL.Dachte wenn Währungen der Schwellenländer fallen steigert das die Exportfähigkeit,Doppel-LOL.man kann alles drehen und wenden wie man will.

an den Märkten wird gekauft, und verkauft.und wenn der S&P 20% seit Jahresanfang macht,wird einfach mal geld vom Spieltisch genommen,nicht mehr,nicht weniger.Da ist der Krieg genauso egal wie wenn in china ein Sack Reis umfällt

keeper

28.08.2013, 11:30 Uhr

".Da ist der Krieg genauso egal wie wenn in china ein Sack Reis umfällt"

Nö.
Mit dem Sack Reis bekommt man keine Headline mit welcher man argumentieren, und auf deren Basis man sich für eine Richtung einigen könnte. (irgendwo muß die billige Knete ja hin...)

... allmählich fragen sich immer mehr Menschen,
was wohl die eigentliche Ursache der Krise ist und woher dieser Zwang zur kreditfinanzierten Nachfrage wohl kommen mag ...

mal ein bisschen Krieg zwischenrein, dann kommt das Volk wieder auf ganz andere Gedanken.


Freidenker

28.08.2013, 11:33 Uhr

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