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26.01.2015

09:32 Uhr

Syriza-Sieg in Griechenland

Euro hält den Atem an

Die Reaktion war heftig, aber kurz: Für wenige Sekunden fiel der Kurs des Euro nach dem Syriza-Wahlsieg unter die Marke von 1,11 Dollar. Die Furcht vor einem Wiederaufflammen der Euro-Krise wächst.

Folgen der Griechenland-Wahl

Mit Syriza kommt „das Ende der Spar-Politik“

Folgen der Griechenland-Wahl: Mit Syriza kommt „das Ende der Spar-Politik“

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SingapurDer klare Sieg für das Linksbündnis Syriza in Griechenland hat den Euro auf Berg- und Talfahrt geschickt. Die Gemeinschaftswährung fiel in der Nacht für wenige Sekunden unter die Marke von 1,11 Dollar auf 1,1098 Dollar und markierte damit den tiefsten Stand seit mehr als elf Jahren.

Bis Montagmorgen erholte sich die Gemeinschaftswährung aber wieder etwas und notierte bei 1,1228 Dollar. Am Freitagnachmittag war der Euro wegen der EZB-Geldpolitik bereits bis auf 1,1115 Dollar abgetaucht.

Syriza hat Verhandlungen über die Reformauflagen seiner internationalen Geldgeber angekündigt. Das schürt unter Anlegern die Furcht vor einem Wiederaufflammen der Euro-Krise. Für Entspannung sorgte allerdings, dass Syriza mit ihrem Parteichef Alexis Tsipras die absolute Mehrheit verpasst hat.

Griechenland – Gefahrenherd für Europa?

Der ESM

Anders als zu Beginn der Krise, als Politiker auf hektischen Gipfeltreffen mit improvisierten Maßnahmen der Probleme Herr zu werden versuchten, verfügt die Eurozone heute über eine Institution, die speziell für die Rettung angeschlagener Mitglieder geschaffen wurde. Der Europäische Stabilitäts-Mechanismus (ESM) kann Staaten im Notfall mit bis zu 500 Milliarden Euro beispringen. Staaten können Hilfen auch beantragen, wenn Kapitallücken im Bankensystem klaffen.

Die Lage der anderen Krisenländer

Neben Griechenland mussten während der Eurozonen-Krise auch Portugal, Irland und Zypern unterstützt werden. Anders als damals gibt es heute aber keine auf der Hand liegenden Kandidaten mehr, auf die eine Krise überspringen könnte. Die Lage der Staatsfinanzen in Portugal und Irland hat sich deutlich verbessert, in Spanien wuchs die Wirtschaft zuletzt wieder kräftig. Nur bei den Schwergewichten Frankreich und Italien sind kaum Fortschritte beim Abbau des Haushaltsdefizits und den Strukturreformen zu verzeichnen.

Die EZB

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Finanzmärkten klar gemacht, dass sie den Euro verteidigen will. Im Juli 2012 erklärte EZB-Präsident Mario Draghi, man werde „alles Erforderliche“ tun, um den Euro zu retten. Seitdem hat die EZB ihre Geldpolitik deutlich gelockert. Die Märkte erwarten, dass die EZB im ersten Quartal 2015 den breit angelegten Kauf von Staatsanleihen verkünden wird. Dank der Käufe dürften Euroländer ihre Haushalte zu besseren Konditionen finanzieren können. Das würde nicht nur Griechenland zugutekommen.

Das europäische Bankensystem

Beim Ausbruch der Eurozonen-Krise im Jahr 2010 fürchteten die Kapitalmärkte die Folgen einer griechischen Staatspleite für den europäischen Bankensektor. 2012 verzichteten private Gläubiger Griechenlands – darunter auch Banken – auf die Rückzahlung von 100 Milliarden Euro Schulden. Im Vergleich dazu sind Europas Banken heute nicht mehr so stark in Griechenland engagiert.

Aus Sicht der Commerzbank-Analysten muss der Wahlausgang in Griechenland keine Belastung für den Euro werden. „Zumindest scheint eine Hängepartie in der Regierungsbildung und damit erneute Neuwahlen unwahrscheinlich. Und, dass es mit der neuen Regierung Streit um die Hilfsprogramme geben wird, war lange bekannt und dürfte am Markt bereits eingepreist sein“, heißt es in einem Kommentar.

