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30.08.2013

12:46 Uhr

Syrien-Konflikt

USA wollen Ölreserven vorerst nicht anzapfen

Die USA bleiben auf dem Ölmarkt trotz der Syrien-Krise zurückhaltend. Vorerst werden keine eigenen Ölreserven angetastet. Das könnte sich schlagartig ändern, wenn sich der Konflikt im Nahen Osten ausweitet.

Arbeiter in einer Ölplattform vor der Küste Kaliforniens. Derzeit hält sich die US-Regierung mit dem Antasten strategischer Ölreserven zurück. ap

Arbeiter in einer Ölplattform vor der Küste Kaliforniens. Derzeit hält sich die US-Regierung mit dem Antasten strategischer Ölreserven zurück.

Washington/FrankfurtDie USA wollen trotz des jüngsten Ölpreis-Anstiegs offenbar vorerst nicht in den Markt eingreifen. Eine Auflösung strategischer Reserven, um die Preise zu drücken, ist Insidern zufolge kein Thema.

„Ein Anzapfen der Ölreserven steht weder unmittelbar bevor noch wird sie derzeit ernsthaft erwogen“, sagte eine Person, die an den regelmäßigen Gesprächen der US-Regierung zur Lage am Ölmarkt teilgenommen hat. Das werde sich wohl erst dann ändern, wenn die Folgen eines möglichen Militärschlags gegen Syrien schwerwiegender seien als erwartet. Auch Großbritannien will nach Aussagen eines Regierungsvertreters seine Ölreserven vorerst nicht antasten.

Die USA halten 700 Millionen Barrel (159 Liter) oder 111,3 Milliarden Liter Rohöl vorrätig. Zum bislang letzten Mal wurden Teile davon 2011 verkauft, als die Unruhen während des „Arabischen Frühlings“ die Furcht vor einer Unterbrechung der Ölversorgung geschürt hatten.

Wegen der Spekulationen auf einen Militärschlag des Westens gegen Syrien hatte sich ein Fass der richtungsweisenden Ölsorte Brent aus der Nordsee sich binnen weniger Tage um mehrere Dollar verteuert und am Mittwoch mit 116,61 Dollar je Barrel (159 Liter) ein Sechs-Monats-Hoch markiert. Die Internationale Energieagentur (EIA) sieht darin allerdings noch keinen Grund für eine Reaktion. Sie sei allerdings darauf vorbereitet, „im Falle einer größeren Unterbrechung des Nachschubs“ sofort einzugreifen.

Meilensteine der Ölpreisentwicklung

Beginne der Ölförderung

Die ersten gewinnbringenden Erdölbohrungen finden Mitte des 19. Jahrhunderts statt. In dieser Zeit entstehen auch die ersten Raffinerien. Bis 1864 steigt der Ölpreis auf den Höchststand von 8,06 Dollar pro Barrel (159 Liter); inflationsbereinigt müssen damals im Jahresdurchschnitt 128,17 US-Dollar gezahlt werden. In den folgenden Jahrzehnten bleibt der Preis auf einem vergleichsweise niedrigen Level, fällt mitunter sogar, bedingt etwa durch den Erfolg der elektrischen Glühlampe, durch die Öl im privaten Haushalt nicht mehr zur Beleuchtung nötig ist.

Vollgas mit Benzin

Mit dem Erfolg des Automobils zu Beginn des 19. Jahrhunderts steigt die Öl-Nachfrage rasant; speziell in den USA, wo der Ford Modell T zum Massenprodukt wird. 1929 fahren insgesamt 23 Millionen Kraftfahrzeuge auf den Straßen. Der Verbrauch liegt 1929 in den Staaten bei 2,58 Millionen Fass pro Tag, 85 Prozent davon für Benzin und Heizöl. Die Preise bleiben allerdings weiter unter fünf Dollar pro Fass (nicht inflationsbereinigt), da auch mehr gefördert wird.

Negative Folgen der Weltwirtschaftskrise

In den 30er Jahren kommt die Große Depression, die Unternehmenszusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit, Deflation und einen massiven Rückgang des Handels durch protektionistische Maßnahmen zur Folge hat. Während der Weltwirtschaftskrise verringert sich die Nachfrage nach Erdöl und der Preis sinkt auf ein historisches Tief. 1931 müssen bloß noch 0,65 Dollar pro Barrel gezahlt werden (inflationsbereinigt etwa zehn US-Dollar). So billig sollte das schwarze Gold nie wieder sei.