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer urteilte: „Der Wahlsieg der Linken bedeutet, dass der Euro-Raum bei der Lösung der Staatschuldenkrise auf halber Strecke stehen bleibt.“ Der Druck auf die EZB wachse, die ungelösten Probleme durch eine massive Abwertung des Euro zu übertünchen, so Krämer.

Syriza-Chef Alexis Tsipras hatte im Wahlkampf erklärt, das von der Troika aus Europäischer Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) mit 240 Milliarden Euro vor der Pleite gerettete Griechenland zwar in der Euro-Zone halten zu wollen. Vereinbarte Reform-Auflagen will er aber kippen. Zudem forderte er einen Schulden-Nachlass.

Tsipras signalisierte den EU-Partnern noch in der Wahlnacht aber Gesprächsbereitschaft für eine „gerechte und praktikable Lösung“ beim Umgang mit den Schulden und dem Sparkurs. Experten wie JP-Morgan-Analyst David Mackie erwarten dennoch, dass der Syriza-Sieg den Euro weiter belasten wird. Es sei jedoch nicht davon auszugehen, dass Griechenland die Währungsunion verlässt.

„Das ist für Griechenland eine mögliche Katastrophe, aber keine für Europa“, so Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank, in einem Kommentar. Selbst einem Austritt aus der Gemeinschaftswährend sieht er gelassen: Europa habe alle Instrumente, um mit Ansteckungsgefahren im Falle eines Euro-Austritts umzugehen.

Euro-Kurs

Kursverlauf Euro/Dollar am 26. Januar 2015.

Kommentare (37)

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Herr Thomas Behrends

26.01.2015, 09:15 Uhr

Der Gefahrenherd ist weit weniger Griechenland und das dortige Wahlergebnis, sondern die elende administrative Schlamperei in Brüssel, Frankfurt, Paris und Berlin im Zusammenhang mit der Bildung einer sog. Währungsunion.

Hier wurde eindeutig zu kurz gedachtet! Solange der EURO lediglich den Kitt darstellt, der Deutschland von einem erneuten Großmachtstreben abhalten sollte (nach dem Wunsch des damaligen franz. Präsidenten Mitterand) und keine weitergehenden einigenden Maßnahmen wie etwa eine Sozial- und Fiskalunion erzielt werden, solange wird Europa nachhaltig geschwächt.

Im Falle Griechenlands ist es doch eindeutig: Jeder denkt an sich, nur ich, ich denk´ an mich!

So wird Europa nie zusammenwachsen.

Die Realität wird alle EU-Staaten überrolen. Der Finanz-Tsunami droht!

Herr Helmut Paulsen

26.01.2015, 09:22 Uhr

Der EURO ist eine rein "politische Währung" - egal welched Nebenwirkungen sie erzeugt.

Die Staaten in Europa werden "zusammen-stranguliert" und mit "Dauerkriese" und "Dauer-Bedrohung IS-Islam" werden wir mürbe gemacht - bis wir alles erdulden was "die von oben" ale sogenannte "Geld-Druck-Elite" mit uns vorhaben.

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+++ Übrigens GLÜCKWUNSCH HANDELSBLATT !!

Die einzige Zeitung die wieder "gewachsen" ist ist HB.

"BILD, WELT usw. Lügenpresse" verlieren nochmal kräftig. Wer will sich diese "vollgepinkelten WIndel-Eimer" auch durchlesen ??

http://www.neopresse.com/medien/erneuter-einbruch-medien-verlieren-massiv-leser/

Herr richard roehl

26.01.2015, 09:22 Uhr

Es ist immer wieder erstaunlich, wie das Handelsblatt glaubt, für jedwede Kursbewegung, seien es Devisen oder Aktien, eine politische oder ökonomische Begründung abgeben zu müssen und zu können. Wie auch in diesem Fall "...Euro unbelastet..., weil Syriza keine absolute Mehrheit erreicht hat". Aha, aber stattdessen mit den doch radikaleren ultrarechten koaliert, das soll also die Begründung sein? Wer's glaubt! HB, berichtet doch einfach wertneutral, und lasst den Leser selber denken

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