Goldene Zeitalter des billigen Öls

Nachdem sich die Weltkonjunktur erholt hat, steigt der Preise für Öl wieder, bleibt aber konstant unter fünf Dollar pro Barrel. Für die Jahre zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Ölkrise im Herbst 1973 spricht man deshalb vom „goldenen Zeitalter“ des billigen Öls.

Erste Ölkrise

In den 70er und 80er Jahren kommt der Ölpreis in Bewegung. Als die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) nach dem Krieg zwischen Israel und den arabischen Nachbarn im Herbst 1973 die Fördermengen drosselt, um politischen Druck auszuüben, vervierfacht sich der Weltölpreis binnen kürzester Zeit. Zum Ende des Jahres 1974 kostet ein Barrel über elf Dollar (inflationsbereinigt fast 55 US-Dollar). Dies bekommen auch Otto-Normal-Bürger zu spüren: In Deutschland bleiben sonntags die Autobahnen leer, in den USA bilden sich Schlangen vor den Tankstellen.

Preisexplosion während des Golfkriegs

Während der zweiten Ölkrise in den Jahren 1979/1980 zieht der Ölpreis nach einem kurzfristigen Rückgang weiter an. Ausgelöst wird dies im Wesentlichen durch Förderungsausfälle und Verunsicherung nach der Islamischen Revolution. Nach dem Angriff Iraks auf Iran und dem Beginn des Ersten Golfkrieg explodieren die Preise regelrecht. Auf dem Höhepunkt im April 1980 kostet ein Barrel 39,50 Dollar (inflationsbereinigt 116 Dollar).

Niedrigpreise in den 80er und 90er Jahren

Die 80er und 90er Jahre sind – abgesehen von dem kurzzeitigen Anstieg verursacht durch den Zweiten Golfkrieg – eine Phase niedriger Ölpreise. Die Industriestaaten befinden sich in einer Rezession und suchten aufgrund vorhergehenden Ölkrisen mit besonders hohen Preisen nach alternativen Energiequellen. Weltweit gibt es Überkapazitäten. Während der Asienkrise 1997/1998 sinkt die Nachfrage weiter. Ende des Jahres 1998 werden 10,65 Dollar pro Barrel verlangt.

Ein rasanter Anstieg

Nach Überwindung der Krise wachsen die Weltwirtschaft und damit auch der Ölbedarf schnell. Selbst die Anschläge auf das World Trade Center 2001 sorgen nur für einen kurzen Rücksetzer. Anfang 2008 steigt der Ölpreis erstmals über 100 US-Dollar je Barrel, Mitte des Jahres sogar fast auf 150 Dollar. Ein Grund für den Preisanstieg war der Boom des rohstoffhungrigen China, mittlerweile zweitgrößter Verbraucher der Welt. Die Finanzkrise ließ den Preis Ende 2008 allerdings wieder abstürzen.

Ölpreis heute

Ein weltweites Überangebot hält die Preise weiterhin auf niedrigem Niveau. Aktuell kostet ein Barrel Brent rund 30 US-Dollar.

Der Ölpreis-Anstieg sei bislang zu kurzlebig, um die Weltwirtschaft nachhaltig zu beeinträchtigen, betonten die Experten der Fondsgesellschaft Union Investment. „Eine merkliche Wachstumsdämpfung würde unseres Erachtens erst ab Ölpreisen über 138 Dollar pro Barrel auftreten.“

So lange der Konflikt auf Syrien beschränkt bleibt, muss Börsianern zufolge nicht mit einer Ölpreis-Explosion gerechnet werden. Schließlich sei das Land ein relativ kleiner Produzent mit einem Weltmarktanteil von 0,4 Prozent. „Allerdings hat der Konflikt Auswirkungen auf die Stabilität der gesamten Region im Nahen Osten“, warnt die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Deutschland in einem Kommentar. Experten befürchten für den Fall eines Angriffs auf Syrien Vergeltungsanschläge in den Nachbarstaaten Türkei oder Jordanien sowie auf Ölförderanlagen im Irak.

Bei einem Überschwappen des Konflikts könnte der Ölpreis auf ein neues Rekordhoch von 150 Dollar steigen, prognostizierte die Societe Generale (SocGen). Dann könnte ein Anzapfen der strategischen Ölreserven schnell wieder auf die Tagesordnung gesetzt werden, sagte Charles Ebinger, Chef der Energiesicherheitsinitiative der Denkfabrik Brookings Institution. „Wenn die Märkte zu nervös werden, werden wir es versuchen.“

Von

rtr

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